Youth Wiki

Allgemeiner Rahmen

Wichtige Konzepte

Deutschland hat 1992 die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert, die Kindern und Jugendlichen das Recht auf Partizipation zuspricht. Partizipation ist ein grundlegendes Prinzip der Gestaltung von Jugendpolitik in Deutschland. Mithilfe des in der 18. Legislaturperiode entwickelten Jugend-Checks werden Gesetzesentwürfe auf Bundesebene auf ihre Folgen für Jugendliche zwischen 12 und 27 Jahren geprüft.

2001 haben Bund und Länder gemeinsame Leitlinien der internationalen Jugendpolitik und Jugendarbeit (PDF 1 MB) verabschiedet. Hier ist die Gesamtverantwortung von Bund, Ländern und Kommunen für den internationalen Jugendaustausch festgehalten. Jede Ebene fördert auf ihre Weise und im Rahmen ihrer Zuständigkeiten Programme des Jugendaustausches.

Im Kontext von globaler Bildung sind in Deutschland die nachfolgenden Begriffe und Konzepte von zentraler Bedeutung und im Gebrauch:

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) hat zum Ziel, Schüler/-innen zur aktiven Gestaltung einer ökologisch verträglichen, wirtschaftlich leistungsfähigen und sozial gerechten Umwelt unter Berücksichtigung globaler Aspekte, demokratischer Grundprinzipien und kultureller Vielfalt zu befähigen. Es ist ein ganzheitliches, interdisziplinäres Konzept. Es geht darum, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und Gestaltungskompetenz zu erlangen. Diese umfasst mehrere Teilkompetenzen. Unter die Gestaltungskompetenzkategorie „Interagieren in heterogenen Gruppen“ fallen unter anderem die Teilkompetenzen „Gemeinsam mit anderen planen und handeln können“ sowie „an Entscheidungsprozessen teilhaben können“. Dies schließt die Beteiligung Jugendlicher ein. Weiterführende Informationen zu diesen Kompetenzen bietet die Publikation Bildung für nachhaltige Entwicklung. Hintergründe, Legitimation und (neue) Kompetenzen (PDF 1,4 MB).

Globales Lernen

Der Begriff des Globalen Lernens umfasst eine Vielzahl von pädagogischen Absichten und Perspektiven sowie Themenfeldern, die zu vermitteln sind. Globales Lernen zielt auf die „Ausbildung individueller und kollektiver Handlungskompetenz im Zeichen weltweiter Solidarität“ ab. Es „fördert die Achtung vor anderen Kulturen, Lebensweisen und Weltsichten. Es beleuchtet die Voraussetzungen der eigenen Positionen und befähigt dazu, für gemeinsame Probleme zukunftsfähige Lösungen zu finden.“ Globales Lernen wird überwiegend als Teil der Bildung für nachhaltige Entwicklung betrachtet.

Bereiche des Globalen Lernens werden z.B. durch den Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung in der Schule (PDF 5,7 MB) gesetzt:

  • Soziales (Bevölkerungsentwicklung, Stadt-Land-Beziehung, Kultur/Lebenswelt, Religionen, Sprache/Kommunikation, Mobilität, Sozialisation/Bildung, Solidarsysteme, Gesundheit),
  • Wirtschaft (Wirtschaftssysteme, Wirtschaftssektoren, Informelle Strukturen, Außenwirtschaft, Warenmärkte/Handel, Finanzmärkte, Arbeitsmarkt, Technologie/Energie, Landwirtschaft),
  • Politik (Internationale Strukturen, staatliche Struktur, Herrschaftssystem, Justiz/Rechtswesen, Interessenvertretung, innere und äußere Sicherheit),
  • Umwelt (Naturraum, Lithosphäre, Böden, Biosphäre/Fauna, Flora, Luft/Klima, Gewässer, Systembeziehungen Mensch-Natur).

