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Bundeskabinett

Belastete Kinder und Jugendliche brauchen zusätzliche Unterstützung

Eine Familie spaziert in einer südeuropäischen Stadt an parkenden Autos vorbei. Es ist Sommer, sie tragen Atemschutzmasken.
Bild: icsilviu – pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Nach der Bundeskabinettstagung, die sich Ende Juni der Situation von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie widmete, haben das Bundesfamilienministerium und das Bundesgesundheitsministerium ihren gemeinsamen Bericht zur gesundheitlichen Situation von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie vorgelegt.

Kinder und Jugendliche haben ein geringeres Risiko für schwere Krankheitsverläufe und damit bedingten Krankenhausaufnahmen durch das Coronavirus. Doch die Einschränkungen der Pandemie belasten die jungen Menschen besonders stark. Das zeigen erste Studien und die Rückmeldungen von Fachkräften und Fachorganisationen. Darauf weist auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in ihrer 8. Ad-hoc-Stellungnahme vom 21. Juni 2021 hin.

Junge Menschen stehen auf dem Weg ins Erwachsenenleben vor drei Kernherausforderungen: Qualifizierung, Verselbständigung und Selbstpositionierung. Die Pandemie hat bei allen jungen Menschen zu Unterbrechungen in diesen Bereichen geführt. Durch die Veränderung der Alltagsstruktur (Schul- und Kitaschließungen) und die Kontaktbeschränkungen samt deren Auswirkungen können bei Kindern und Jugendlichen unter anderem Zukunftsängste, Leistungsdruck und Vereinsamung und auch psychische Belastungen zunehmen. Die mangelnde soziale Interaktion mit Gleichaltrigen, übermäßiger Medienkonsum, Bewegungsmangel und Fehlernährung während der Pandemie stellen ein Risiko für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen dar.

Das Kabinett hat deshalb Ende Juni über die gesundheitliche Situation von Kindern und Jugendlichen diskutiert.

Bundesjugendministerin Christine Lambrecht: „Wir haben bereits früh reagiert, um die Belastungen für junge Menschen abzufedern. Für Kinder und Jugendliche, die unter Kontaktbeschränkungen und Bewegungsmangel leiden und Unterstützung auf den Weg zurück in ihren Alltag brauchen, haben wir das Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ sowie die Bewegungskampagne durchgesetzt. Damit werden wir Kindern und Jugendlichen beispielsweise durch zusätzliche Sport- und Freizeitangebote wieder Bewegung, Kontakte mit Gleichaltrigen und jugendgerechte Erlebnisse ermöglichen, was ihnen so sehr gefehlt hat. Jungen Menschen mit ernsthaften psychischen Belastungen, die professionelle Hilfe brauchen, müssen Therapieplätze angeboten werden. Das Wichtigste ist aber, dass wir den Alltag wieder stabilisieren. Es ist gut, dass sich die Länder ab Herbst zum Präsenzunterricht unter Einhaltung von Schutzmaßnahmen bekannt haben. Ein sicherer Regelbetrieb hat oberste Priorität. Denn erneute unzumutbare Belastungen für Familien sind nicht akzeptabel. Zudem brauchen wir mittel- bis langfristig Ansätze, damit sich aus Belastungen keine Krankheiten entwickeln.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: „Um Schulen und Kitas nach dem Sommer im Normalbetrieb zu öffnen, müssen Länder und Kommunen die Urlaubszeit in diesem Jahr besser zur Vorbereitung nutzen. Die notwendigen Werkzeuge, wie Testen, Impfen, Lüften oder Filteranlagen, sind alle da, sie müssen nun in klugen Konzepten umgesetzt und gelebt werden. Das sind wir den Jüngsten in unserer Gesellschaft nach diesen harten Monaten der Pandemie schuldig."

Mehr und bessere Angebote für Kinder und Jugendliche sollen folgen

Im Kabinett forderte das Bundesgesundheitsministerium gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium dazu auf, dass jetzt weitergedacht werden müsse und neben der baulichen Ausstattung der Bildungs- und Betreuungseinrichtungen auch die begleitenden Hygienemaßnahmen und Teststrategien von den Ländern evidenzbasiert weiterentwickelt werden sollten. Daneben sollte allen impfwilligen Kindern und Jugendlichen ein Impfangebot unterbreitet werden. 

Unter anderem diskutierte das Kabinett, dass für belastete Kinder und Jugendliche kurz- und mittelfristig die Angebote an psychosozialen Hilfen stärker auf die spezifische Situation ausgerichtet werden sollten – beispielsweise durch eine Sensibilisierung der Fachkräfte. Zudem sollten Kinder und Jugendliche bei psychiatrischem und psychotherapeutischem Hilfebedarf so schnell wie möglich die notwendigen Leistungen und bedarfsgerechte Therapie erhalten.

