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Mechanismen der Früherkennung und Orientierung gesundheitsgefährdeter Jugendlicher

Politischer Rahmen

Um gesundheitliche Risiken für Kinder und Jugendliche möglichst früh zu identifizieren, hat die Bundesregierung das Bundeskinderschutzgesetz (PDF 405 KB) und das Präventionsgesetz auf den Weg gebracht.

Bundeskinderschutzgesetz

  • In Kraft getreten: 01.12.2012.
  • Ziele: greift Erkenntnisse aus dem Aktionsprogramm „Frühe Hilfen“ und seinen vielfältigen Projekten auf, Kinderschutz in Deutschland umfassend zu verbessern und Lücken zu schließen sowie Akteure, die sich für das Wohlergehen von Kindern engagieren (z.B. Eltern, Kinderärzte, Hebammen, Jugendämter, Familiengerichte), zu stärken.
  • Verantwortliche Behörde: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
  • Maßnahmen (Auswahl): Frühe Hilfen und verlässliche Netzwerke schon für werdende Eltern zugänglich machen, Ausschluss einschlägig Vorbestrafter von Tätigkeiten in der Kinder- und Jugendhilfe, Verhinderung von „Jugendamt-Hopping“, Befugnisnorm für Berufsgeheimnisträger zur Informationsweitergabe an das Jugendamt, Regelung zum Hausbesuch, Schaffung verbindlicher Standards in der Kinder- und Jugendhilfe.
  • Evaluation: Die Bundesregierung hat dem Deutschen Bundestag zum 31. Dezember 2015 einen Bericht über die Evaluation des Bundeskinderschutzgesetzes (PDF 1,5 MB) vorgelegt.

Präventionsgesetz

  • In Kraft getreten: 25. Juli 2015
  • Ziele: stärkt die Grundlagen für eine stärkere Zusammenarbeit der Sozialversicherungsträger, Länder und Kommunen in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung.
  • Verantwortliche Behörde: Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
  • Maßnahmen: Förderung der Impfprävention, Weiterentwicklung bestehender Gesundheits- und Früherkennungsuntersuchungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Mehrinvestitionen durch Krankenkassen und Pflegekassen in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro für Gesundheitsförderung und Prävention für die Gesundheitsförderung in den Lebenswelten Kita, Schule, Kommune, Betrieb und Pflegeeinrichtung.
  • Auf Grundlage einer nationalen Präventionsstrategie verständigen sich die Sozialversicherungsträger mit den Ländern und unter Beteiligung der Bundesagentur für Arbeit und den kommunalen Spitzenverbänden auf die konkrete Art der Zusammenarbeit bei der Gesundheitsförderung, insbesondere in den Kommunen, in Kitas, Schulen, in Betrieben und in Pflegeeinrichtungen.

Akteure

Zentrale Akteure der Gesundheitsförderung und Präventionsarbeit auf lokaler Ebene sind auf staatlicher Seite der öffentliche Gesundheitsdienst, die kommunalen Ämter und die ihnen unterstehenden Schulen und Jugendzentren. Krankenkassen und Krankenhäuser sind ebenfalls Akteure, die bei Gesundheitsgefährdungen junger Leute in Aktion treten. Auf nichtstaatlicher Seite tragen Einrichtungen der Jugendarbeit, Sportvereine, Wohlfahrt, aus dem Bildungsbereich, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen mit ihren Angeboten zur Präventionsarbeit bei.

Im Bereich Schule spielt die Schulsozialarbeit in der Präventionsarbeit eine wichtige Rolle. Sie gewährt sozialpädagogische Hilfestellungen, die weitgehend präventiv und niedrigschwellig sind. Sie dienen dem Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder der Überwindung individueller Beeinträchtigungen. Es existiert eine bundesweite Informations- und Vernetzungsseite zur Schulsozialarbeit. Dort finden sich Beispiele und Konzepte der Schulsozialarbeit aus den einzelnen Bundesländern und aus Kommunen. Für die Schulsozialarbeit gelten auch die Regelungen der Kreise und kreisfreien Städte sowie die Schulgesetze, die Programme, die Richtlinien und Erlasse der Länder zur Schulsozialarbeit.

Zentrale Akteure der Schulsozialarbeit sind:

  • Bundesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit (BAG Schulsozialarbeit): Zentrales Anliegen der BAG Schulsozialarbeit des Fachbereichstages Soziale Arbeit ist die Unterstützung und Förderung der Schulsozialarbeit in Lehre, Wissenschaft und angewandter Forschung und Entwicklung sowie anderen Formen sozialpädagogischer Arbeit an und in Schulen.
  • Kooperationsbund Schulsozialarbeit: Mitglieder sind hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus bundeszentralen Verbänden (Arbeiterwohlfahrt Bundesverband (AWO), Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit (BAG EJSA), IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit – Deutschland, Internationaler Bund (IB), Der Paritätische Gesamtverband, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Hauptvorstand (GEW)) und Einzelpersönlichkeiten.

Eine Übersicht über die Akteure der Schulsozialarbeit in den Ländern bietet der Deutsche Bildungsserver.

