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Coronavirus / Sozialpolitik

Kinderrechtsorganisationen warnen vor humanitärer Katastrophe

Afrikanische Mutter trägt ihr Kind in Tuch auf Rücken
Bild: © poco.bw - Fotolia.com

Die Kindernothilfe und Plan International Deutschland weisen auf die verheerenden Folgen der Corona-Pandemie für Entwicklungs- und Schwellenländer hin – insbesondere Kinder die dort leben wird die Krise schwer treffen, fürchten die Kinderrechtsorganisationen. Sie fordern dazu auf, die ärmsten Länder jetzt nicht zu vergessen.

Kindernothilfe warnt vor verheerenden Folgen für Kinder

Die Kindernothilfe sieht verheerende Nebenwirkungen der COVID-19-Pandemie auf Millionen Kinder in der Welt zukommen. „Das Corona-Virus hat die Entwicklungs- und Schwellenländer erreicht und wird besonders Mädchen und Jungen hart treffen“, sagt Carsten Montag, Vorstand der Kindernothilfe. Die desolate Gesundheitsversorgung sei das eine Problem. Steigende Armut in den Familien, Hunger, fehlende Lernangebote für die Kinder und eine Zunahme der häuslichen Gewalt seien weitere fatale Folgen, so Montag weiter. „Wenn wir unsere Unterstützung nicht umgehend auf die neuen Herausforderungen anpassen, werden mit dem Corona-Virus die Erfolge für die Rechte der Kinder, für die wir uns seit Jahren einsetzen, ernsthaft gefährdet.“

Durch Ausgangsbeschränkungen und Isolation haben viele Eltern ihre Arbeit verloren und Kinder keine Möglichkeit mehr, zur Schule zu gehen. „Es gibt noch keine gesicherten Zahlen über die Zunahme von Gewalt und Frühverheiratung durch die Pandemie. Aber aus Erfahrung durch die Arbeit in Kriegs- und Krisengebieten wissen wir, dass Kinder in diesen Situationen besonderen Schutz benötigen, den sie momentan nicht erhalten“, so Montag.

Um die Projektarbeit rasch an die neuen Herausforderungen anzupassen, stellt die Kindernothilfe zusammen mit den Verbundorganisationen in Österreich, der Schweiz und Luxemburg zusätzlich eine Million Euro für Soforthilfemaßnahmen und zusätzliche Schutzmechanismen für Kinder zur Verfügung. „Wir haben starke und verlässliche Partnerorganisationen in allen Projektländern, um diese Aufgabe zu meistern. Wir brauchen aber auch die Solidarität und Unterstützung unserer Spenderinnen und Spender und flexible Hilfe von den öffentlichen Gebern“, so Montag.

„Erfolge der Entwicklungszusammenarbeit könnten über Jahre ausradiert werden.“

Entwicklungsländern droht durch Covid-19 eine humanitäre Katastrophe. „Das Virus trifft gerade ungebremst auf arme Länder mit völlig unzureichenden Gesundheitssystemen. Das wird eine hohe Sterberate zur Folge haben, denn nicht nur für ältere Menschen, auch für Kinder mit Vorerkrankungen ist das Virus lebensbedrohlich“, warnt Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International Deutschland. „Kinder werden von den Folgen der Covid-19-Pandemie am schwersten betroffen sein. Wenn die Schulen schließen, fehlt ihnen nicht nur Bildung – viele Kinder erhalten dort ihre einzige Mahlzeit des Tages. Wenn diese wegfällt, wird das fatale Folgen haben, denn viele von ihnen sind jetzt schon mangelernährt und völlig geschwächt.”

Auch häusliche Gewalt und Frühverheiratungen werden durch den Druck auf die Familien zunehmen. „Eltern, die ihre Kinder nicht mehr ernähren können, weil sie durch Isolierungsmaßnahmen kein Geld mehr verdienen, geraten in Not. Der Druck kann dazu führen, dass Mädchen und Frauen vermehrt von ihren Vätern und Männern misshandelt werden. Erfahrungsgemäß wird zudem ein Ausweg darin gesehen, Töchter früh zu verheiraten, um so die finanzielle Last auf die Familie zu lindern. Vor Ort tätige Hilfsorganisationen müssen die verbleibende Zeit mit den lokalen Regierungen jetzt intensiv nutzen, um Aufklärungskampagnen durchzuführen und sich auf einen Covid-19 Ausbruch vorzubereiten. Dazu gehört auch, Schutzmechanismen für Kinder einzuführen. Wenn wir jetzt nicht schnell handeln, könnten die Erfolge bereits geleisteter Entwicklungszusammenarbeit über Jahre ausradiert werden”, so Maike Röttger.

Plan International fordert, dass die ärmsten Länder jetzt nicht vergessen werden. Die Regierungen des globalen Nordens müssen trotz eigener Probleme mit dem Virus ausreichend zusätzliche Gelder zur Bekämpfung von Covid-19 zur Verfügung stellen, ohne die es die armen Länder nicht schaffen werden. Maike Röttger: „Deutschland muss seiner globalen Verantwortung gerecht werden und sich am Covid-19 Response Plan der Vereinten Nationen angemessen finanziell beteiligen.”

Die Kinderhilfsorganisation Plan International hat derzeit über seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort noch Zugang zu Projektgebieten. Einschränkungen sind aber absehbar. Deshalb wird die Arbeit mit lokalen Partnern, mit denen Plan seit vielen Jahren professionell und vertrauensvoll vor Ort zusammenarbeitet, jetzt wichtiger denn je. Plan stellt finanzielle Ressourcen für lokale Partner zur Verfügung, um die Projekte vor Ort fortzuführen. Die wichtigsten Bereiche sind der Schutz von Kindern, Maßnahmen zur Hygiene sowie die Versorgung mit Lebensmitteln.

Quelle: Plan International Deutschland vom 02.04.2020 und Kindernothilfe e.V. vom 09.04.2020

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