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Beteiligung junger Menschen an der Politikgestaltung

Beteiligung an Politikgestaltung lässt sich in sechs unterschiedliche Möglichkeiten aufgliedern:

  1. Beteiligung durch Selbstorganisation, Jugendverbände/Jugendringe (siehe 5.3),
  2. repräsentative Beteiligungsformen sowie Studierenden-/Schüler/-innenvertretungen (siehe 5.3),
  3. offene Beteiligungsformate, etwa in Jugendforen, Konferenzen,
  4. punktuelle und projektorientierte Beteiligungsformate, so bspw. der J7-Jugendgipfel 2015 vor dem G7-Gipfel in Deutschland mit rund 50 Jugendlichen,
  5. Beteiligung an Institutionen der Erwachsenenwelt, z. B. an Steuerungs- und Bera-tungsgremien der Verwaltung, an der Bauleitplanung o. Ä. und
  6. Beauftragtenmodelle, bei denen Erwachsene für die Interessen von jungen Menschen eintreten.

All diese Formate unterscheiden sich in Bezug auf die Dauer, die Zielsetzung sowie die Auswahl und Repräsentativität der teilnehmenden Kinder oder Jugendlichen. Sie weisen auch unterschiedliche Partizipationsgrade auf, von der beratenden über die partnerschaftliche bis hin zu einer von Kindern oder Jugendlichen gesteuerten Partizipation.

Formale Mechanismen der Befragung

Jugendbeteiligung ist ein grundlegendes Prinzip der Gestaltung von (Kinder- und Jugend-)Politik in Deutschland. Rechtliche Grundlagen für Jugendbeteiligung sind ausführlich unter „Wichtige Konzepte“ aufgeführt. Dazu gehören:

  • Die UN-Kinderrechtskonvention weist in Artikel 12, Abs. 1 grundlegend auf das Recht zu Beteiligung und Teilhabe hin. Kinder und Jugendliche haben demzufolge das Recht, ihre Meinung in allen sie berührenden Angelegenheiten frei zu äußern. Ihre Meinung muss bei den sie betreffenden Angelegenheiten angemessen und entsprechend ihrem Alter und ihrer Reife berücksichtigt werden.
  • Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) Art. 1. Dieser besagt, dass „die Rechtsfähigkeit … des Menschen mit der Vollendung der Geburt [beginnt]“.
  • In Deutschland ist das Petitionsrecht als Grundrecht in Art. 17 Grundgesetz (GG) festgeschrieben: „Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden.“.
  • Das Recht auf Meinungsfreiheit in Art. 5 GG lautet seit Inkrafttreten des Grundgesetzes wie folgt: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten […]“
  • Sozialgesetzbuch Achtes Buch, SGB VIII, Kinder- und Jugendhilfe, § 8, Abs. 1 besagt, dass Kinder und Jugendliche entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen sind.
  • Baugesetzbuch (BauGB) § 1 Abs. 6 S. 3 sieht die Berücksichtigung der Bedürfnisse junger Menschen vor.
  • Betriebsverfassungsgesetz, § 60 zur Jugend und Auszubildendenvertretung in Betrieben.

Auf Bundesländerebene stellen die Ausführungsgesetze des SGB VIII, die Landesverfassungen sowie Schulgesetze Jugendbeteiligung sicher.

Auf lokaler Ebene (Gemeinden, Kommunen) wird Jugendbeteiligung über die Kommunalverfassungen der Bundesländer, die Gemeindeordnungen, Landkreisordnungen oder Bezirksverwaltungsgesetze sichergestellt.

Leitlinien und Qualitätsstandards für Kinder- und Jugendbeteiligung

In einigen Bundesländern wurden eigene Qualitätsstandards für Jugendbeteiligung entwickelt, z.B.:

Eine Übersicht zu kommunalen Leitlinien für Bürgerbeteiligung gibt es auf der Webseite des Netzwerks Bürgerbeteiligung. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat 2019 eigene Leitlinien für gute Bürgerbeteiligung entwickelt.

Ebenen der Beteiligung und Methoden

Aufallen Ebenen werden und wurden Jugendliche sowohl on- als auch offline in die Entwicklung und Mitgestaltung verschiedener Strategien und in deren Aktualisierung und Evaluation einbezogen. Beispielhaft werden einige Beteiligungswege im Folgenden aufgeführt.

