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Kompetenzprognose

Prognosesysteme

Aussagen über Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage in der Zukunft werden auf der Basis von Prognosen getroffen. Die Projektionen, Modellrechnungen und Prognosen der verschiedenen Forschungseinrichtungen legen in ihren Analysen unterschiedliche Datenerhebungen und Methoden zugrunde. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden unter anderem in Form von Berichten, Expertisen oder Studien veröffentlicht, zum Beispiel dem Berufsbildungsbericht des Bundesbildungsministeriums, der jährlich erscheint.

Zuständig für den Bereich Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktprognosen ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Arbeitssicherung und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sind Kernaufgaben des Ministeriums. Das BMAS ergänzt das Fachkräftekonzept der Bundesregierung durch ein Arbeitskräftemonitoring. Dieses umfasst die Analyse von Engpässen am Arbeitsmarkt durch die Erstellung und Veröffentlichung von Arbeitskräftereports und die Erstellung einer Arbeitsmarktprognose bis 2030.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) erfasst halbjährlich die Fachkräftesituation in Deutschland. In ihrem Arbeitsmarktmonitor werden regionale Strukturen analysiert und veröffentlicht. Dies hilft dabei, Chancen und Risiken des Arbeitsmarktes zu erkennen. Der Arbeitsmarktmonitor enthält Daten zu Berufen, Branchen, Arbeitsmarkt und Demografie in regionaler Gliederung. Indikatoren für einen möglichen Fachkräftemangel sind hier die Arbeitslosigkeit von Personen aus den Berufsgruppen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik (MINT), die Arbeitslosigkeit von Personen in Gesundheits- und Pflegeberufen, die Zahl der für diese Berufsgruppen vorhandenen offenen Stellen und die durchschnittliche Vakanzzeit, bis eine ausgeschriebene Stelle mit einer Fachkraft besetzt werden kann.

Zudem erstellt die BA halbjährlich eine Fachkräfteengpassanalyse. Sie bildet die fachliche Grundlage für die Erstellung der Übersicht von Berufen, in denen eine Betätigung ausländischer Fachkräfte in Deutschland grundsätzlich möglich ist (sogenannte „Positivliste“) gemäß § 6 Beschäftigungsverordnung. Die BA erfasst in ihrer Monatsstatistik auch regelmäßig den Stand der zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze sowie der unbesetzten Ausbildungsstellen, ebenso die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge.

Um Entwicklungen für zukünftige Anforderungen an Qualifikation und Beruf zu erkennen, werden im Rahmen des Projekts „Qualifikation und Beruf in der Zukunft (QuBe)“ des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) seit 2007 (zuletzt 2018) regelmäßig Modellrechnungen gemacht. Hier werden Bestände, Übergänge, Trends und Verhaltensweisen im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt analysiert und Angebots- und Bedarfsprojektionen auf der Grundlage gemeinsam definierter Berufsfelder und Datengenerierungen durchgeführt. Im Rahmen des BIBB-Qualifizierungspanels werden seit 2011 jährlich Betriebe in Deutschland befragt. Ziel ist es, Informationen über die Strukturen, Entwicklungen und Zusammenhänge betrieblicher Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen zu erhalten und Trends in der betrieblichen Arbeitskraftnachfrage zu erkennen.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) als besondere Dienststelle der Bundesagentur für Arbeit erforscht den Arbeitsmarkt und schafft damit die Basis für eine empirisch informierte Arbeitsmarktpolitik. Es gibt das Arbeitsmarktbarometer heraus. Das ist ein Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert. Aus den Angaben zu Arbeitslosigkeit und Beschäftigungsentwicklung wird der Gesamtwert des IAB-Arbeitsmarktbarometers gebildet. Dieser gibt einen Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Arbeitsmarkts in Deutschland auf einer Skala zwischen 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung). Stand im Juli 2019: 101,6.  

Informationen zur ressortübergreifenden Zusammenarbeit im Themenfeld Beschäftigung gibt es im Bereich Verwaltung und Steuerung des Youth-Wiki-Kapitels Beschäftigung und Unternehmergeist.

Kompetenzentwicklung

Die Erkenntnisse aus Prognosen dienen dazu, Programme und Maßnahmen zur weiteren Qualifizierung junger Leute zu entwickeln und bestehende zu verbessern.

