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Allgemeiner Rahmen

Haupttrends in der Gesundheitssituation von Jugendlichen

Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen

In Deutschland kann die Gesundheitssituation und Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen insgesamt als gut bis sehr gut bezeichnet werden. Das geht hervor aus Elternbefragungen und Untersuchungen von Kindern und Jugendlichen im Rahmen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) des Robert Koch-Institutes. Auffällig ist allerdings eine Verschiebung von akuten zu chronischen Erkrankungen und hin zu psychischen Auffälligkeiten. Auch sind die gesundheitlichen Chancen auf ein von Krankheit und Gesundheitsstörungen unbelastetes Leben ungleich verteilt. Erhöhte Gesundheitsrisiken haben vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Familien. Diese können durch den Lebensstil und die Lebensumstände der Familien begünstigt werden. So sind Kinder und Jugendliche aus diesen Familien beispielsweise überdurchschnittlich häufig von Verkehrsunfällen, verschiedenen Krankheiten, Übergewicht und psychischen Auffälligkeiten betroffen.

Repräsentative Studien zeigen auch, dass in Deutschland Übergewicht und Bewegungsmangel auf der einen, Essstörungen und Mangelernährung auf der anderen Seite bedeutende Probleme darstellen. Damit wächst die Gefahr gesundheitlicher Beeinträchtigungen auch und gerade für Kinder und Jugendliche.

Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit

Aus diesem Grund hat die Bundesregierung die „Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit“ (PDF 3,1 MB) erarbeitet und beschlossen. Die Strategie basiert auf dem Ergebnis der Kinder- und Jugendgesundheitsumfrage (KiGGS-Studie), die das Robert Koch-Institut in den Jahren 2003 bis 2006 durchführte. Darin wurden erstmalig umfassende und repräsentative Daten zur Gesundheit, zum Gesundheitsverhalten und zur Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland erfasst. Erste Ergebnisse der Folgeerhebung, der sogenannten KiGGS-Welle 1, sind in der Broschüre „Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland - 2013“ (PDF 3,4 MB) zusammengefasst. Die Bundesregierung bündelt mit der Strategie Kindergesundheit die verschiedenen Initiativen zur Förderung der Kindergesundheit, die weit über das Gesundheitswesen hinaus in alle Bereiche hineinwirken, und initiiert neue Maßnahmen.

Die Strategie beinhaltet Initiativen zu folgenden zentralen Handlungsfeldern:

  • Prävention und Gesundheitsförderung ausbauen
  • Gesundheitliche Chancengleichheit fördern
  • Gesundheitliche Risiken mindern
  • Situation beobachten, Grundlagen erforschen und Risiko- und Schutzfaktoren ermitteln

Um diese Ziele zu erreichen, hat das Bundesministerium für Gesundheit eine Reihe von Projekten (PDF 3,1 MB) ins Leben gerufen. So wurden Ansätze zur Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen umgesetzt, krankheitsübergreifende Schulungsprogramme für Kinder mit chronischen Erkrankungen entwickelt und erprobt sowie Untersuchungen zum Ausbau von Vorsorgeangeboten angestoßen.

Die Strategie zur Förderung der Kindergesundheit ergänzt die Initiativen der Bundesregierung zum Kindeswohl, darunter der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung für ein kindergerechtes Deutschland 2005-2010 (PDF 528 KB).

Im Sinne eines Wächteramtes hat der Staat Sorge zu tragen, dass Eltern ihre Verantwortung für Gesundheit und Wohlergehen ihrer Kinder wahrnehmen. Länder und Kommunen sind in erster Linie für die Sicherstellung des Kindeswohls und den Kinderschutz zuständig. Im Kampf gegen Kindesvernachlässigung und -misshandlung sind aufsuchende Dienste der Kinder- und Jugendhilfe und des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und die gezielte Förderung von Familien in belasteten Lebenslagen ein wesentliches Instrument. Bereits vor der Geburt sollen Risiken identifiziert werden, um Familien bedarfsgerechte Hilfsangebote machen zu können. Die Initiativen der Länder und Kommunen unterstützen die Bundesregierung beispielsweise durch die Bundesinitiative Frühe Hilfen.

Aktiver Kinderschutz durch Frühe Hilfen und verlässliche Netzwerke

Frühe Hilfen sind Basisangebote der Kinder- und Jugendhilfe und stehen auch werdenden Eltern offen. Es bleibt den Ländern und Kommunen überlassen, wie sie auf Eltern zugehen, um sie über Unterstützungsangebote vor Ort zu informieren und zu beraten. Dies können beispielsweise die Gesundheitsämter oder Jugendämter übernehmen. Alle wichtigen Akteure im Kinderschutz, wie Jugendämter, Schulen, Gesundheitsämter, Krankenhäuser, Schwangerschaftsberatungsstellen, Ärztinnen und Ärzte und Polizei, werden in einem Netzwerk Frühe Hilfen zusammengeführt, damit Hilfen für Familien rund um die Geburt eines Kindes gut aufeinander abgestimmt werden.

Das Bundesfamilienministerium stärkte mit einer Bundesinitiative ab 2012 vier Jahre lang den Aus- und Aufbau von Netzwerken Frühe Hilfen und des Einsatzes von Familienhebammen auch unter Einbeziehung ehrenamtlicher Strukturen in den Ländern und Kommunen. Hierfür stellte der Bund im Jahr 2012 30 Millionen Euro, im Jahr 2013 45 Millionen Euro und in den Jahren 2014 und 2015 jeweils 51 Millionen Euro zur Verfügung.

Nach Ablauf des Modellprogramms verpflichtete sich der Bund, sein finanzielles Engagement im Bereich Frühe Hilfen und der psychosozialen Unterstützung von Familien mit kleinen Kindern über 2015 hinaus dauerhaft in Höhe von 51 Millionen Euro jährlich fortzuführen. Damit trägt der Bund über die Hälfte der Mehrbelastungen, die durch das Bundeskinderschutzgesetz bei den Ländern und Kommunen entstehen.

Mit der Veröffentlichung der Kinderschutzleitlinie im Februar 2019 durch die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) liegt in Deutschland erstmals eine evidenzbasierte, in Zusammenarbeit mit vielen relevanten Fachgesellschaften und Organisationen entwickelte Leitlinie zum Kinderschutz (PDF 1,2 MB) vor. 

Gesundheitsziele

Es existiert ein Kooperationsverbund zur Weiterentwicklung des nationalen Gesundheitszieleprozesses, in dem sich seit 17 Jahren mehr als 140 Organisationen des deutschen Gesundheitswesens engagieren. Beteiligt sind Verantwortliche aus Politik in Bund, Ländern und Kommunen, Selbstverwaltungsorganisationen, Fachverbänden, Patienten- und Selbsthilfeorganisationen und Wissenschaft.

In Bezug auf die Zielgruppe Kinder und Jugendliche wurde das Gesundheitsziel „Gesund aufwachsen: Lebenskompetenz, Bewegung, Ernährung“ 2003 veröffentlicht und 2010 aktualisiert. Derzeit wird der Settingansatz „Gesundheitsfördernde Kindertagesstätte“ evaluiert.

Erklärte Ziele sind:

  • Erhöhung der Lebenskompetenz von Kindern und Jugendlichen
  • Reduktion von Belastungen/belastenden Einflüssen für Kinder, Jugendliche und Familien
  • Förderung der Bewegung von Kindern und Jugendlichen
  • Reduktion der Fehlernährung, Förderung der gesunden Ernährung in Familien
  • Optimierung der Rahmenbedingen und Strukturen für Gesundheitsförderung in KiTa, Schule, Familie/Umfeld

Empfohlene Startermaßnahmen:

  • Sensibilisierung der Akteure der Kinder- und Jugendhilfe mit dem Ziel, Gesundheitsförderung als fachlichen Standard in der Kinder- und Jugendhilfe zu etablieren
  • Verbot von Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet sowie Platzierung in und um Kin-dersendungen
  • Das Thema Lebenskompetenz wird in der Erzieher(innen)- sowie Lehrer(innen)ausbildung fächerübergreifend verankert und zeitgemäß und qualitätsgesichert weiterentwickelt
  • KiTas führen Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung durch
  • KiTas stellen den Kindern täglich mindestens zwei kostenlose Mahlzeiten zur Verfügung
  • Förderung der Bewegungsfreude von Kindern und Jugendlichen innerhalb des Sportunter-richts
  • Praktische und theoretische Ernährungsbildung sind Bestandteil bestehender Schulfächer
  • Getränkeautomaten werden abgebaut und Trinkwasserspender aufgestellt
  • Entwicklung von Setting- und themenspezifischen Qualitätssicherungsinstrumenten