Das Gesunde Städte-Netzwerk der Bundesrepublik versteht sich als Teil der Gesunde Städte-Bewegung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das Netzwerk ist ein freiwilliger Zusammenschluss der beteiligten Kommunen. Es dient vor allem als Aktions- und Lerninstrument, mit dem die Arbeit vor Ort im Sinne der Gesunde-Städte-Konzeption unterstützt werden soll. Das Gesunde Städte-Netzwerk spricht in fachlicher und fachpolitischer Hinsicht Mitarbeiter/-innen des Gesundheitsamtes, des Sozialamtes, des Wohnungsamtes, des Umweltamtes und der Stadtentwicklungsplanung ebenso an wie Vertreter/-innen der Gesundheitsinitiativen und Selbsthilfegruppen. Mitgliederversammlungen des deutschen Netzwerkes finden jährlich, Gesunde Städte-Symposien alle zwei Jahre statt.

Informationen für Akteure

Lokale Akteure der Präventionsarbeit finden vor allem Unterstützung und Informationen bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Auf verschiedenen Internetangeboten der BZgA finden sich Informations-, Aufklärungs-, Schulungs- und Trainingsangebote und -materialien für Betroffene und Multiplikator(inn)en. Die BZgA bietet auch eine Übersicht von bundesweiten Beratungsstellen zu folgenden Themen:

  • Suchtberatung
  • Aids
  • Essstörungen
  • Schwangerschaftsberatung
  • Sexualität, Partnerschaft und Verhütung

Handbücher, Berichte

Die BZgA hat zudem die Handreichung Gut Drauf-Kommune (PDF 6 MB) zur Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche in den Kommunen entwickelt.

Mit ihren Erhebungen zur Drogenaffinität und anderen Abhängigkeiten (Computerspiele, Internet) Jugendlicher unterstützt die BZgA die Arbeit im Bereich Suchtprävention bei Jugendlichen.

Das Jahrbuch Sucht des Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. fasst aktuelle Statistiken zum Konsum von Alkohol, Tabak, Arzneimitteln sowie zu Glücksspiel und Suchtmitteln im Straßenverkehr in Deutschland zusammen. Zudem informiert es über die Versorgung abhängigkeitskranker Menschen in Deutschland sowie über Statistiken der Suchtbehandlungen und -rehabilitationen.

Auch in den Bundesländern gibt es Erhebungen zum Konsum von Suchtmitteln, die unter anderem als Grundlage für die Präventionsarbeit dienen sollen. In Sachsen veröffentlich die Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren e.V. (SLS) einen Bericht zur Suchtkrankenhilfe (PDF 896 KB) (zuletzt 2018).

Webseiten

www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention.html – Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit mit Informationen zur Prävention und Kindergesundheit

www.kindergesundheit-info.de/themen/risiken-vorbeugen/ – Webseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit Informationen zum Schwerpunkt Risiken und Vorbeugen sowie zu Arbeitsmaterialien und praxisnahem Hintergrundwissen für Fachkräfte

difu.de/dokument/fuer-eine-bessere-gesundheitsfoerderung-und-praevention-in.html – Webseite des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) mit den Fachvorträgen einer Fachtagung vom 08.12.2014 in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und dem Deutschen Städtetag (DST) zum Thema „Für eine bessere Gesundheitsförderung und Prävention in der Stadt. Kommunen und Krankenkassen engagieren sich gemeinsam.“

Zielgruppen

Spezifische Zielgruppen für die Maßnahmen der Präventionsarbeit und Gesundheitsförderung sind Kleinkinder (Maßnahmenpaket „Frühe Hilfen“) und ihre Familien, Kindergarten- und Schulkinder, Kinder mit Verdacht auf Kindeswohlgefährdung, Kinder und Jugendliche in benachteiligten Lebenslagen (Armut, Migrationshintergrund, dysfunktionaler Familienhintergrund, Schulabbrecher, Behinderung etc.)

Förderung

Es gibt keine explizite Förderung für Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention auf lokaler oder kommunaler Ebene durch den Bund.

Finanzielle Unterstützung von Projekten der Gesundheitsförderung in den Kommunen bieten aber zum Beispiel einige Krankenkassen.

Auf Grundlage der §§ 20 und 20a Fünftes Sozialgesetzbuch unterstützt die AOK Bayern kommunale Projekte zur Gesundheitsförderung im Freistaat Bayern mit einer finanziellen Projektförderung. Der Förderrahmen hierfür ist vom Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV) im Leitfaden Prävention gesteckt. Der Leitfaden legt inhaltliche Handlungsfelder und qualitative Kriterien für die Leistungen der Krankenkassen in der Primärprävention und betrieblichen Gesundheitsförderung fest, die für die Leistungserbringung vor Ort verbindlich gelten. Er bildet die Grundlage, um die Versicherten zu unterstützen, Krankheitsrisiken möglichst frühzeitig vorzubeugen und ihre gesundheitlichen Potenziale und Ressourcen zu stärken. Unterstützt werden können z.B. Maßnahmen zur Bedarfsermittlung, die Fortbildung von Multiplikatoren in Prävention und Gesundheitsförderung oder auch Dokumentation, Evaluation oder Öffentlichkeitsarbeit.

Die Techniker Krankenkasse unterstützt kommunale Gesundheitsförderungsprojekte, die nicht nur auf Einzelmaßnahmen abzielen, sondern ein Gesamtkonzept „Gesunde Kommune“ verfolgen.

Auch die Kaufmännische Krankenkasse fördert Projekte und Aktionen der kommunalen Gesundheitsförderung.

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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