Formale Bildung

Im Zusammenhang mit dem zu erwartenden Fachkräftebedarf im naturwissenschaftlich-technischen Bereich wurden bereits 2009 Empfehlungen zur Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung (PDF 46 KB) von der Kultusministerkonferenz beschlossen. Ziel ist unter anderem, bei Kindern und Jugendlichen schon früh das mathematisch-naturwissenschaftliche Interesse zu fördern, einen stärkeren Praxisbezug herzustellen und Lehrkräfte für die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer zu gewinnen. Seitdem wurden Lehrpläne in den Bundesländern aktualisiert und mehr Fächer im naturwissenschaftlich-technischen Bereich aufgenommen. Neben Maßnahmen auf allen Ebenen der formalen Bildung wurden und werden eine Reihe von Maßnahmen im außerschulischen Bereich umgesetzt, um die mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung zu fördern. Informationen zu Maßnahmen der Bundesländer zur Förderung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer bietet eine Übersicht der Kultusministerkonferenz (PDF 378 KB).

Zur Unterstützung der Schulen bei der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung wurde das Verfahren QZS (Qualitätszentrierte Schulentwicklung) entwickelt. Ein speziell entwickelter Leitfaden hilft bei der effektiven und nachhaltigen Schulentwicklung. Er enthält neben praktischen Handlungsanleitungen einen umfangreichen Satz an Arbeits- und Informationsmaterialien, unter anderem über die Entwicklung eines Qualitätsleitbilds, über den Einsatz bestehender und die Entwicklung eigener Evaluationsinstrumente sowie über die Dokumentation von Prozessabläufen.

Schulabbrecher erhalten im Rahmen von speziellen Programmen wie der Einstiegsqualifizierung oder den ausbildungsbegleitenden Hilfen eine Chance auf eine Ausbildung. Viele Betriebe haben auch eigene Angebote, um Lehrlinge fit für die Ausbildung zu machen. Bei den Handwerksberufen werden aktuell verstärkt junge Flüchtlinge angesprochen, um diesen eine Ausbildung anzubieten.

Qualitätssicherung in der betrieblichen Berufsausbildung (PDF 171 KB) erfolgt über bereits bestehende Gesetze und Verordnungen, wie dem Berufsbildungsgesetz, sowie die Empfehlungen des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung. Das Berufsbildungsgesetz legt Mindestausbildungsstandards fest, die unter bestimmten Umständen auch für Auszubildende gelten.

Non-formale Bildung

Jugendarbeit trägt mit ihren Angeboten allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung und im Sport sowie durch arbeitswelt-, schul-, familienbezogene sowie internationale Jugendarbeit dazu bei, unternehmerische und beschäftigungsrelevante Fähigkeiten und Fertigkeiten bei Jugendlichen zu entwickeln. § 11 des Sozialgesetzbuches - Achtes Buch - Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) bietet dafür die gesetzliche Basis. Er stellt klar, dass „jungen Menschen zur Förderung ihrer Entwicklung Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen“ sind.

Informationen zur Rolle der Jugendarbeit für das unternehmerische Lernen in Deutschland gibt es in dem Bericht Taking the future into their own hands. Youth work and entrepreneurial learning (PDF 5,75 MB).

Medieninitiativen/-kampagnen

Da qualifizierte Fachkräfte dringend gesucht werden und oft kleine und mittlere Betriebe Probleme haben, ihre freien Ausbildungsstellen zu besetzen, hat die Stärkung der dualen Berufsausbildung für das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hohe politische Priorität. Die Informationskampagne „Du + Deine Ausbildung = Praktisch unschlagbar!“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurde mit dem Ziel gestartet, junge Menschen für die berufliche Bildung gewinnen und das duale System aktiv bewerben.

Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat die Social-Media-Kampagne #meinauslandspraktikum initiiert. Damit sollen Auszubildende, Schulabgänger/-innen und junge Fachkräfte über die Möglichkeiten, die Auslandsaufenthalte für den Erwerb neuer beruflicher Kenntnisse und Fähigkeiten und die Verbesserung der Sprachkenntnisse bieten, informiert werden.

Weitere Informationen zur Förderung von Praktika und Ausbildungsplätzen gibt es im Youth-Wiki-Kapitel Beschäftigung und Unternehmergeist: Praktika und Ausbildung.

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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