Verbesserung der ärztlichen Versorgung

Bezüglich der Verbesserung der ärztlichen Versorgung von Kindern und Jugendlichen wurde 2006 eine Expertenkommission „Arzneimittel für Kinder und Jugendliche“ beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gebildet. Die Aufgabe der Kommission ist es, Entscheidungen der Bundesoberbehörde zur Zulassung von Arzneimitteln für den pädiatrischen Gebrauch vorzubereiten. Zudem soll sie bewerten, unter welchen Voraussetzungen Medikamente, die für Erwachsene zugelassen worden sind, auch bei Kindern und Jugendlichen zum Einsatz kommen können.

Aktuelle Gesundheitserhebungen und Studien

Statistische Daten

Das Statistische Bundesamt erfasst regelmäßig Daten zum Thema Gesundheit in Deutschland. Folgende Erhebungen sind in Bezug auf Kinder und Jugendliche von Interesse: Unfälle, Gewalt und Selbstverletzungen bei Kindern und Jugendlichen im europäischen Vergleich (PDF 1,5 MB). Fazit: Zwischen 2001 und 2016 ist bei Kindern (1 bis 14 Jahre) ein beeindruckender Abwärtstrend der Verletzungen mit Todesfolge zu beobachten: in Deutschland um 43% (von 4,7 auf 2,0 je 100.000). Europaweit sanken die Anteile bereits 2001 - 2010 um 44% (von 6,6 auf 3,7 je 100.000). Neuere Zahlen sind nicht verfügbar. Dennoch sind Verletzungen ab dem Alter von einem Lebensjahr die häufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen seit Jahren in Deutschland und Europa.

Der überwiegende Teil der Jugendlichen im Alter von 16 bis 25 Jahren schätzt seinen Gesundheitszustand als sehr gut bis gut ein.

Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS)

Das Robert Koch-Institut (RKI) begann bereits 1998 mit Unterstützung nationaler und internationaler Expert(inn)en einen Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) zu konzipieren und zu testen. Durchgeführt wurde KiGGS von 2003 bis 2006 mit 17.641 Kindern und Jugendlichen von 0 bis 17 Jahren sowie deren Eltern.

Die Finanzierung dieser, bislang nicht nur für Deutschland einmaligen, Studie übernahmen das Bundesministerium für Gesundheit (BMG), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Robert Koch-Institut (RKI). Vertiefende Teilstudien wurden durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie das Bundesministerium für Umwelt (BMU) und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) finanziert.

Die Ergebnisse von KiGGS fanden fast nahtlos Eingang in gesundheitspolitische Programme und Strategien. So nutzte der „Nationale Aktionsplan zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten“ (PDF 655 KB) die KiGGS-Ergebnisse, ebenso die Initiative „Leben hat Gewicht“ sowie die Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit  (PDF 3,1 MB). In den 3. Armuts- und Reichtumsbericht, in den 3. Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht sowie in den 8. Familienbericht gingen Auswertungen der KiGGS-Daten ebenso ein wie in eine Expertise für den Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen.

Es existieren realtiv aktuelle Querschnittsdaten und Trends (2018) zu unterschiedlichen Gesundheitsthemen aus KiGGS-Welle 2:

Drei zentrale Merkmale kennzeichnen KiGGS:

  • KiGGS stellt wiederholt bundesweit repräsentative Daten zur Verfügung, mit denen die aktuelle gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren sowie zeitliche Entwicklungstrends beschrieben werden können.
  • Mit KiGGS werden Gesundheitsdaten sowohl mit Hilfe von Befragungen als auch mittels medizinischer Untersuchungen, Tests und Laboranalysen erhoben, um validere Messungen und bessere Häufigkeitsschätzungen für Krankheiten zu ermöglichen.
  • KiGGS beinhaltet zudem eine Kohorte, d.h. Kinder und Jugendliche der Basiserhebung werden bis ins Erwachsenenalter hinein wiederholt eingeladen, so dass bei weiterer Teilnahme Ursachen und Bedingungen gesundheitlichen Veränderungen im Lebenslauf analysiert werden können.

Rahmendaten zur aktuellen Erhebung KiGGS Welle 2:

  • Laufzeit: September 2014 bis Februar 2017
  • Teilnehmende: ca. 23.000 (geplant)
  • Alter: 0 bis 29 Jahre
  • Untersuchungsorte: 167 Städte und Gemeinden in Deutschland
  • Inhaltliche Schwerpunkte von KiGGS Welle 2 sind Gesundheitsstatus, Gesundheitsverhalten, Lebensbedingungen, Schutz- und Risikofaktoren und Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems.

15. Kinder- und Jugendbericht

Der 15. Kinder- und Jugendbericht (PDF 6,8 MB), erschienen 2017 als Bericht über die Lebenssituation junger Menschen und die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland und wurde von einer Sachverständigenkommission unter der Leitung von Prof. Dr. Heiner Keupp erstellt und verlangt vor allem eine bessere Vernetzung der vorhandenen Angebote und Strukturen.

Pisa-Studie 2018

In der Pisa-Studie von 2018 finden sich etliche Daten zum Wohlbefinden von Schüler(inne)n in Deutschland. Daraus geht zum Beispiel hervor, dass 73 Prozent der Schüler/-innen zufrieden oder sogar sehr zufrieden sind mit ihrem Leben (OECD-Vergleich: 71 Prozent). Des Weiteren konstatiert die Studie, dass nur 3 Prozent der Schüler/-innen außerhalb der Schule keiner physischen Aktivität nachgehen (OECD-Vergleich: 7 Prozent).

Versorgungsepidemiologische Analyse der medizinischen Kinder- und Jugendversorgung in Deutschland

Im Rahmen einer versorgungsepidemiologischen Analyse der pädiatrischen Versorgung in Deutschland der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DAKJ) wird untersucht, in welchen Regionen zukünftig Probleme bei der Sicherstellung insbesondere der ambulanten kinder- und jugendärztlichen Versorgung zu erwarten sind, welcher Art diese Probleme sind, welche Rolle andere Arztgruppen, andere Gesundheitsberufe oder Krankenhäuser bei der Sicherstellung der kinder- und jugendmedizinischen Versorgung spielen können und wie eine bedarfsgerechte Planung der kinder- und jugendmedizinischen Versorgung aussehen kann. Die Erkenntnisse werden insbesondere über eine Analyse der Daten der statistischen Ämter der Länder und des Bundes und eine Analyse der Morbiditätsdaten, über Literaturanalysen und mittels semistatistischer Interviews gewonnen. Laufzeit: 1. Oktober 2015 bis 31. Mai 2016

Ernährungsberichte

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) erstellt alle vier Jahre im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) einen Ernährungsbericht. Darin wird untersucht was und wie viel in Deutschland gegessen wird, wie sich das Ernährungsverhalten und die Versorgung der Menschen verändern, ob Ernährungsempfehlungen umgesetzt werden, welche Maßnahmen notwendig sind, um die Gesundheit der Menschen zu fördern. Es sind Kurzfassungen der Ernährungsberichte verfügbar.

Die Auswertung der Nationalen Verzehrstudie (NVS II) belegt, dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger Probleme mit ihrem Gewicht haben: Zwei Drittel der Männer und über die Hälfte der Frauen übergewichtig sind. Jeder Fünfte ist adipös (fettleibig) und damit gefährdet, an Herz-Kreislauferkrankungen oder Diabetes zu erkranken.

Die langfristige Beobachtung des Ernährungsverhaltens in Deutschland erfolgt im Rahmen des Nationalen Ernährungsmonitorings (NEMONIT). Das Max Rubner-Institut befragt dazu im Auftrag des BMEL einmal im Jahr ein Panel aus fast 2000 Personen zwischen 18 und 80 Jahren, die bereits an der Nationalen Verzehrstudie II teilgenommen haben.

Drogenaffinitätsstudie

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) führt jährlich im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) eine sogenannte Drogenaffinitätsstudie: Drogen- und Suchtbericht 2019 (PDF 17,6 MB) durch. Das Ergebnis der letzten Studie wurde im Oktober 2019 publiziert. Demnach sei die Drogen- und Suchtprävention der Bundesregierung erfolgreich. Junge Menschen rauchen weniger, trinken weniger Alkohol und konsumieren weniger Drogen. Problematisch aber sei nach wie vor das Rausch-Trinken und der Cannabis-Konsum.

Delphi-Befragung

Im Jahr 2008 wurde der Nationale Aktionsplan IN FORM zur Reduktion von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten verabschiedet. Im Rahmen von „IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung“ wurden auch zahlreiche Impulse im Bereich der Bewegungsförderung gesetzt. Die Anstöße des Bundesministeriums für Gesundheit zielten jenseits der Projektförderung auf die Verankerung von Bewegung und Bewegungsförderung in Prävention und Gesundheitsförderung, Rehabilitation, Pflege und Therapie.

Vor diesem Hintergrund wurde die Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld in Kooperation mit der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) vom BMG beauftragt, die Entwicklungen der Strukturen für Bewegungsförderung zu beurteilen und auch Handlungsperspektiven abzuleiten. Es galt festzustellen, inwieweit eine strukturelle Verankerung der Bewegungsförderung in Deutschland in unterschiedlichen Feldern gelungen ist, wo weiterhin Lücken erkennbar oder auch Doppelspurigkeiten entstanden sind. Dabei sollten die Bereiche Prävention/Gesundheitsförderung, Rehabilitation, Pflege und Therapie berücksichtigt werden.

Ziele des Projektes waren damit, eine Bestandsaufnahme der Strukturen für Bewegungsförderung sowie die Ableitung von Handlungsempfehlungen, die dem BMG perspektivische Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung der Bewegungsförderung liefern. Laufzeit: 01. Januar bis 31. Dezember 2015

Die Ergebnisse sind auf der Internetseite von IN FORM abrufbar. 

Weitere repräsentative Untersuchungen

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) führt seit den 1970er-Jahren regelmäßig repräsentative Untersuchungen zu Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu den Themen Alkohol, Tabak und illegalen Drogen durch. Darüber hinaus hat sie zu den Themen Sexualaufklärung und AIDS präventionsrelevante Datengrundlagen geschaffen.

Erhebungen zur Gesundheitssituation von Kindern und Jugendlichen in den Ländern

Brandenburg: Es existiert eine neuere Veröffentlichung zu 'Gesundheit und Gesundheitschancen für Kinder im Land Brandenburg' (PDF 2,7 MB)

Wichtige Konzepte

Gesundheitliche Chancengleichheit

Ein wichtiges Thema, das die gesundheitspolitische Diskussion in Deutschland prägt, ist die Forderung nach gesundheitlicher Chancengleichheit, vor allem für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Seit Anfang 2000 wurden zunehmend Studien durchgeführt, mit denen die Ursachen sozialer und gesundheitlicher Ungleichheiten in Einflüssen der frühen Kindheit erforscht wurden.

Diese neuen Untersuchungen ermöglichen einen integrierenden Blick auf die Interaktion zwischen Umwelt, Psyche und Vererbung. Es hat sich gezeigt, dass Erfahrungen von Armut und Vernachlässigung insbesondere in den ersten Lebensmonaten zu dauerhaften Verhaltensprägungen führt. Sie sind nur sehr schwer zu verändern, weil es sich dabei nicht um einfache Lernprozesse handelt, sondern um dauerhaft etablierte hormonelle Muster, die in sogenannten sensiblen Phasen festgelegt werden. Kinder, die solchen Einflüssen ausgesetzt sind, haben in der Folge Defizite, sich zu konzentrieren, Defizite des Gedächtnisses, und sie haben Schwierigkeiten, zu planen und Handlungen zu Ende zu führen. Umgekehrt fördert eine anregungsreiche und stressarme Umgebung Fähigkeiten, die in Schule und Beruf zu Erfolgen führen. Dies beeinflusst Chancen, Probleme zu lösen und Anforderungen erfolgreich zu meistern. Auf diesem Wege werden Lebenschancen gebahnt oder beeinträchtigt und Anfälligkeiten für Erkrankungen im frühen Lebensalter grundgelegt.