Dazu gehört allen voran die gemeinsame Jugendstrategie der Bundesregierung mit 163 Maßnahmen aller Ressorts in neun jugendrelevanten Handlungsfeldern. Ein zentrales Anliegen der Jugendstrategie der Bundesregierung ist eine direkte, sichtbare und wirkungsvolle Beteiligung junger Menschen an der Jugendstrategie. Jugendbeteiligung soll hier konkrete Mitsprache und Mitwirkung gewährleisten. Für eine möglichst breite und fundierte Beteiligung an der Entwicklung und Umsetzung der Jugendstrategie sorgen unterschiedliche Formate, in denen junge Menschen als Expertinnen und Experten in eigener Sache agieren. Die Ergebnisse fließen über eine interministerielle Arbeitsgruppe (IMA) in die Jugendstrategie ein. Die einzelnen Formate unterscheiden sich dabei hinsichtlich ihrer Größe, Zielgruppe und Wirkdimension.

Um die Lebensweltperspektive junger Menschen in die Arbeit der IMA einfließen zu lassen, wurden in der Entwicklungsphase themenspezifische Jugend-Audits zu einzelnen Handlungsfeldern der Jugendstrategie durchgeführt. In den Audits erarbeiteten jeweils 15 bis 30 junge Menschen in einem Werkstatt-Format einen Impuls, den sie auch in der IMA präsentierten.

Die JugendPolitikTage bieten Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie den Ressorts der Bundesregierung ein Forum zum Austausch über jugendrelevante Handlungsfelder und mögliche Maßnahmen. Bei den JugendPolitikTagen im Mai 2019 (Gestaltungspartner Jugendpresse Deutschland e. V.) haben sich Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Ressorts der Bundesregierung in den direkten Dialog mit den jungen Teilnehmenden begeben. Mit den Empfehlungen der JugendPolitikTage hat sich die IMA intensiv auseinandergesetzt. Sie sind fortlaufend Gegenstand der Beratungen bzw. Umsetzung. Die Bundesjugendkonferenz 2020 - Politik für, mit und von Jugend, die vom 11.-12. September mit 150 Jugendlichen digital stattfand, diente als Arbeitskonferenz im Zuge der Umsetzung. In Workshops zu politischen Themen konnten sich junge Menschen zwischen 14 und 27 Jahren mit Vertreterinnen und Vertretern aus Bundesministerien und aus Projekten und Verbänden zu laufenden Vorhaben austauschen. Eine Dokumentation der BuJuKo steht zum Download (PDF, 3,09MB) bereit.

Die JugendPolitikTage 2021 bilden einen weiteren Meilenstein bei der Umsetzung der Jugendstrategie der Bundesregierung, dienen einem Rückblick und der Beschäftigung mit der zukünftigen Weiterentwicklung der Jugendstrategie.

Zudem bieten zu unterschiedlichen Zeitpunkten Online-Beteiligungstools anlassbezogene Möglichkeiten für ein breites Feedback zum Stand der Entwicklung und Umsetzung der Jugendstrategie. So hat beispielsweise im Anschluss an die JugendPolitikTage 2019 eine erste Online-Konsultation stattgefunden. Mit dem „Jugendverstärker“ konnten junge Menschen die Ergebnisse und Empfehlungen diskutieren, gewichten und weiterentwickeln.

Neben diesen direkten Beteiligungsmöglichkeiten gibt es keinen Jugendbeirat mit direkter Beteiligung junger Menschen, sondern einen Beirat des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Jugendstrategie der Bundesregierung, in dem zivilgesellschaftliche Organisationen und jugendliche Interessenvertretungen eingebunden sind.

Auf Ebene der Bundesländer wurden Jugendliche einbezogen:

Auf kommunaler Ebene gibt es mannigfaltige Beteiligungsmöglichkeiten. Der Landkreis Gießen hat bspw. Ende 2018 eine Initiative „Jugendpolitik für die guten Orte von morgen: Jugendgerechte Städte und Gemeinden - jugendgerechter Landkreis Gießen“ beschlossen, die neben Beratungsangeboten auch Projekte und Maßnahmen zur Förderung jugendlichen Engagements finanziell unterstützt.

Die Instrumente der Jugendbeteiligung an politischen Entscheidungsprozessen variieren von Jugendparlamenten, lokalen Jugendräten, Bürozeiten lokaler Politiker für junge Leute, Jugendbeiräten, Jugendforen, -konferenzen und -anhörungen bis hin zu runden Tischen, Beteiligungsprojekten, der Beteiligung Jugendlicher an On- und Offline-Bürgerdialogen.

Akteure

Informationen zu wichtigen Organisationen im Jugendbereich, die in Beteiligungsprozesse eingebunden sind, sind auch im Youth-Wiki-Kapitel „Vertretungsorgane Jugendlicher“ zu finden.