Die Ergebnisse ihrer Sitzung hat das Bundeskabinett in einer Übersicht zusammengefasst.

Diese Fragen sollen zentral in einer Interministeriellen Arbeitsgruppe „Gesundheitliche Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche durch Corona“ unter Co-Vorsitz des Bundesgesundheitsministeriums und des Bundesfamilienministeriums bearbeitet werden.

Maßnahmen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Seit Beginn der Coronapandemie baute das Bundesfamilienministerium zunächst die Beratungs-, Unterstützungs- und Informationsangebote für Kinder, Jugendliche, Familien und Fachkräfte aus und machte diese breit bekannt. Hervorzuheben sind hier die bke-Jugendberatung, die Nummer gegen Kummer, die Jugendnotmail, die Informationsseiten der Bundesstiftung Frühe Hilfen, das Forum-Transfer sowie die Corona-Sonderseiten dieses Portals.

Mit dem Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ werden in den Jahren 2021/2022 zwei Milliarden Euro für junge Menschen zur Verfügung gestellt. Neben einer Milliarde Euro für den Abbau von Lernrückständen durch das Bundesbildungsministerium wird mit einer zweiten Milliarde Euro Unterstützung für Kinder, Jugendliche und Familien durch das Bundesfamilienministerium geleistet. Damit können junge Menschen nach einer Zeit großer Belastung Erholung und Ausgleich zum Beispiel durch Ferienfreizeiten und Familienerholung bekommen. Zugleich sollen Kinder und Jugendliche durch massive Aufstockung der Schulsozialarbeit in ihren sozialen Kompetenzen unterstützt und bei der Rückkehr in den Alltag psychosozial begleitet werden. Das Aktionsprogramm beinhaltet daneben Maßnahmen zur Förderung der frühkindlichen Bildung wie eine Aufstockung im Bundesprogramm „Sprach-Kitas“ sowie eine Aufstockung der Mittel der Bundesstiftung Frühe Hilfen, die Unterstützungsangebote für belastete Familien mit Kindern bis drei Jahre fördert.

Mitte Juni startete das Bundesfamilienministerium zudem zusammen mit der Deutschen Sportjugend eine Bewegungskampagne, um junge Menschen für den Sport zu begeistern.

Maßnahmen des Bundesministeriums für Gesundheit

Aus gesundheitspsychologischer Sicht ist es wichtig, das Vertrauen der Menschen in die eigene Bewältigungskompetenz zu stärken und einem Gefühl der Hilflosigkeit durch sachgerechte Informationsangebote und Aufzeigen der verfügbaren Hilfen entgegenzuwirken. Ein wichtiger Baustein und Wegweiser im Sinne dieser Krisenkommunikation auf Bundesebene ist das Online-Informationsportal des Gesundheitsministeriums Psychisch stabil bleiben. Das Portal bietet nützliche Informationen und alltagstaugliche Tipps zum Umgang mit Stress, Sorgen und Ängsten, die durch die Pandemie hervorgerufen werden. Außerdem ist das Portal ein Wegweiser zu den vielfältigen niedrigschwelligen Informations- und Beratungsangeboten, die vor Ort, telefonisch und im Internet zur Verfügung stehen sowie auch zu Anlaufstellen im Falle einer akuten psychischen Krise.

Ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt aus Sicht des Ministeriums ist die Förderung eines aktiven gesundheitsfördernden Lebensstils mit ausreichender täglicher Bewegung, ausgewogener Ernährung sowie einem zuträglichen Umgang mit Stress und Herausforderungen. Dies wird mit zahlreichen Initiativen verfolgt, z. B. durch verschiedene Online-Portale der Bundeszentrale für gesundheitlich Aufklärung oder die Bereitstellung von Informationspapieren zur Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Lebenswelten während der Pandemie.

Seit Beginn der Coronapandemie wird die Situation von Kindern, Jugendlichen und deren Familien in verschiedenen Studien untersucht und verfolgt. Dabei stehen sowohl die Pandemielage als auch die zu deren Eindämmung ergriffenen Maßnahmen im Fokus. Im Robert Koch-Institut wird der nationale und internationale Forschungsstand fortlaufend verfolgt und in Berichten für das Gesundheitsministerium zusammengefasst. Zudem haben Familien- und Gesundheitsministerium gemeinsam im Mai 2020 die Corona-Kita-Studie initiiert. Im Rahmen dieser Studie werden auch Studienergebnisse von anderen wissenschaftlichen Studien ausgewertet und aufgenommen.

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 30.06.2021

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