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Freiwilliges Engagement Jugendlicher auf nationaler Ebene

Nationales Programm für freiwilliges Engagement Jugendlicher

Jugendliche können an zwei nationalen Programmen für freiwilliges Engagement teilnehmen:

  • Jugendfreiwilligendienste

    Die Rahmenbedingungen für die Jugendfreiwilligendienste Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) und Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) werden durch das Gesetz zur Förderung der Jugendfreiwilligendienste (JFDG) vorgegeben. Es trat am 1. Juni 2008 in Kraft (zuletzt geändert am 20. Dezember 2011). Die Jugendfreiwilligendienste richten sich an junge Menschen, die die Vollzeitschulpflicht erfüllt, aber das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Das Gesetz gibt den allgemeinen Rahmen vor und macht grundlegende Vorgaben für die Teilnahme von Freiwilligen an diesen Diensten, zum Beispiel die Dauer des Freiwilligendienstes, welche Träger Jugendfreiwilligendienste anbieten dürfen und welche arbeitsrechtlichen und arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen und Fragen des Datenschutzes zu beachten sind.

    Die Jugendfreiwilligendienste FSJ und FÖJ können auch im Ausland  geleistet werden. § 6 des Jugendfreiwilligendienstegesetzes macht dazu entsprechende Ausführungen.

    FSJler im Ausland
     AnzahlZielländer
    2016/201721Italien, Kosovo, Peru, Rumänien, Vietnam
    2017/201812Italien, Peru, Vietnam
    FÖJler im Ausland
     AnzahlZielländer
    2016/20179Dänemark, Estland, Litauen, Österreich, Polen
    2017/20187Dänemark, Estland, Litauen, Österreich

    Die Servicestelle für Jugendfreiwilligendienste beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) berät und unterstützt Träger, Einsatzstellen und Freiwillige. Das Bundestutorat FSJ der Zentralstelle BAFzA ist für die Qualitätsentwicklung und -sicherung der pädagogischen Begleitung verantwortlich. Es unterstützt das pädagogische Personal der verbandsfreien Träger bei der Durchführung der pädagogischen Begleitung. Außerdem organisiert es bundeszentrale Fachtagungen sowie statistische Erhebungen und Evaluationen.

    Einsatzbereiche für ein FSJ: Sport (Sportverein, Sportverband), Sozialer Bereich (Alten- und Pflegeheim, Krankenhaus, Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung, ambulanter Sozial- oder Pflegedienst, Sanitäts- und Rettungsdienst), Kultur und Denkmalpflege (Gedenkstätten, Museen, Kulturvereine, Archive, Jugendclubs), Kindergarten oder Kindertagesstätte, Kirchengemeinde, Schulen (Förderschule, Ganztagsschule), Jugendfeuerwehr, Zivil- und Katastrophenschutz, Medienbildung (netzwärts – Servicestelle für Medienbildung im Freiwilligendienst).

    Einsatzbereiche für ein FÖJ: Verbandlicher Umwelt- und Naturschutz, Naturschutzzentren, Landschaftspflege und Gartenbau, Land- und Viehwirtschaft, Forstwirtschaft, Umwelttechnik und Erneuerbare Energien, Tierpflege, Umweltbildung, Kinder- und Jugendpflege, Umweltwissenschaften, Umweltämter.

    Teilnehmendenzahlen FSJ/FÖJ
     FSJFÖJ
    2016/101756.3472.926
    2017/201854.9192.995

    Freiwillige mit besonderem Förderbedarf (kognitive, emotionale oder körperliche Beeinträchtigung) erhalten bundesweit eine spezielle Förderung und pädagogische Begleitung. Ebenso unterliegen Freiwillige mit Migrationshintergrund einem bundesweiten Inklusionsansatz und erhalten individuelle Begleitung.

  • Bundesfreiwilligendienst

    Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ist ein Angebot an alle Menschen in Deutschland, sich außerhalb von Beruf und Schule für das Allgemeinwohl zu engagieren. Engagieren können sich alle, die die Vollzeitschulpflicht erfüllt haben. Je nach Bundesland ist das mit 16 Jahren möglich, manchmal auch schon mit 15 Jahren.

