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Internationale Jugendarbeit und entwicklungspolitische Zusammenarbeit

Internationale Jugendarbeit und jugendpolitische Zusammenarbeit

Internationale Jugendarbeit ist im Sozialgesetzbuch (SGB) VIII – Kinder- und Jugendhilfe, §11, gesetzlich verankert und laut Kinder- und Jugendplan des Bundes integraler Bestandteil der Kinder- und Jugendhilfe. Sie bietet Lernräume zur Begegnung und zum Austausch von jungen Menschen und Fachkräften aus verschiedenen Ländern. Gegenseitiges Verständnis, Toleranz und Offenheit sollen durch internationale Jugendarbeit ebenso gefördert werden wie interkulturelles Lernen, Verantwortungsübernahme, bürgerschaftliches Engagement und Fremdsprachenkompetenz.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ist auf Bundesebene für den internationalen Jugend- und Fachkräfteaustausch, auch mit Ländern außerhalb Europas, zuständig. Das Förderinstrument ist hier der Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) (PDF 228 KB). Gefördert werden können Maßnahmen von Trägern der Kinder- und Jugendhilfe und ihren Zusammenschlüssen auf Bundesebene zur Umsetzung bilateraler Vereinbarungen, völkerrechtlicher Abkommen, von EU-Verordnungen oder als Teil der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik des Bundes in Deutschland oder im Ausland sowie zeitlich befristete Aktivitäten, insbesondere im Rahmen von bi- oder multilateralen, auf Gegenseitigkeit ausgerichtete Maßnahmen. Für Maßnahmen der Internationalen Jugendarbeit stehen im Bundeshaushalt 2019 (KJP, Titel 684 01; PDF 1 MB) Mittel zur Verfügung, davon auch Mittel für bilaterale Sonderprogramme wie z.B. mit China und Japan.

Programme mit Ländern außerhalb Europas:

  • Deutsch-Japanisches Austauschprogramm für junge Ehrenamtliche
    • Thema 2019: „Gesellschaftliche Partizipation junger Menschen“
    • Zielgruppe: junge Menschen zwischen 18 und 26 Jahren, die ehrenamtlich tätig sind (z.B. Freiwillige Feuerwehr, in der Gemeinde, Sportverein, Pfadfinder)
    • Maßnahmen: Besuche von Jugendeinrichtungen, Fachvorträge, Diskussionsrunden mit jungen Ehrenamtlichen in Japan (und bei Gegenbesuch in Deutschland), Gastfamilienwochenende
    • Förderung: Kinder- und Jugendplan des Bundes (Sonderprogramm Japan), Eigenmittel der Teilnehmenden, japanisches Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT)

    Weiterführende Informationen zum Programm

  • Deutsch-Japanisches Studienprogramm für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe
    • Thema 2019: Das mediale Umfeld junger Menschen - Herausforderungen und Lösungsansätze
    • Zielgruppe: Fachkräfte der Kinder‐ und Jugendhilfe
    • Maßnahmen: Fachvorträge, Projektbesuche und Diskussionsrunden in Japan (und bei Gegenbesuch in Deutschland), Workshops zur Vertiefung des Themas, Gastfamilienaufenthalt
    • Förderung: Kinder- und Jugendplan des Bundes (Sonderprogramm Japan), Eigenmittel der Teilnehmenden, japanisches Ministerium für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (MEXT)

    Weiterführende Informationen zum Programm

  • Deutsch-Chinesischer Fachkräfteaustausch
    • Themen 2019: „Gleichwertige Lebensverhältnisse und gleiche Chancen für junge Menschen schaffen“ (Programm in China), „Umweltbewusstsein junger Menschen stärken“ (Programm in Deutschland)
    • Zielgruppe: Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe
    • Maßnahmen: fachlicher Austausch und Entwicklung gemeinsamer Projekte
    • Förderung: Kinder- und Jugendplan des Bundes (Sonderprogramm China), Eigenmittel der Teilnehmenden, Allchinesischer Jugendverband

    Weiterführende Informationen zum Programm

Weitere Informationen zu Akteuren und Zuständigkeiten im Bereich der internationalen jugendpolitischen Zusammenarbeit gibt es unter Verwaltung und Steuerung im Youth-Wiki-Kapitel „Jugend in der Welt“.

Informationen zur internationalen Zusammenarbeit im Bereich Jugend gibt es auch im Youth-Wiki-Kapitel „Jugendpolitik“.