Jugendbeteiligungsprozesse richten sich an alle Jugendlichen, inklusive junger Menschen, die Benachteiligungen erfahren und Jugendliche mit einer Migrationsgeschichte. Öffentliche Angebote zielen auch auf die Erhöhung der Vielfalt von Teilnehmenden.

Öffentliche Einrichtungen, die an Jugendbeteiligungsprozessen mitwirken:

Weitere Akteure in Beteiligungsprozessen sind:

Außerdem gibt es so genannte Bürgerbeauftragte in allen Bundesländern, die auch die Interessen und Belange junger Menschen vertreten, z.B. in

In Kommunen gibt es häufig Jugendbeauftragte, die in der Regel aus der Mitte der Gemeindevertretung bestimmt werden und die Aufgabe übernehmen, die Anliegen der jungen Menschen und der Kinder- und Jugendarbeit vor Ort gegenüber der Gemeindevertretung zu unterstützen. Sie begleiten junge Menschen bei der Mitgestaltung und sind somit wichtige Verbindungspersonen in die Kommunalpolitik. Als Beispiel sei hier Bayern zu nennen: seit 2002 benennen annähernd alle Gemeinden in Bayern Jugendbeauftragte, die sich um die Belange von Kindern und Jugendlichen in ihrer Kommune kümmern.

Informationen zum Umfang der Jugendbeteiligung

Im Partizipationsprozess werden in der Regel die Anzahl und das Alter der Beteiligten sowie der Umfang der Forderungen und Handlungsempfehlungen erfasst und dokumentiert. Grundsätzlich werden alle Informationen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. In Online-Beteiligungsrunden ist eine korrekte Erfassung der Teilnehmenden schwieriger, da die Teilnahme oft anonym erfolgt. Es gibt derzeit keine zentrale Stelle, die den Umfang aller staatlichen Jugendbeteiligungsprozesse erfasst. Im Folgenden werden Beispiele genannt.

Bundesebene

Im Projekt Ichmache>Politik wurden von 2011 bis 2014  Jugendliche und Jugendorganisationen an der Entwicklung der eigenstän-digen Jugendpolitik beteiligt. On- und offline wurden in sieben Beteiligungsrunden tausende Beiträge mit Ideen und Forderungen junger Menschen für eine neue Jugendpolitik gesammelt, diskutiert und priorisiert.

Von 2014 bis 2017 gab es mit Ichmache>Politik|Demografie (PDF, 2,49MB) mehrere On- und Offline-Beteiligungsrunden zur Mitwirkung von Jugendlichen an der Demografiestrategie der Bundesregierung. Es wurden rund 1000 Forderungen und Ideen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfasst.

Bundesländer
In Rheinland-Pfalz wurden im Laufe der Entwicklung der Jugendstrategie junge Leute befragt, die hauptsächlich über die Jugendorganisationen und die lokale Jugendarbeit erreicht wurden.

Im Rahmen der Vorbereitung der Jugendkonferenz #JUKON16 der Landesregierung Nordrhein-Westfalen konnten junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren vom 7. April bis 4. Mai 2016 online ihre Meinung dazu sagen, wie sie sich die Zukunft des Bundeslandes vorstellen und mit welchen Wünschen, Zielen und Sorgen sie in die kommenden Jahre blicken. Die Online-Plattform wurde fast 6.000 Mal aufgerufen, über 3.600 Antworten sind eingegangen. Die Ergebnisse des Online-Dialogs #JUKON16 stehen auf dem Landesportal NRW zur Verfügung.

Informationen zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein finden sich im Bericht der Landesregierung Schleswig-Holstein (PDF, 1,8 MB).

Ergebnisse

Im Folgenden werden beispielhaft abgeschlossene Beteiligungsprozesse und deren Ergebnisverwendung auf Bundesebene aufgeführt.

450 Jugendliche und junge Erwachsene waren zur dreitägigen Veranstaltung eingeladen. Den roten Faden bildete der 15. Kinder- und Jugendbericht: In Foren und Arbeitsgruppen wurden die Themen und Ergebnisse des Berichts diskutiert und dazu 54 Positionen und Forderungen erarbeitet. Themen waren: Politik & Politische Bildung, Flucht & Migration, Ungleichheit & Bildungsgerechtigkeit, Populismus & Extremismus, Freiräume & Handlungsräume, Beteiligung & Interessensvertretung. Die Ergebnisse flossen in die Jugendstrategie „Handeln für eine jugendgerechte Gesellschaft“ des BMFSFJ ein.