    Der BFD wurde mit dem Bundesfreiwilligendienstgesetz vom 28. April 2011 in Deutschland eingeführt und durch § 15 Absatz 5 des Gesetzes vom 20. Oktober 2015 ergänzt, mit dem das Sonderprogramm des BFD 'Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug' eingeführt wurde. Es ist bis 31. Dezember 2018 befristet.

    Die zuständige Behörde ist das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA). Diese wird unterstützt von den so genannten Zentralstellen, die die Betreuung der Einsatzstellen und die Verteilung der finanziellen Mittel übernehmen (siehe auch ‚Qualitätssicherung‘). Außerdem setzt das BAFzA Beraterinnen und Berater als Außendienstmitarbeiter in ganz Deutschland ein. Beim BAFzA findet sich eine Übersicht der Beraterinnen und Berater.

    Einsatzbereiche im Bundesfreiwilligendienst: Kinder- und Jugendhilfe, Wohlfahrts-, Gesundheits- und Altenpflege, Behindertenhilfe, Kultur und Denkmalpflege, Sport, Zivil- und Katastrophenschutz, Umweltschutz, Schulen, Jugendbeteiligung.

    Statistiken BFD September 2018

    Freiwillige gesamt (unter 27 Jahren): 27.504 (16.091 weiblich, 11.413 männlich), die meisten davon in Nordrhein-Westfalen (4273 Frauen, 3127 Männer), Baden-Württemberg (2776 Frauen, 1926 Männer), Niedersachsen (2343 Frauen, 1627 Männer) und Bayern (1740 Frauen, 1157 Männer).

    Im Oktober 2018 waren 32150 Einsatzstellen für den Bundesfreiwilligendienst in Deutschland registriert und anerkannt. Übersicht der möglichen Einsatzstellen im Bundesfreiwilligendienst

    Informationen finden sich auch in der Informationsbroschüre 'Zeit, das Richtige zu tun. Freiwillig engagiert in Deutschland – Bundesfreiwilligendienst, Freiwilliges Soziales Jahr, Freiwilliges Ökologisches Jahr' (PDF 4,3 MB)

Finanzierung

Für Maßnahmen zur Stärkung der Zivilgesellschaft mit dem Schwerpunkt Freiwilligendienste stehen im Bundeshaushalt 2018, Einzelplan 17 des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (PDF 963 KB), Mittel von rd. 300,9 Mio.€ zur Verfügung. Davon entfallen auf Jugendfreiwilligendienste [unter anderem Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ)] und den Bundesfreiwilligendienst folgende Mittel:

  • Jugendfreiwilligendienst (Titel 684 11): 2018: FSJ 75.781.000€ (2016: 73.781.000€); FÖJ 7.800.000€ (2016: 7.300.000€). Keine Mittel des Europäischen Sozialfonds eingesetzt.
  • Bundesfreiwilligendienst (Titel 684 14): 2018: 205.202.000 Mio.€ (2017: 200.202.000€). Hier sind auch Mittel für das bis 2018 befristete Sonderprogramm 'Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug' enthalten. Keine Mittel des Europäischen Sozialfonds eingesetzt.

Merkmale des freiwilligen Engagements Jugendlicher

Der zuletzt 2014 durchgeführte Freiwilligensurvey (PDF 2,9 MB) (2016 erschienen) trifft folgende Kernaussagen zu Freiwilligendiensten:

  • Sie sind spezifische und regulierte Formen des Engagements.
  • Die Jugendfreiwilligendienste (Freiwilliges Soziales Jahr, Freiwilliges Ökologisches Jahr) sind am weitesten verbreitet.
  • Mehr Frauen als Männer machen einen Freiwilligendienst und am häufigsten junge Erwachsene (18-29 Jahre: 9,2% im Vergleich zu 30-49 Jahre: 3,8%).
  • 18- bis 29-Jährige mit hoher Bildung engagieren sich häufiger in einem Freiwilligendienst.

Statistiken zum Bundesfreiwilligendienst und zu den Jugendfreiwilligendiensten siehe 'Nationales Programm für freiwilliges Engagement Jugendlicher'

Die Engagementstrategie des Bundesjugendministeriums (BMFSFJ) (PDF 312 KB) weist darauf hin, dass das Engagement junger Menschen in den letzten Jahren leicht zurückgegangen ist. Der Rückgang ist unter anderem auf zunehmenden Zeitstress zurückzuführen. Dieser wird unter anderem ausgelöst durch steigende Inanspruchnahme durch Bildung, Ausbildung sowie den Übergang in den Beruf. Auch die teilweise damit verbundene verstärkte räumliche Mobilität und der Verlust sozialer Wurzeln führen zu mehr Abbrüchen freiwilliger Tätigkeiten.

