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Coronavirus / Flucht und Migration

Corona-Folgen treffen Geflüchtete und Migranten in Deutschland besonders hart

Ein junger Mann steht auf einer Brücke und blickt nachdenklich in die Ferne.
Bild: fsHH - pixabay.com (CC0)

In der Pandemie entfalten ausländerrechtliche Vorgaben für viele Migrant(inn)en und Geflüchtete neue Brisanz. Der Deutsche Caritasverband fordert pragmatische und unbürokratische Lösungen, um Abhilfe für die akutesten Probleme zu schaffen. Außerdem weist der Verband auf Möglichkeiten des Engagements im Migrationsbereich in der Corona-Zeit hin.

Die Corona-Pandemie stellt die gesamte Gesellschaft vor riesige Herausforderungen. Speziell Geflüchtete haben es in dieser Situation besonders schwer: Viele von ihnen sind angesichts ihrer Unterbringungssituation dem Virus in besonderer Weise ausgesetzt; die rechtlichen und bürokratischen Verfahren, von denen ihre Zukunft abhängt, können nicht wie bisher fortgeführt werden; Kontaktverbote und Isolation drohen, ihre Integration in die deutsche Gesellschaft merklich zu bremsen.

„Die Caritas begleitet Migrantinnen und Migranten und Geflüchtete seit Langem und auch in dieser Krise. Wir wissen, wie fragil ihr Platz in unserer Gesellschaft ist“, so Caritas-Präsident Peter Neher. „Wir setzen alles daran, dass die Corona-Pandemie die Integration, eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft, nicht zum Erliegen bringt.“

Pragmatische Lösungen notwendig

An vielen Stellen kann mit pragmatischen Anpassungen Abhilfe für die akutesten Probleme geschaffen werden – zum Beispiel, indem Fristen bei den Asylverfahren, welche im Moment unmöglich zu halten sind, von staatlichen Stellen gelockert werden, oder indem der Zugang zu bestimmten Sozialleistungen vereinfacht wird, so Neher weiter. Mit dem letzte Woche verabschiedeten Sozialschutzpaket hat der Gesetzgeber bereits einige Schritte in diese Richtung getan. Pragmatische Lösungen sind auch notwendig, damit EU-Bürgerinnen und EU-Bürger nicht plötzlich mittellos da stehen und gleichzeitig ohne Möglichkeit, in ihr Land zurückzukehren.

Erforderlich wäre auch die Aufhebung von Arbeitsverboten für Schutzsuchende. Sie würde ihnen erlauben, in alten und neuen Mangelberufen (zum Beispiel in der Landwirtschaft) der gesamten Gesellschaft einen Dienst zu erweisen, fügt der Caritas-Präsident hinzu.

Dringender Handlungsbedarf bei Unterbringung

Der Deutsche Caritasverband fordert, dass Menschen aus Risikogruppen (Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen) und Familien mit Kindern, die in Großunterkünften leben, unverzüglich aus diesen umverteilt und in kleineren kommunalen Unterkünften, leer stehenden Hotels oder Appartements untergebracht werden. Hygiene- und Abstandsregeln können in Großunterkünften, in denen Küchen und Sanitäreinrichtungen geteilt werden, nur sehr schwer oder nicht eingehalten werden.

Hindernisse für die Integration

Geflüchtete können zu ehrenamtlichen Patinnen und Paten, die eine herausragende Rolle bei der Integration spielen, nur noch per Telefon oder online Kontakt haben. Auch die Schließung von Kitas und Schulen stellt für die Integrationsbemühungen spürbare Hindernisse dar. Kinder, die mehrere Wochen lang kein oder wenig Deutsch hören und sprechen, und für die der virtuelle Unterricht schwierig zu organisieren ist, drohen in der Schule abgehängt zu werden.

Innerhalb der Caritas gibt es auf lokaler Ebene zahlreiche Angebote und Initiativen, die sich auf die neuen Herausforderungen anpassen, zum Beispiel mit Hausaufgabenhilfe per Messenger-Dienst. „Mit großem Pragmatismus und Engagement tun Haupt- und Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe alles, damit die Integration nicht zum Stehen kommt“, so Neher. Wir sehen übrigens auch, dass Geflüchtete sich vielerorts selbst engagieren, zum Beispiel in der Nachbarschaftshilfe für Risikogruppen.

Mehr Informationen zum Engagement im Migrationsbereich in Zeiten von Corona.

Quelle: Deutscher Caritasverband e.V. vom 03.04.2020

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