Förderung der Erziehung in der Familie / Im Fokus

Endlich Raum für Väter – Auf der Straße wickeln geht ja nicht

Ein Vater mit seinem Sohn auf dem Arm
Bild: © Gina Sanders - Fotolia.com

Das bundesweite Besuchsprogramm für getrennt lebende Mütter und Väter Flechtwerk 2+1 gibt gemeinsam mit dem Bundesverband der Mütterzentren getrennten Eltern und ihren Kindern mehr Spielraum. Die Angebote sollen die Eltern-Kind-Bindung nach Trennung und bei räumlicher Distanz stärken.

"Mehr als einmal habe ich mich aus Erschöpfung mit meiner Tochter einfach auf den Bürgersteig gehockt und unsere Malsachen ausgepackt. Alles andere hatten wir auf der Suche nach ein bisschen Ruhe und Zweisamkeit schon vergeblich ausprobiert"! so ein Vater aus Dortmund mit Tochter in Berlin.

Damit getrennte Eltern und ihre Kinder Nähe und Vertrautheit in einer geschützten Atmosphäre genießen können und "Kinder mit zwei Elternhäusern" eine sichere Bindung für ihr späteres Leben mitnehmen (der wertende Begriff "Trennungskinder" wird hier bewusst vermieden), haben der Bundesverband der Mütterzentren und die Flechtwerk 2+1 gGmbH per Kooperationsvertrag am 16. Juni beschlossen, das Angebot "Kinderzimmer auf Zeit" gemeinsam in Deutschland zu verbreiten.

In den familienfreundlichen Räumen der Mütterzentren und Mehrgenerationenhäuser können getrennt lebende Väter und Mütter, die von weither anreisen, in Ruhe Zeit mit ihrem Kind verbringen, spielen und reden.

Die eigenen Eltern regelmäßig und in einer würdevollen familiären Umgebung zu treffen, darf kein Luxus sein. Darum vermittelt Flechtwerk 2+1 im Rahmen seines Besuchsprogramms "Mein Papa kommt" bereits seit 2011 "Kinderzimmer auf Zeit" bei Partnereinrichtungen. Sie bieten Eltern und Kind –oft zum ersten Mal- eine konsumfreie, entspannte Begegnung.

Durch die Kooperation können getrennt lebende und alleinerziehende Eltern und deren Kinder auch das offene Angebot der Mütterzentren stärker nutzen.

"Vor dreißig Jahren waren es Frauen und Kinder, die aus ihrer häuslichen Isolation heraus in die Öffentlichkeit wollten. Dieses Bedürfnis war die Initialzündung für die ersten Mütterzentren. Jetzt sind es eher die getrennten Väter, denen ein Raum fehlt, an dem sie sich unbeschwert mit ihrem Kind treffen können", sagt Hildegard Schooß, Gründerin der Mütterzentren. Die Zusammenarbeit mit Flechtwerk 2+1 sei ein gelungenes Beispiel für das Bündeln von Kräften für ein gemeinsames Ziel.

"Am Ort seines Kindes ist der Vater nach der Trennung der Eltern ein Fremder", so Annette Habert, Mitgründerin der Flechtwerk 2+1 gGmbH und Initiatorin von "Mein Papa kommt". "Es darf uns nicht egal sein, unter welchen Bedingungen Eltern und Kinder nach der Trennung verbunden bleiben. Die Mütter- und Familienzentren sind wertungsfreie Orte, in denen Väter mit ihren Kindern erleben, dass sie vertrauenswürdig und willkommen sind".

Hintergrundinformationen

Rainer Höll von Ashoka Deutschland gratulierte den Kooperationspartnern. Beide Organisationen wurden von Ashoka Fellows gegründet und teilen das Anliegen, Familien zu unterstützen, wenn sie es am nötigsten haben.

Der Bundesverband der Mütterzentren e.V. bietet deutschlandweit in über 400 Häusern öffentliche Räume, in denen sich Menschen treffen, begegnen, austauschen und unterstützen können. "Wir sehen familiäre Probleme nicht als individuelles Scheitern, mit dem die Beteiligten allein fertig werden müssen, sondern als gesellschaftliche Aufgabe, gemeinsam Bedingungen zu schaffen, damit jeder ein gelungenes Leben führen kann. Kinder brauchen einen vertrauten Ort, an dem sie eine unbeschwerte Zeit mit dem Elternteil verbringen können, den sie nach einer Trennung weniger sehen. In Mütterzentren gibt es diese Orte", so Vorstandsfrau Ute Latzel.

Die Flechtwerk 2+1 gGmbH hilft mit ihrem Programm "Mein Papa kommt" Kindern mit zwei Elternhäusern, auch nach Trennungen Sicherheit und Bindung zu erleben. Es vermittelt getrennt lebenden Vätern und Müttern Schlafplätze bei ehrenamtliche Gastgebern am Wohnort des Kindes, Umgangsräume am Tag unter dem Label "Kinderzimmer auf Zeit" und stärkt über ein pädagogisches Elterncoaching ihre Elternschaft. Bundesweit unterstützt Flechtwerk mehr als 600 Eltern von über 750 Kindern.

"Mein Papa kommt" wurde 2008 von der Religionspädagogin Annette Habert initiiert; 2012 gründete sie mit dem Soziologen Jobst Münderlein das Sozialunternehmen Flechtwerk 2+1. Im Jahr 2012 wurde Habert von Bundeskanzlerin Merkel mit dem start social Bundespreis ausgezeichnet.

Kontakt

Flechtwerk2+1 gemeinnützige GmbH c/o Impact Hub Munich
Gotzingerstr. 8, 81371 München
Telefon: 0800 / 21 21 777
Fax: +49 1803/622229 10818
E-Mail: info@DontReadMemein-papa-kommt.de
Internet: www.mein-papa-kommt.de / www.meine-mama-kommt.de

Quelle: Flechtwerk2+1 gemeinnützige GmbH vom 01.09.2016