Laut Abschlussbericht der gemeinsamen Evaluation des Gesetzes (PDF 3,9 MB) über den Bundesfreiwilligendienst (BFDG) und des Gesetzes zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten (JFDG) sind junge Männer in den Jugendfreiwilligendiensten unterrepräsentiert. Dies trifft vor allem auf Einsatzfelder im Freiwilligen Sozialen Jahr wie Alten-, Kranken-, und Behindertenbetreuung sowie Kinder -und Jugendbetreuung zu. Auch Teilnehmende mit Migrationshintergrund sind unterrepräsentiert. Jugendliche mit einem besonderen Förderbedarf leisten weniger häufig einen Jugendfreiwilligendienst als Jugendliche mit höherem Bildungsabschluss.

Unterstützung junger Freiwilliger

Im Bundesfreiwilligendienst ist ein Zeugnis über die Art und Dauer des Freiwilligendienstes vorgeschrieben. In den Jugendfreiwilligendiensten wird es auf Anforderung der Freiwilligen ausgestellt. Bei beiden sind berufsqualifizierende Merkmale in das Zeugnis aufzunehmen.

Freiwillige in den Jugendfreiwilligendiensten FSJ/FÖJ (siehe 'Nationales Programm für das Ehrenamt Jugendlicher') und im Bundesfreiwilligendienst (BFD) sind grundsätzlich gesetzlich sozialversichert. Die Beiträge für die Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen-, Renten- und Unfallversicherung zahlen die Träger der Freiwilligendienste beziehungsweise die Einsatzstelle. Bei den Sozialversicherungen ist der BFD einem Ausbildungsverhältnis gleich gestellt. Bis zum 25. Lebensjahr besteht ein Anspruch auf Kindergeld und alle damit verbundenen staatlichen und tariflichen Folgeleistungen. Während des Einsatzes erhalten die Freiwilligen normalerweise ein Taschengeld. Unterkunft, Verpflegung und Arbeitskleidung können gestellt oder die Kosten erstattet werden.

Qualitätssicherung

Richtlinien der Qualitätssicherung

Richtlinien, die Vorgaben zur Qualität im Bereich Freiwilligendienste beinhalten, sind folgende:

Instrumente der Qualitätssicherung

Zum Zwecke der Qualitätsentwicklung inkl. -sicherung von nationalen (und internationalen) Freiwilligendiensten (PDF 1 MB) sind in Deutschland in den letzten 15 Jahren eine Vielzahl von Instrumenten erarbeitet worden. Dazu gehören:

Produkte zur Qualitätsmessung, wie z.B.
  • Qualitätskataloge auf der Grundlage von Qualitätskriterien oder- standards
  • Qualitätshandbücher
  • Schaubilder und Organigramme zur Beschreibung von Prozessen und Abläufen im Sinne der Qualitätssicherung  
  • Fragebögen zur Evaluation der Freiwilligendienste, die sich an Freiwilligendienstleistende selber oder an die Träger (Entsende-/Aufnahmeorganisation bzw. Einsatzstelle) richten (Fokus: Messungen der Zufriedenheit der einzelnen Akteure, zur Persönlichkeitsentwicklung der Freiwilligen vor und nach der Ableistung eines Freiwilligendienstes etc.)
  • Strukturierte Interviews mit einzelnen Akteuren
  • Online-Tools:
    1. Für die Bewertung eines Freiwilligendienstes aus der Sicht von Freiwilligendienstleistenden, z.B. MeinFreiwilligendienst.de – ein Projekt von grenzenlos e.V. – Vereinigung internationaler Freiwilliger,
    2. Online-Selbstevaluations-Tool, dient zur Freiwilligen Selbstkontrolle des Trägers, Qualitätsverbund bei der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e.V. (AGEH).
Dialogforen
  • Regelmäßige Feedbackgespräche zwischen Freiwilliger/Freiwilligem und Einsatzstelle (bei weltwärts: Mentor)
  • Trägerinterne, regelmäßige Teamgespräche zu spezifischen Themen
  • Trägerinterne und –übergreifende, regionale Qualitätszirkel zur kollegialen Beratung (selbstorganisiert)
  • Trägerübergreifende Qualitätskommissionen, die im Auftrag des Förderers (Bsp. weltwärts) qualitätsrelevante Aspekte beleuchten und den Austausch mit der Zivilgesellschaft sicherstellen ,
  • Trägerinterne und –übergreifende, nationale und internationale Trainings und Werkstätten zur Erarbeitung eines gemeinsamen Qualitätsverständnisses zwischen den Partnerorganisationen    
  • Fachtagungen, die sich entweder nur an  Entsende- bzw. Aufnahmeorganisationen oder Einsatzstellen richten,
Qualitätsprozesse im Sinne des Benchmarking mit dem Ziel der Erlangung eines Gütelabels  
  • Trägerinterne Qualitätsprüfung auf der Basis der Freiwilligen Selbstkontrolle (fid-Netzwerk internationalQM )
  • Externe Qualitätsprüfung bzw. Audit zur Erlangung eines Gütelabels (RAL Gütezeichen Internationaler Freiwilligendienst, Quifd-Qualitätssiegel)
  • Externe Gutachter/-innen und Auditor/-innen für die Qualitätsmessung der Träger, sowie entsprechende Aus- und Fortbildungsangebote
Unterstützung zur freiwilligen Selbstkontrolle