Auswärtiges Amt

Das Auswärtige Amt ergänzt den internationalen Jugendaustausch im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik durch Einzelmaßnahmen, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Pädagogischen Austauschdienst. Schwerpunktregionen und -länder, in denen Jugendaustauschprogramme bevorzugt gefördert werden: Afghanistan, Armenien, Aserbaidschan, Australien, Belarus, Brasilien, China, Großbritannien, Indien, Indonesien, Kuba, Mexiko, Namibia, das Östliche Afrika, Russland, Sri Lanka, Südafrika, Ukraine, USA, Vietnam und Zypern sowie die Staaten Südosteuropas. Internationaler Schüleraustausch liegt in der Zuständigkeit der Bundesländer. Für Begegnungen zwischen deutschen und ausländischen Jugendgruppen im In- und Ausland sind im Bundeshaushalt 2019 (Einzelplan 05 Auswärtiges Amt, Kapitel 0504 Pflege kultureller Beziehungen zum Ausland, Titel 687 17; PDF 1,5 MB) 4,075 Millionen € (2018: 3,975 Millionen €) eingestellt.

Das Auswärtige Amt fördert zudem seit 2011 den Demokratisierungsprozess in der Arabischen Welt im Rahmen der so genannten Transformationspartnerschaft. Schwerpunktländer: Tunesien, Marokko, Libyen, Libanon, Jordanien, Jemen, Irak und Ägypten. Fördermittel stehen auch für den Jugend- und Fachkräfteaustausch im Jugend(hilfe)bereich zur Verfügung.

Das Auswärtige Amt fördert zudem den Freiwilligendienst kulturweit. Informationen zu Programmen im Ausland bietet auch das Youth-Wiki-Kapitel „Freiwilliges Engagement“.

Die Stiftung West-Östliche Begegnungen möchte Völkerverständigung und Frieden fördern durch Vertiefung und Ausweitung von gutnachbarlichen Beziehungen und Kontakten zwischen Deutschen und Menschen aus den Partnerländern der Stiftung. Diese sind: Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, Republik Moldau, Russische Föderation, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine und Usbekistan. Förderschwerpunkte: Schüleraustausch und Schulpartnerschaften, Jugendaustausch, Kunst und Kultur, Bürgerbegegnungen sowie soziale und humanitäre Hilfe. Die Stiftung erhält Fördermittel des Auswärtigen Amts.

Entwicklungspolitische Maßnahmen

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert unter anderem Programme der schulischen und außerschulischen entwicklungspolitischen Informations- und Bildungsarbeit, den entwicklungspolitischen Austausch und Freiwilligendienst sowie entwicklungswichtige Vorhaben privater deutscher Träger. Jugendliche sind eine wichtige Zielgruppe. Im Bundeshaushalt (Einzelplan 23 BMZ; PDF 816 KB) stehen hierfür Mittel (2019) bereit:

  • Förderung der entwicklungspolitischen Bildung: 49,9 Millionen €.
  • Entwicklungspolitischer Austausch und Freiwilligendienst: 47 Millionen €.
  • Förderung entwicklungswichtiger Vorhaben privater deutscher Träger: 150 Millionen €.

Die zentrale Einrichtung für die Umsetzung der entwicklungspolitischen Informations- und Bildungsarbeit des BMZ ist die Engagement Global gGmbH - Service für Entwicklungsinitiativen.

Programme in der Verantwortung von Engagement Global:

  • AGP – Aktionsgruppenprogramm - Förderung für kleine Projekte der entwicklungspolitischen Informations- und Bildungsarbeit
    Mit Förderzuschüssen von bis zu 2.000 Euro unterstützt das Aktionsgruppenprogramm (AGP) Engagierte in Schulen und Initiativen, die ihr Wissen über die Zusammenhänge der Einen Welt vertiefen und weiter vermitteln möchten. Zielgruppe: Schulen, Kitas, Aktionsgruppen und ehrenamtliche Initiativen, die sich mit entwicklungspolitischen Themen beschäftigen.
  • ENSA – Entwicklungspolitisches Schulaustauschprogramm
    ENSA unterstützt Schulpartnerschaften zwischen weiterführenden Schulen in Deutschland und Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Südosteuropas durch inhaltliche Beratung und finanzielle Zuschüsse. Zielgruppe: Jugendliche ab 14 Jahren aus weiterführenden Schulen in Deutschland und den Partnerländern.
  • „weltwärts“ – entwicklungspolitischer Freiwilligendienst
    „weltwärts“ wurde 2008 in Deutschland eingeführt. Er kann in den sogenannten Entwicklungs- oder Schwellenländern geleistet werden. Haupteinsatzbereiche/-themenfelder: Bildung, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Umwelt- und Gesundheitsbereich, Umwelt- oder Tierschutz, Landwirtschaft, Förderung von Menschenrechten, Demokratie und Frieden. Zielgruppe: junge Leute zwischen 18 und 28 Jahren. Seit 2013 gibt es auch eine Süd-Nord-Komponente: Junge Menschen aus dem Globalen Süden absolvieren einen Freiwilligendienst in Deutschland. Siehe auch Freiwilliges Engagement > Grenzüberschreitende Mobilitätsprogramme > Andere grenzüberschreitende Programme.
  • Förderlinie „weltwärts – Außerschulische Begegnungsprojekte im Kontext der Agenda 2030“
    Im Rahmen der Deutsch-Afrikanischen Jugendinitiative 2016 aufgelegt. Ziel ist die Förderung von entwicklungspolitisch ausgerichteter internationaler Jugendarbeit und des Globalen Lernens und die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Nachhaltigkeitszielen. Schwerpunkte: Jugendaustausch, Begleitprojekte, Modellprojekte. Schwerpunktländer in der Pilotphase bis 2019: Benin, Südafrika und Tansania. Zielgruppe: Jugendliche zwischen 16 und 30 Jahren.
  • ASA-Programm
    Fördert Projektpraktika in Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Südosteuropas sowie Seminare zu Kompetenzen im Umgang mit Diversität und Konflikten und Methoden der Gruppen- und Projektarbeit. Das ASA-Netzwerk lädt alle Teilnehmenden zu einer Reflexion über den eigenen Lernprozess ein. Es gibt das Basisprogramm für Studierende und junge Berufstätige sowie spezielle Sonderprogramme. Die Teilnehmenden erhalten eine Teilfinanzierung. Zielgruppe: für junge Deutsche zwischen 21 und 30 Jahren; junge Menschen (bis 35 Jahre) aus Ländern des Globalen Südens (Nord-Süd-Tandems absolvieren gemeinsame Seminar-, Projekt- und Reflexionsphase. Die Projektphase umfasst ein Praktikum in Deutschland sowie einen Aufenthalt im Herkunftsland der Süd-Teilnehmenden). Das ASA-Programm arbeitet mit verschiedenen Kooperationspartnern zusammen, darunter Organisationen der internationalen Zusammenarbeit und Zivilgesellschaft, kommunale Akteure, Unternehmen und wirtschaftsnahe Organisationen sowie Hochschulen.

