Achtung Icon

Relaunch - Am 23. Mai ist es soweit:

Unter der bekannten Adresse finden Sie unser Angebot als „Portal der Kinder- und Jugendhilfe“ – mit vollständig neuem Look.
Daher erfolgt ab dem 29. April ein Redaktionsstopp. Ab diesem Zeitpunkt können Sie von extern keine Inhalte mehr einpflegen.
Ab dem 23. Mai können Sie alle Angebote wieder wie gewohnt nutzen.

Förderung der Erziehung in der Familie

Ein Radiotipp: Flaschenkinder - Wenn Eltern trinken

Flaschen
Bild: Petr Vins

1LIVE Reporterin Nele Quoos traf Menschen, deren Eltern getrunken haben oder noch trinken.

"Ich habe gedacht, ich darf mit keinem darüber reden, weil es irgendwie peinlich sein könnte", sagt David über seine Kindheit. Heute ist er 24 Jahre alt und hat nur noch sporadisch Kontakt zu seiner Mutter – einer Alkoholikerin.

In Deutschland gibt es rund 2,7 Millionen Alkoholiker-Kinder (bis 18 Jahre), so die aktuellen Zahlen der Bundesdrogenbeauftragten. Sie alle müssen Mutter oder Vater im Delirium erleben und werden notgedrungen viel zu früh erwachsen. Wie David, der damals alles versucht hat, um seine Mutter vom Alkohol loszukriegen: Er stellte sie zur Rede, versteckte den Wein und log für sie, wenn sie mal wieder volltrunken im Bett lag. Doch schließlich zog er mit seiner kleinen Schwester aus.

Alkoholiker-Kinder sind aus der Not heraus perfekte Krisenmanager. Sie sorgen für ihre Eltern und gaukeln ihrem Umfeld ein Bild von der heilen Familie vor. Doch in Wirklichkeit sind sie traurig, einsam und überfordert. "Du kriegst kein Gefühl zu Dir selber, Du bist orientierungslos", erklärt die 45-jährige Bernadette. Ihr Vater leugnet bis heute, ein Alkoholproblem zu haben, obwohl er schon Haus und Job verloren hat. Bernadettes Überlebensprogramm heißt Al-Anon. In den Selbsthilfegruppen der Angehörigen aus alkoholkranken Familien kann sie über alles sprechen und ihren Schmerz verarbeiten. Die Meetings sind anonym und in einer sehr vertrauensvollen Atmosphäre. Jeder Betroffene darf für zwei Stunden einfach er selbst sein und muss sich für nichts schämen.

Hier geht auch Ute jede Woche hin, um ihre Probleme zu bewältigen. "Ich habe Schwierigkeiten damit, Beziehungen zu führen. Ich habe immer Angst, jemanden zu verlieren. Ich bin immer in Gedanken, kann mich nie entspannen. Es fühlt sich so an, als hätte ich immer noch die Verantwortung für die ganze Welt." Ute hat zu Hause einfach nur funktioniert und den Haushalt für ihre alkoholkranke Mutter geschmissen. Mit 29 Jahren fand sie sie tot im Bett vor, daneben leere Schnapsflaschen.

1LIVE Reporterin Nele Quoos traf Menschen, deren Eltern getrunken haben oder noch trinken. Menschen, die ein Leben lang ein "Kind aus alkoholkranker Familie“ bleiben. Und die trotz ihrer traumatischen Vergangenheit nicht aufgeben, kämpfen und nach vorne blicken: "Ich glaube, wenn ich das nicht durchgemacht hätte, wäre ich nicht die Person, die ich heute bin", sagt David und lächelt dabei.

Sendetermin: Montag, 9. Januar 2012, Plan B: Reportage, 23.00 - 0.00 Uhr,
1 Live

Quelle: WDR