Youth Wiki

Integration Jugendlicher in den Arbeitsmarkt

Jugendbeschäftigungsmaßnahmen

Grundsätzlich verfügt Deutschland über eine große Bandbreite von arbeitsmarktpolitischen Instrumenten zur Umsetzung der zentralen Empfehlung der EU-Jugendgarantie. Weitere Informationen dazu gibt es im Nationalen Implementierungsplan zur Umsetzung der EU-Jugendgarantie in Deutschland sowie in der Bewertung der Umsetzung der EU-Jugendgarantie in Deutschland (Mai 2018). Der Plan beschreibt bestehende Maßnahmen des Bundes im Bereich von Bildung, Beschäftigung und Fortbildung, die zur Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt beitragen.

Die Agenturen für Arbeit sind durch das Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III § 37) verpflichtet, mit Jugendlichen, die eine Ausbildung oder Arbeit suchen, eine Eingliederungsvereinbarung abzuschließen. Bei Jugendlichen ist diese nach spätestens drei Monaten zu überprüfen. Die Eingliederungsvereinbarung umfasst das Eingliederungsziel, die Vermittlungsbemühungen der Agenturen für Arbeit, den Nachweis über die eigenen Bemühungen der/des Jugendlichen und die geplanten Leistungen der Arbeitsförderung. Dabei genießen junge erwerbsfähige Arbeitslose unter 25 Jahren, die die Grundsicherung für Arbeitsuchende (Arbeitslosengeld II) erhalten, Vorrang bei der Vermittlung einer Ausbildung oder Arbeit.

Auch die von Bundesministerien und -behörden kofinanzierten verschiedenen ESF-Programme (PDF 1,7 MB) tragen zur Förderung der Einbindung Jugendlicher in den Arbeitsmarkt bei. Beispiele:

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)

  • ESF-Integrationsrichtlinie des Bundes (2015-2020). Ziel: junge Menschen mit besonderen Schwierigkeiten beim Zugang zu Arbeit oder Ausbildung in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Handlungsschwerpunkte mit besonderer Relevanz für Jugendliche: Integration statt Ausgrenzung, Integration durch Austausch (Weitere Informationen zu diesem Bereich gibt es im Youth Wiki-Kapitel Beschäftigung und Unternehmergeist unter Programme und Maßnahmen der grenzüberschreitenden Mobilität). Fördervolumen (2015-2020): 295,6 Millionen Euro Gesamtmittel, davon 111,2 Millionen Euro Bundesmittel und 154,8 Millionen Euro ESF-Mittel.

Bundesagentur für Arbeit (BA)

  • ESF-Bundesprogramm „Kofinanzierung der Berufseinstiegsbegleitung nach § 49 SGB III“: Ziel ist es, junge Menschen in eine Berufsausbildung einzugliedern. Leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler, die Probleme haben, einen Schulabschluss zu erlangen, werden individuell und kontinuierlich von der Schule bis in die Berufsausbildung von sogenannten Berufseinstiegsbegleiter(inne)n unterstützt. Ist-Ausgaben 2018: 190,56 Millionen Euro.  

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

  • ESF-Modellprogramm „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ (2014 – 2022) in Zusammenarbeit mit dem  Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Es unterstützt Jugendämter in ausgewählten Modellkommunen bundesweit. Hier sollen vor allem Jugendliche erreicht werden, die wegen mehrerer individueller Beeinträchtigungen oder sozialer Benachteiligungen von Regelangeboten nicht mehr erreicht werden und individuelle sozialpädagogische Unterstützung gemäß § 13 Sozialgesetzbuch VIII beim Übergang Schule - Beruf benötigen. Jugendmigrationsdienste unterstützen hier mit ihren Angeboten insbesondere junge Menschen mit Migrationshintergrund. Fördervolumen (2019–2022): 4 Millionen Euro Bundesmittel, 87 Millionen Euro ESF-Mittel.

Weitere Hinweise zu den Informationsangeboten über Beschäftigungsmöglichkeiten und -unterstützungsangebote für Jugendliche gibt es im Bereich Berufsorientierung und -beratung des Youth-Wiki-Kapitels Beschäftigung und Unternehmergeist.

Besondere Zielgruppen für Maßnahmen der beruflichen Integration: Jugendliche in schwierigen Lebenslagen, Jugendliche mit Migrationshintergrund bzw. junge neu Zugewanderte mit besonderem Integrationsbedarf, schulverweigernde Jugendliche, Jugendliche, die Arbeitsmarktmaßnahmen abbrechen oder abgebrochen haben, Jugendliche ohne Schul- und Berufsabschluss, junge Menschen mit Behinderungen.

Flexicurity-Maßnahmen für junge Leute

Für Jugendliche gibt es keine gesonderten Flexicurity-Beschäftigungsangebote.

Mit Blick auf die Arbeitszeit unterliegen jugendliche Auszubildende beziehungsweise Arbeitnehmer/-innen den gültigen rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen beziehungsweise Regelungen. Wichtige Gesetze hierbei sind:

Neben tarifvertraglichen Regelungen für bestimmte Berufskreise oder -zweige werden bestimmte Themen und Bereiche durch Betriebsvereinbarungen innerhalb eines Betriebs geregelt. Diese sind dann auch für Jugendliche, die in einem solchen Betrieb tätig sind, gültig.