Weiterführende Informationen dazu findet man auch im Diskussionspapier ‚Globales Lernen als transformative Bildung für eine zukunftsfähige Entwicklung' (PDF 2,9 MB) von 2014 des Verbands Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) e.V. zum Abschluss der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“.

Transformative Bildung

Der Begriff Transformative Bildung (PDF 151 KB) wurde unter anderem durch das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) zu ‚Welt im Wandel: Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation‘ geprägt. Er wird zunehmend als neues Konzept innerhalb der Debatten um Globales Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung diskutiert.

Global Citizenship Education

Der Begriff der Global Citizenship Education (CGE) (PDF 139 KB) findet zunehmend Eingang in den Sprachgebrauch, wenn es um globale Bildung geht. Oft wird GCE als Dachbegriff für verschiedene pädagogische Konzepte verwendet. Dieser schließt entwicklungspolitische Bildung, Globales Lernen, Friedenspädagogik, Menschenrechtsbildung, politische und interkulturelle Bildung bis hin zu Bildung für Nachhaltige Entwicklung ein.

Interesse der Jugend an globalen Themen

Studien

Aktuelle Studien zeigen, dass Jugendliche sich mit globalen Fragen und Themen auseinandersetzen. Jugendliche engagieren sich im Umweltbereich, in der friedenspolitischen Arbeit oder in der entwicklungspolitischen Arbeit.

Laut Kinder- und Jugendbericht 2017 der Bundesregierung (PDF 5,8 MB) interessieren sich Jugendliche für globale Fragen wie Umweltschutz und Energiepolitik sowie das aktuelle Weltgeschehen.

Laut Sinus-Jugendstudie Wie ticken Jugendliche? (2016) ist das Thema Umweltschutz für fast alle Jugendlichen eine der zentralen gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen. Mit dem Begriff „kritischer Konsum“ sind sie weniger vertraut. Das Thema spielt bei den meisten weder im Schulunterricht noch in Familie oder im Freundeskreis eine zentrale Rolle.

Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014 (PDF 686 KB) zeigt für öffentliche gemeinschaftliche Aktivitäten die höchste Beteiligungsquote in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen (74,7 Prozent). Die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen gehört zu der mit dem höchsten Anteil an freiwillig Engagierten. Schülerinnen und Schüler sowie Menschen mit hohem Schulabschluss engagieren sich freiwillig mehr als Personen mit mittlerer und niedriger Schulbildung.

In der Shell-Jugendstudie (2015) zeigen sich Jugendliche vorsichtig und abwägend in der Auseinandersetzung mit der Lage der Welt und den Rückwirkungen auf ihre Heimat Deutschland. Sie glauben, dass Deutschland kulturell und sozial attraktiv ist und dadurch ein Vorbild für andere Länder sein kann.

Das Nachhaltigkeitsbarometer 2015 von Greenpeace Deutschland zeigt, dass Jugendlichen Klimaschutz und Energiewende nicht egal sind. Sie setzen sich auf unterschiedliche Form für eine sozial gerechte und ressourcenschonende Lebensweise ein.

Eine weitere repräsentative Umfrage von Greenpeace (2015) beleuchtete den Modekonsum von Jugendlichen. Es stellte sich heraus, dass Jugendliche über soziale und ökologische Missstände in der Textilproduktion informiert sind. Sie wünschten sich mehr praktische Informationen und Einkaufshilfen. Letztlich kaufen sie aber trotz Hintergrundwissen doch eher spontan im Laden oder über einen Onlineshop und nicht bewusst nachhaltig.

Die Studie zum Umweltbewusstsein in Deutschland 2016 (PDF 4 MB) zeigt, dass junge Menschen (bis 30 Jahre) weniger am großen Ganzen, aber an vielen Einzelthemen interessiert sind. Sie haben den unmittelbaren Nahbereich genauso wie das weltweite Geschehen im Blick: von Stadtkultur über Bildungspolitik und Integration bis zu sozialen und ökologischen Fragen. Umweltrisiken werden als bedrohlich wahrgenommen. Umweltgerechtes Verhalten im klassischen Sinne erfährt aber weniger Aufmerksamkeit. Junge Menschen engagieren sich eher anlassbezogen und eher in niedrigschwelligen zivilgesellschaftlichen Initiativen. Die Vertiefungsstudie zum Umweltbewusstsein in Deutschland 2014 macht deutlich, dass die Bereitschaft, das Handeln nach Umweltgesichtspunkten auszurichten, bei Jüngeren eher abnimmt. Sie haben aber großes Interesse an Sharing-Konzepten zur Entlastung der Umwelt sowie an Ansätzen für bewussten Konsum. Eine weitere Studie des Umweltbundesamtes (2011) (PDF 3,7 MB) bietet einen Einblick in die Jugendkultur und wie das Thema Nachhaltigkeit an Jugendliche herangeführt werden können. Sie zeigt, dass ein Umwelt- und Nachhaltigkeitsbewusstsein besteht. Das Interesse für eine weitergehende und vor allem aktive Beschäftigung mit der Thematik ist noch unzureichend und Jugendliche brauchen gezielte Anregungen und Anreize.

Die Ergebnisse der Studie 'Jugend, Nachhaltigkeit und nachhaltiger Konsum' (2012) (PDF 1,1 MB) der Hans-Böckler-Stiftung zeigen ebenfalls, dass Nachhaltigkeitsdenken bei Jugendlichen weit verbreitet ist.

Auf Bundesländerebene hat Hessen 2016 die Jugendstudie 'Lebensqualität - Glücklich in Hessen' (PDF 21,7 MB) veröffentlicht. Sie ergab, dass Jugendliche ein ausgeprägtes Bewusstsein für die heutigen Herausforderungen wie Klima- und Umweltschutz haben.

Junge Menschen in Deutschland haben zahlreiche Möglichkeiten, sich international zu engagieren. Weitere Informationen dazu bieten die Youth-Wiki-Kapitel:

Freiwilliges Engagement: Grenzüberschreitende Mobilitätsprogramme

Beschäftigung & Unternehmergeist: Grenzüberschreitende Mobilität im Bereich Beschäftigung, Unternehmertum und Beruf

Allgemeine und berufliche Bildung: Grenzüberschreitende Lernmobilität

Statistische Erfassungen

Der AKLHÜ e.V. – Fachstelle und Netzwerk für internationale personelle Zusammenarbeit erfasst jährlich Zahlen zu Freiwilligen (PDF 1,2 MB) sowohl in geregelten (staatlich geförderten) als auch ungeregelten (privaten) internationalen Freiwilligendiensten sowie Teilnehmenden an Workcamps. 2016 nahmen 213 Organisationen an der Erhebung teil. Sie vermittelten zusammen 9.740 Freiwillige ins Ausland. 92% der Freiwilligen wurden über geregelte Dienste vermittelt, 8% über ungeregelte. Bei Workcamps gab es einen Rückgang von 8,8% im Vergleich zum Vorjahr. 47,8% aller Teilnehmenden an geregelten Diensten gingen über das weltwärts-Programm ins Ausland. Rund 24% aller zurückgekehrten Freiwilligen sind in Initiativen ihrer Entsendeorganisation in Deutschland aktiv. Die beliebtesten Einsatzländer der Freiwilligen außerhalb Europas waren: Südafrika, Indien, Israel. Frauenanteil an Freiwilligen in allen Diensten: rund 70%.

In den statistischen Übersichten des Statistischen Bundesamts (PDF, 778 KB) werden die Zielländer für deutsche Studierende im Ausland erfasst. Dazu gehörten 2016 außerhalb Europas vor allem die USA, China, Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, Japan, Brasilien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Israel und Saudi-Arabien.

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

Weitere Themen

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