Anlässlich der 23. Weltklimakonferenz kamen rund 200 junge Menschen in drei deutschen Städten zusammen, um über Klimawandel und Klimaschutz sowie die Beteiligung junger Menschen an der Klimapolitik zu diskutieren. 24 Vertreterinnen und Vertreter von ihnen trafen sich später zu einem weiteren Workshop. Sie werteten die Ergebnisse aller Dialogveranstaltungen gemeinsam aus und leiteten daraus Empfehlungen und Forderungen ab. Der von ihnen veröf-fentlichte Jugendreport soll Entscheidungshilfe sein für Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Verbände.

Das youpaN soll junge Menschen an der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) beteiligen. Das Forum wurde im Sommer 2017 auf der youcoN gegründet. In ihm sind 25 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 23 Jahren vertreten. Bislang wurden neun Forderungen zu den Themen „Jugendbeteiligung“ und „BNE“ aufgestellt.

  • Urbane Liga (2018), ein Projekt vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Hei-mat (BMI) und Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)

Die Urbane Liga ist ein Bündnis von sog. jungen Stadtmacherinnen und Stadtmachern, die sich aktiv in die Gestaltung ihrer Städte einbringen möchten. 33 junge Menschen zwischen 17 und 27 Jahren bilden den jetzigen Jahrgang. Im Fokus sind die folgenden Themen: Mitwirkung, Baurecht, Kooperation zwischen Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft. Kernthesen der Urbanen Liga wurden manifestartig zusammengefasst.

Im Rahmen der Entwicklung der gemeinsamen Jugendstrategie der Bundesregierung wurden auf der dreitägigen Veranstaltung Empfehlungen und Positionen für die gemeinsame Jugend-strategie der Bundesregierung zu den Themen Städte und Dörfer, Bildung und Arbeit, Zusammenleben und Demokratie, Umwelt und Gesundheit von 450 jungen Menschen gesammelt. Der Slogan der Veranstaltung war „Was wir wollen“.

  • Jugend-Audits im Rahmen der Entwicklung der Jugendstrategie der Bundesregierung (2019), durchgeführt von der Stiftung SPI, Sozialpädagogisches Institut Berlin „Walter May“

In 2019 wurden drei Jugend-Audits mit jeweils 15 bis 22 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Auftrag des BMFSFJ veranstaltet. Die Themen waren Mobilität, Digitales sowie Bildung und Arbeit, Freiräume, Umwelt, Vielfalt und Teilhabe. Zu den Themen wurden Perspektiven besprochen und Handlungsbedarfe erarbeitet.

Großangelegte Initiativen für den Dialog oder die Auseinandersetzung zwischen öffentlichen Einrichtungen und Jugendlichen

Bundesebene
Auf Bundesebene wurde ein Jugend-Check erarbeitet. Dies wurde im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien (Amtsperiode 2013-2017) vereinbart. Seit August 2017 gibt es beim Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung (FÖV)  das „Kompetenzzentrum Jugend-Check (KomJC)“. Der Jugend-Check verfolgt das Ziel, die Auswirkungen geplanter Gesetzesvorhaben auf junge Menschen zwischen 12 und 27 Jahren sichtbar zu machen und die gewonnenen Erkenntnisse in den Gesetzgebungsprozess einzubringen. Die Idee eines Jugend-Checks ist im Kontext der Diskussionen um eine Eigenständige Jugendpolitik entstanden. Der Hintergrund war die Erkenntnis, dass Belange junger Menschen in politischen Prozessen häufig zu wenig Beachtung finden. Ende 2018 wurde ein erster Bericht des Kompetenzzentrums vorgelegt. Der vorgelegte Bericht beantwortet die Fragen, wieso es ein Instrument wie den Jugend-Check braucht und wie er in der Praxis funktioniert. Zugleich stellt das KomJC bisherige Erfahrungen in der begleitenden Gesetzesfolgenabschätzung vor und zieht eine erste Bilanz (PDF 5,75 MB): Bis Ende September 2018 wurden mit dem Jugend-Check 63 Regelungsvorhaben der Bundesregierung geprüft. Zu 18 Vorhaben aus unterschiedlichen Ressorts wurden jugendspezifische Auswirkungen identifiziert und veröffentlicht.

Zwar ist der Jugend-Check kein Beteiligungsinstrument, jedoch werden die Erfahrungen aus den unterschiedlichen Lebenslagen junger Menschen durch Beteiligungsformate, beispielsweise ein Jugend-Audit, in die Weiterentwicklung des Jugend-Checks einbezogen. Dort geben junge Menschen Feedback zum Prüfinstrument oder zu den Prüfergebnissen einzelner Jugend-Checks. Die Ergebnisse werden genutzt, um die Methodik des Jugend-Checks kontinuierlich zu verbessern. Ziel dieser Weiterentwicklung ist, die Lebenswirklichkeit junger Menschen angemessen abzubilden.

