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Fachhochschule Bielefeld

Einsamkeit schadet der Gesundheit

Eine Frau blickt traurig durch ein verregnetes Fenster.
Bild: Maria Victoria Heredia Reyes – Unsplash

FH-Projekt „(Gem)einsam durch Corona“ hat eine Internetseite mit einer Ideensammlung gegen Einsamkeitsgefühle gestartet. Auch eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Einsamkeit ist dort zu finden.

„Einsamkeit ist gesundheitsschädlicher als Rauchen, Fettleibigkeit und Bewegungsmangel.“ Diese These steht im Fokus des Projekts (Gem)einsam durch Corona der Fachhochschule (FH) Bielefeld. Auf einer neuen Webseite sind neben den wissenschaftlichen Forschungsergebnissen auch ganz praktische Vorschläge für Privatpersonen oder Pflegekräfte gesammelt, die Gefühlen der Einsamkeit entgegenwirken können.

Dr. Sebastian Bamberg, Professor für Psychologie am Fachbereich Sozialwesen der FH Bielefeld, erklärt, dass Einsamkeit mit dem täglichen Konsum von 15 Zigaretten verglichen werden könne: „Soziale Kontakte beeinflussen unsere Persönlichkeit, indem sie die soziale Identität beeinflussen. Normen, die in einer Gruppe vorherrschen, bestimmen, welche Meinungen und Aktivitäten uns wichtig sind und wie wir uns in bestimmten Situationen verhalten. All diese Faktoren wirken sich auf unsere Gesundheit aus.“ Um gesund zu bleiben, sei es daher notwendig, tragfähige soziale Bindungen aufzubauen.

Doch gerade während der Coronapandemie erleben viele Menschen Einsamkeit: Ältere Menschen oder Patientinnen und Patienten in Einrichtungen, die keinen Besuch bekommen dürfen oder wollen, aber auch Studierende, die isoliert Onlinevorlesungen verfolgen, und viele andere Menschen, die ihren Hobbies oder sonstigen Routinen wegen der Schließungen nicht nachgehen können und bei denen die damit verbundenen sozialen Kontakte entfallen.

Webseite verwandelt Erkenntisse in praktische Tipps

Im Projekt (Gem)einsam durch Corona wurden psychologische, sozialwissenschaftliche und digitalisierungsbezogene Kompetenzen vereint, um in dieser Situation Lösungsangebote zusammenzutragen, deren Wirksamkeit zu bewerten und bekannt zu machen. Professor Dr. Udo Seelmeyer, Lehrgebiet Sozialarbeitswissenschaft an der FH Bielefeld, forscht dazu, wie digitale Angebote in der Sozialen Arbeit hilfreich eingesetzt werden können. Ein gemeinsames Ergebnis des Projekts ist die Internetseite www.einsam-durch-corona.de, die grundsätzlich in das Thema einführt und eine Vielzahl an ganz praktischen Tipps präsentiert, wie sich Einsamkeitsgefühle reduzieren lassen. Die meisten der Vorschläge lassen sich relativ einfach umsetzen. Sie richten sich an die Betroffenen selbst, aber ebenso an Personen, die einsame Menschen betreuen, beispielsweise in Kliniken oder Seniorenheimen. Zu diesen Maßnahmen gegen Einsamkeit zählen ganz klassische Briefkontakte, Ideen für die Ermöglichung persönlicher Kontakte unter Coronabedingungen, digitale Kommunikation, oder Vorschläge, wie sich auch unter den gegenwärtigen Einschränkungen Gemeinschaftserlebnisse im Kontext von Sport und Bewegung, musikalischen und kreativen Angeboten umsetzen lassen.

Auch ihre wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Einsamkeit erörtern die beiden Professoren auf der Seite. Denn zu Beginn des Projekts haben Seelmeyer und Bamberg sich gefragt, was wirklich gegen Gefühle von Einsamkeit und sozialer Isolation hilft. Sebastian Bamberg erläutert: „Auf diese Frage konzentriert sich die empirische Wirkungsforschung. Hier sind sogenannte Metaanalysen der wissenschaftliche Gold-Standard zur Beantwortung der Frage, ob eine Maßnahme wirksam ist oder nicht. Eine Metaanalyse ist eine statistische, quantitative Zusammenfassung der Ergebnisse vorliegender empirischer Evaluationsstudien.“ Udo Seelmeyer führt fort: „Für unsere Frage besonders relevant ist eine Metaanalyse von den vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Masi, Chen, Hawkley und Cacioppo aus dem Jahr 2011. Sie haben Befunde aus 40 Interventionsstudien zusammengefasst, in denen empirisch überprüft wurde, wie wirksam verschiedene Maßnahmen zur Reduktion von Einsamkeitsgefühlen sind. Anhand dieser und weiterer wissenschaftlicher Erkenntnisse haben wir mit einer breiten Suchstrategie Maßnahmen und Ideen aus verschiedenen Medienquellen zusammengestellt und vergleichbare Interventionen zusammengefasst und bewertet.“ Ihr wissenschaftliches Vorgehen wollen die beiden Professoren auf der Internetseite auch Laien zugänglich machen. Außerdem haben sie eine Vorlage erarbeitet, mit der Nutzerinnen und Nutzer eigene Interventionen erarbeiten können.

Quelle: Fachhochschule Bielefeld vom 05.01.2021