Infolge des 2015 in Kraft getretenen Präventionsgesetzes wurden die Koordinierungsstellen Gesundheitliche Chancengleichheit bundesweit ausgebaut. Damit soll die Gesundheitsförderung in den Kommunen gestärkt werden.

Frühe Hilfen

In Deutschland stehen Eltern eine Vielzahl von Unterstützungseinrichtungen und -angeboten zur Verfügung. Diese systematisch zu verknüpfen und für Eltern und Kinder zu passgenauen Hilfen zu gestalten, ist Aufgabe der Frühen Hilfen. Das setzt ein systematisches Erkennen relevanter Belastungsfaktoren von Eltern auf der Grundlage eines möglichst umfassenden Zugangs voraus. Frühe Hilfen reichen von alltagspraktischer Unterstützung wie zum Beispiel Haushaltsorganisation bis hin zur Förderung der Beziehungs- und Erziehungskompetenz von (werdenden) Müttern und Vätern. Zielgruppen sind alle Eltern, allerdings mit dem Fokus auf Familien in Problemlagen (selektive Prävention).

Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) im Jahr 2007 das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) eingerichtet. 

Partizipation

Mitte der 2000er-Jahre kam es zur Festlegung von Kriterien und Verfahren für Qualitätsentwicklung und -sicherung in der Gesundheitsförderung als Antwort auf die Forderung der Praxis und der Geldgeberseite, wirksame Konzepte besser identifizieren und fördern zu können. Der Kooperationsverbund Gesundheitliche Chancengleichheit hat Partizipation als eines der zwölf Good-Practice-Kriterien aufgestellt. Allerdings existiert kein explizites Konzept für Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Gesundheitsförderung.

Setting-Ansatz

Gesundheitsförderung im Kindesalter sollte alters- und geschlechtsspezifisch gestaltet sein und einen Soziallagenbezug haben. Sie berücksichtigt die eigenen Vorstellungen, die Mädchen und Jungen von ihrer Gesundheit haben, und ihren kulturellen Hintergrund. Im sogenannten Setting-Ansatz werden gesundheitsfördernde Angebote an der jeweiligen spezifischen Personengruppe und ihrer Lebenswelt ausgerichtet sowie an Qualitätskriterien, die eine umfassende Beteiligung möglich machen. Ein Setting ist ein Sozialzusammenhang, in dem Menschen sich in ihrem Alltag aufhalten und der Einfluss auf ihre Gesundheit hat.

Eine Übersicht von Leitbegriffen der Gesundheitsförderung in Deutschland befindet sich auf der Webseite der BZgA.

Sportverständnis

Die Organisation des Sports unterscheidet in Deutschland zwischen der öffentlichen Sportverwaltung (mit Bund, Ländern und Kommunen) und Selbstverwaltung des Sports (mit ihren Vereinen und Verbänden). Der Verein ist der Träger der Turn- und Sportbewegung. Er schafft die Voraussetzungen, um unter bestmöglichen Bedingungen Sport zu treiben. Es existieren deutschlandweit ca. 91.000 Turn- und Sportvereine mit rund 24 Millionen Mitgliedern. Für jede Sportart gibt es eigene Spitzenverbände (Bundesfachverbände).

Zum Sportverständnis des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB):

„Die Vereine und Verbände des Sports bekennen sich zu einem humanistisch geprägten Menschenbild und zum Fairplay. Ihr Sportangebot dient dem Menschen zur bewegungs- und körperorientierten ganzheitlichen Entwicklung der Persönlichkeit und strebt Gesundheit in physischer, psychischer und sozialer Hinsicht an. Gesundheitsorientierter Sport ist ein fester Bestandteil des Angebots der Mitgliedsorganisationen. Insbesondere für Kinder und Jugendliche stellt der Verein – in Ergänzung zu Familie und Schule – ein wesentliches Element zum Erlernen sozialer Kompetenz dar. Gleichzeitig setzen sich Verbände und Vereine für die umfassende Berücksichtigung von Bewegung, Spiel und Sport im Bildungsbereich ein.“

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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