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Amadeu Antonio Stiftung

QAnon verbreitet sich analog zu COVID-19 verstärkt in Deutschland

Ein Display eines Smartphones in Nahaufnahme, auf dem Social-Media-Icons zu sehen sind
Bild: geralt - pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Der neue de:hate report zeigt auf, wie sich die bis dahin fast ausschließlich in den USA bekannte Verschwörungsideologie QAnon seit dem Frühjahr 2020 auch in Deutschland verbreitet. Nutzerdaten von Telegram und YouTube zeigen, dass dies analog zur COVID-19-Pandemie geschieht. Nicht nur die Verschwörungsideologie von QAnon wird so verbreitet. Die weltweite Popularität von QAnon beschleunigt auch die Globalisierung der rechtsextremen Szene. Diese und weitere Erkenntnisse liefert das Monitoring der Amadeu Antonio Stiftung.

Aktuell geht ein „Fotobeweis“ durch Europas QAnon-Gruppen: Angela Merkel ist Adolf Hitlers Tochter und das 4. Reich steht jetzt kurz bevor. Eine Verschwörungserzählung, weder neu noch unwiderlegt, und doch wird sie gerade europaweit in QAnon-Gruppen online diskutiert und geglaubt.

Ergebnisse des Online-Monitorings der Amadeu Antonio Stiftung

Populäre Netzwerke wie Facebook, Youtube und Instagram gehen zunehmend gegen QAnon-Inhalte vor und verbannen sie von den Plattformen. Diese ‚deplatforming‘ genannte Verdrängung kostet die Anhänger/-innen der Verschwörungsideologie spürbare Reichweite. Doch diese Reaktion kommt zu spät. „Weil die verschiedenen Social Media-Plattformen QAnon so lange gewähren ließen, konnte sich eine große Basis aufbauen, von der ein Kern auf alternativen Plattformen – in Deutschland z.B. Telegram – weiter existieren kann, selbst wenn nun Kanäle geschlossen werden“, erklärt Miro Dittrich, Experte für Online-Monitoring bei der Amadeu Antonio Stiftung. Dieses Problem wird voraussichtlich bleiben: „Die Menschen, die in diese alternative Wirklichkeit gezogen worden sind, die gelernt haben, sich über „alternative“ Medien zu informieren und die an Verschwörungsmythen glauben, die ändern ihr Weltbild nicht“, erläutert Dittrich.

Die Verschwörungserzählungen von QAnon vereinen Verschwörungsdenken, Antisemitismus und autoritäre Umsturzfantasien“, erklärt Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung. „Dieser ideologische Kitt ist anschlussfähig für verschiedenste Milieus und eine Art Einstiegsdroge für weiteres Verschwörungsdenken und demokratiefeindliche Einstellungen. Umso wichtiger ist es, jetzt zügig eine breite Auseinandersetzung mit antisemitischen Verschwörungsmythen zu beginnen und auch nach der Corona-Pandemie entschlossen weiterzuführen.“

Reihe de:hate reports

Die Reihe de:hate reports bietet regelmäßige Einblicke in die qualitative und quantitative Monitoringarbeit der Amadeu Antonio Stiftung. Dieser erste de:hate report zeigt, welche Kanäle und Gruppen in Bezug auf QAnon besonders relevant waren, wie Radikalisierung im Falle dieser Verschwörungsideologie aussieht und welche gesellschaftlichen Bedingungen der Verbreitung der Verschwörungsideologie zugrunde liegen. Ein Zeitstrahl illustriert, wie sich gewaltsame Vorfälle im Zusammenhang mit QAnon in den USA seit Beginn der COVID-19-Pandemie häufen. Den Analysen und Prognosen folgen konkrete Handlungsempfehlungen für Politik, Medien, Sicherheitsbehörden und die Öffentlichkeit.

Hintergrund der Analyse

Die Amadeu Antonio Stiftung beobachtet die QAnon-Verschwörungsideologie seit ihrer Entstehung. Für die Analyse der Verbreitung in Deutschland wurden Daten von 50 YouTube-Kanälen, sowie 48 Kanäle und 34 Gruppen auf Telegram ausgewertet, die vornehmlich QAnon-Content teilen. Die Ergebnisse der Analyse sind in dem neuen Bericht „QAnon in Deutschland“ dokumentiert, der zum Download bereitsteht.

Über die Amadeu Antonio Stiftung

Seit ihrer Gründung 1998 ist es das Ziel der Amadeu Antonio Stiftung, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Die gemeinnützige Stiftung steht unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Thierse.

Quelle: Amadeu Antonio Stiftung vom 02.11.2020

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