Brot für die Welt fördert ökumenische Begegnungsprogramme zwischen Partnerschaftsgruppen (Nord-Süd und Süd-Nord), wenn sie in langfristige entwicklungspolitische Bildungsprogramme eingebettet sind. Brot für die Welt wird gefördert aus Mitteln des BMZ, Spenden und Kollekten sowie Mitteln des kirchlichen Entwicklungsdienstes.

Bundesländer

Entwicklungszusammenarbeit ist nicht nur Aufgabe des Bundes, sondern auch der 16 deutschen Bundesländer. Sie haben vielfältige entwicklungspolitische Beziehungen. Sie fördern durch ihre Partnerschaften zu Städten, Regionen oder Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika die Umsetzung der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung. Überblick über die entwicklungspolitischen Beziehungen der deutschen Bundesländer sowie Ansprechpartner und verantwortliche Institutionen: ez-der-laender.de

  • Beispiele für jugendbezogene Programme
    • Programm Jugend für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Brandenburg
      Ziel: Lern- und Arbeitsprojekte in Afrika, Asien oder Lateinamerika, um junge Menschen zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen
      Zielgruppe: junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren
      Maßnahmen: Mitarbeit in Entwicklungs- oder in gemeinnützigen Projekten
      Förderung: Land Brandenburg, Anträge durch Einzelpersonen (Wohnsitz in Brandenburg) möglich
    • Konkreter Friedensdienst NRW
      Ziel: soziales Bewusstsein und Blick für das weltweite Entwicklungsgefälle stärken
      Zielgruppe: junge Leute zwischen 18 und 25 Jahren (in Ausnahmen bis 27), mit Wohnsitz in NRW
      Maßnahmen: Projekteinsätze in verschiedenen Bereichen, von der Betreuung von Straßenkindern über die Mitarbeit in einem ländlichen Krankenhaus bis hin zur Arbeit mit behinderten Kindern
      Förderung: Land Nordrhein-Westfalen
    • Schulpartnerschaften im Rahmen der Länderpartnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda
      Ziel: Austausch zwischen ruandischen und deutschen Schüler(nne)n und Perspektivenwechsel
      Zielgruppe: Schüler/-innen ab 14 Jahre
      Maßnahmen: Projekttage an/mit der Partnerschule, Austausch zu themenbezogenen Programmpunkten
      Förderung: Land Rheinland-Pfalz aus dem Begegnungsfonds des Ministeriums des Innern Rheinland-Pfalz, Zuschuss für deutsche Schüler/-innen nach Ruanda: 200 € pro Person.
  • Entwicklungspolitische Inlandsarbeit

    Auch die entwicklungspolitische Inlandsarbeit wird von den Bundesländern gefördert, z.B. Baden-Württemberg über das Förderprogramm für Projekte der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit bwirkt! und Bayern (Umweltbildung/Bildung für nachhaltige Entwicklung).

  • Entwicklungspolitische Bildungstage

    So genannte entwicklungspolitische Bildungstage finden jährlich in vielen Bundesländern statt, z.B.

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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