Zur freiwilligen Selbstkontrolle können Trägerorganisationen von Freiwilligendiensten das Qualitätshandbuch 'Qualitätsmanagement internationaler Freiwilligendienste im Dialog' nutzen. Dort werden verschiedene Qualitätsbereiche gelistet. In jedem Bereich werden dann Kriterien beschrieben sowie Indikatoren aufgeführt. Mit deren Hilfe können die Organisationen die Qualität ihrer Arbeit messen. Das Handbuch liegt in 7 Sprachen vor.

Weitere Gütelabel, die im Bereich der Freiwilligendienste, zum Einsatz kommen, sind:
  • RAL Gütezeichen Internationaler Freiwilligendienst (Outgoing / Incoming): Das Verfahren zur Erlangung des Gütezeichens basiert im Wesentlichen auf dem dialogorientierten QM-System 'fid-Netzwerk internationalQM'. Es berücksichtigt die geltenden Qualitätsgrundsätze von RAL, Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e.V.. Träger des Gütezeichens ist die RAL Gütegemeinschaft Internationaler Freiwilligendienst e.V.
  • Quifd-Qualitätssiegel: Das Verfahren zur Erlangung des 'Quifd'-Qualitätssiegels basiert auf Qualitätsgrundsätzen und Qualitätsstandards für Freiwilligendienste. Träger ist Quifd – Agentur für Qualität in Freiwilligendiensten.
Ansprechpartner zum Thema Qualitätssicherung in nationalen (und internationalen) Freiwilligendiensten (Auswahl)

Ein zentrales Register für Organisationen, die ehrenamtliche Mitwirkungsmöglichkeiten für junge Menschen anbieten, gibt es nicht. Im Internet erhält man Übersichten zu

Diese werden regelmäßig aktualisiert.

Siehe auch Youth-Wiki-Kapitel „Freiwilliges Engagement: Verwaltung und Steuerung des freiwilligen Engagements – Hauptakteure“

Jugendliche, die an einem Freiwilligendienst teilgenommen haben, schreiben einen Erfahrungsbericht an die Entsendeorganisation. Außerdem sind sie verpflichtet,  während des Dienstes in der Regel 25 Seminartage zu absolvieren. Ziel ist es, die Freiwilligen durch pädagogisches Personal mit spezifischen Fragestellungen rund um den Freiwilligendienst (Themen, wie Umgang mit Tod, Konfliktsituationen, Einbindung von Geflüchteten in die Freiwilligendienste etc.) zu konfrontieren, um eigene Verhaltensweisen zu hinterfragen und darüber sowohl die persönliche als auch berufliche Entwicklung zu befördern. Die Seminarzeit ist Dienstzeit.

2015 wurde eine Evaluation der Gesetze zum Bundesfreiwilligendienst und den Jugendfreiwilligendiensten vorgelegt. Diese ergab, dass bestimmte Zielgruppen in den Freiwilligendiensten unterrepräsentiert sind.

Zielgruppen

Zu den Jugendlichen, die für ein freiwilliges Engagement insbesondere angesprochen werden, gehören:

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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