Vom Bund initiiert ist auch der Prozess „Jugendgerechte Kommunen“ und die Werkzeugbox „Jugend gerecht werden“. Als Teil der Jugendstrategie 2015-2018 „Handeln für eine jugendgerechte Gesellschaft“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) wurden 16 Kommunen auf ihrem Weg zu mehr Jugendgerechtigkeit (PDF, 49,4MB) begleitet. Eine entscheidende Rolle spielte Jugendbeteiligung. Zur weiteren Unterstützung aller Kommunen bundesweit soll eine Werkzeugbox „Jugend gerecht werden“ mit Methoden, Hintergrundwissen und Argumentationsstützen hilfreiche Anregungen liefern.

Ebenfalls Teil der Umsetzung der Jugendstrategie des BMFSFJ ist das Projekt „jugend.beteiligen.jetzt“. Es richtet sich an Menschen auf Bundes-, Landes- und insbesondere kommunaler Ebene, die Jugendbeteiligungsprozesse initiieren wollen. Jugendliche und erwachsene Multiplikator(inn)en können sich mithilfe des Angebots informieren, vernetzen und weiter qualifizieren, um Jugendbeteiligung voran zu bringen, zu stärken und auch neu zu initiieren.

Im Jugenddialog des Deutschen Bundesjugendrings können junge Menschen mit politisch Verantwortlichen in einen Dialog treten und über ihre Anliegen und Forderungen sprechen. Der Jugenddialog findet auf allen Ebenen und auf vielen Wegen statt: auf EU-Jugendkonferenzen, in europaweiten Umfragen, bei bundesweiten Veranstaltungen, in Projekten innerhalb des Jugendverbands oder bei Events in der Nachbarschaft. Vom 01. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2021 läuft der 8. Zyklus im Jugenddialog. Der Titel des 8. Zyklus ist „Europe for YOUth – YOUth for Europe: Raum für Demokratie und Beteiligung“. In den 18 Monaten soll das Youth Goal #9 „Räume und Beteiligung für alle“ erreicht und umgesetzt werden.

Das Portal mitmischen.de des Deutschen Bundestags ist der direkte Draht zwischen Jugendlichen und dem deutschen Parlament. Hier können Jugendliche mitreden, über politische Themen diskutieren und Online-Petitionen einreichen.

Bundesländer
In den Jahren 2017-2019 fand das Aktionsprogramm „Gemeinsam Zukunft gestalten - 20 Partizipationsprojekte für Hessen (ProgrammP)“ mit einem Programmvolumen von bis zu 1.100.000 € statt. Ziel war die Förderung der Partizipation junger Menschen durch Angebote der außerschulischen Jugendbildung.

Das Programm „Jugend BeWegt" Baden-Württemberg möchte die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in den Kommunen nachhaltig fördern und verankern. Kommunen und kommunale Zusammenschlüsse, die Jugendbeteiligung vor Ort umsetzen möchten und unterstützen, können sich für eine Programmförderung bewerben. Mit dem Programm sollen vorhandene Ansätze gestärkt, Erfahrungsaustausch gebündelt und ein dauerhaftes Netzwerk von Kommunen/kommunalen Zusammenschlüssen aufgebaut werden. Wichtigster Bestandteil der Förderung ist das unterstützende Coaching im Bereich Partizipation. Das Programm wird gemeinsam vom Landesjugendring und der Jugendstiftung begleitet.

Die Servicestelle für Kinder- und Jugendbeteiligung in Nordrhein-Westfalen unterstützt vor allem Politiker/-innen und Fachkräfte der Jugendhilfe/-arbeit bei der Umsetzung von Beteiligungsvorhaben. Sie berät bei geplanten neuen Beteiligungsvorhaben in Städten und Gemeinden. Sie bietet unter anderem Moderation, Mediation oder Inhouse-Schulungen und langfristige Prozessbegleitung an.

Sogenannte Demokratie-Tage richten sich sowohl an Jugendliche, die ihre Lebenswelt aktiv mitgestalten möchten, als auch an Pädagog(inn)en und Eltern mit Interesse am Themenfeld „Demokratie lernen und leben“. Demokratie-Tage finden 2018 unter anderem in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Hessen statt.

Das Beteiligungsnetzwerk des Landesjugendrings Mecklenburg-Vorpommern fördert seit 2001 die Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Sie begleitet, berät und schult Mitarbeiter/-innen aus Verwaltung, Politik, Schule, Jugendarbeit und Jugendverbänden sowie Kinder und Jugendliche in der Planung und Umsetzung von Beteiligungsprozessen und -projekten.

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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