Individualrechtliche Regelungen bezüglich der Arbeitszeit werden im Arbeitsvertrag festgehalten.

Jugendliche haben einen Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn sie die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen. Ab dem Alter von 15 Jahren können sie auch Arbeitslosengeld II beantragen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Jugendliche haben auch Anspruch auf eine Förderung gemäß dem Gesetz zur Förderung der beruflichen Aufstiegsfortbildung, wenn sie die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen.

Zum Thema Flexicurity in Deutschland gibt es weitere Informationen auf der Webseite von Eurofound sowie in einem Diskussionspapier des European Employment Observatory (PDF 89,8 KB).

Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf für junge Leute

Jugendspezifische Programme und Initiativen gibt es nicht. Die in Deutschland bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen und Programme zur Förderung der Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf greifen auch für Jugendliche.

§ 8 Berufsbildungsgesetz gibt jungen Eltern die Möglichkeit, eine Berufsausbildung in Teilzeit zu machen. So können sie Ausbildungszeiten flexibel anpassen und Berufsausbildung und Familie besser vereinbaren.

Die in Deutschland umgesetzten Arbeitszeitmodelle finden auch für Jugendliche Anwendung. Junge Familien oder Alleinerziehende können auch die unterschiedlichen Formen der Kinderbetreuung bzw. finanzielle Hilfen in Anspruch nehmen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind. Informationen zum Thema „Familie und Beruf“ auf der Website der Bundesagentur für Arbeit.

Das Bundesprogramm „KitaPlus“ des BMFSFJ fördert zusätzliche Betreuungsangebote in Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege. Diese sind am Bedarf von Familien ausgerichtet und mit Jobcentern und Arbeitsagenturen abgestimmt. Davon sollen Alleinerziehende und Eltern in Schichtarbeit, Eltern, die sich noch in Ausbildung bzw. im Studium befinden, sowie arbeitsuchende Eltern, für die eine neue Beschäftigungsaufnahme mit einem Schichtdienst oder Randzeiten verbunden wäre, profitieren und ihnen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.

Laut Zukunftsreport Familie 2030 (PDF 1 MB) des BMFSFJ nutzen junge Mütter und Väter insbesondere das Elterngeld und die Partnermonate, um mit ihren Arbeitgebern familienfreundliche Arbeitszeit- und -organisationsmodelle zu entwickeln. Zudem ermöglicht die staatlich subventionierte Kinderbetreuung die Vereinbarung flexibler, aber auch verlässlicher Arbeitszeitvereinbarungen.

Finanzierung von Programmen und Initiativen

Maßnahmen zur Beschäftigungsförderung werden vom Bund und den Ländern bzw. den jeweils für die Maßnahme oder das Programm zuständigen Ministerien gefördert. Teilweise werden auch Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds eingesetzt. Beispiele dafür bietet der Bereich Jugendbeschäftigungsmaßnahmen.

Weitere Informationen zur Finanzierung von Maßnahmen im Rahmen der Umsetzung der Jugendgarantie bietet der Nationale Implementierungsplan zur Umsetzung der EU-Jugendgarantie in Deutschland (PDF 561 KB).

Das Youth-Wiki-Kapitel Beschäftigung und Unternehmergeist bietet weitere Informationen zur Finanzierung von berufs- und beschäftigungsfördernden und -unterstützenden Maßnahmen unter

Qualitätssicherung

Die Bundesagentur für Arbeit erfasst in ihren Statistiken die Anzahl von Teilnehmer(inne)n an beruflichen Fördermaßnahmen, die Anzahl der Neubeschäftigungen, die Beteiligung bestimmter Zielgruppen, die Dauer der Jobsuche der Arbeitslosigkeit, die Beteiligung an Umschulungsmaßnahmen etc. Zudem führt sie eine Online-Befragung der Teilnehmenden an berufsvorbereitenden Maßnahmen durch, um entsprechendes Feedback zu den Maßnahmen zu erhalten.

Zahlreiche Programme und Maßnahmen werden in Deutschland systematisch überwacht und evaluiert, um von Erfahrungen zu lernen und erfolgreiche Programme auszubauen. Zu gegebener Zeit werden Zwischen- bzw. Abschlussberichte erstellt, die in der Regel online abrufbar sind.

Serviceangebote wie die Jugendmigrationsdienste im Rahmen des ESF-Modellprogramms „JUGEND STÄRKEN im Quartier“ evaluieren ihre Arbeit und passen diese regelmäßig an aktuelle Entwicklungen und Bedarfe an. JMD arbeiten flächendeckend und trägerübergreifend mit der webbasierten Software „i-mpuls JMD", um ihre Arbeit zu evaluieren.

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

Weitere Themen

Jugendpolitik im Allgemeinen
Free Photos - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Freiwilliges Engagement
jp26jp - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Soziale Inklusion
Wokandapix - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Partizipation
aedrozda - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Allgemeine und berufliche Bildung
ernestoslava - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Gesundheit und Wohlbefinden
Khamkor - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Kreativität und Kultur
Boadecia - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Jugend in der Welt
manseok - pixabay.com Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter
Jugendarbeit
© ehrenberg - AdobeStock
Youth Wiki

Das Youth Wiki wird in Deutschland umgesetzt von IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Die Verantwortung für den Inhalt des Youth Wiki in Deutschland trägt allein IJAB. Die EU-Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

Gefördert von: