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Förderung von Kultur und kultureller Teilhabe

Abbau von Hindernissen für den Zugang Jugendlicher zu Kultur

Die wichtigsten Programme, die kulturelle Teilhabe und kulturelle Bildung fördern sollen, fördern jeweils Strukturen (Einrichtungen, Organisationen) und Maßnahmen kultureller Kinder- und Jugendbildung auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Sie sehen in der Regel auch die Förderung von Zusammenschlüssen, Organisation, Qualifikation und Fortbildung des haupt- und ehrenamtlichen Personals vor.

  • Bundesebene
    • Förderung durch den Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP)

    Das Bundesjugendministerium regt als fachlich zuständige oberste Bundesbehörde die Tätigkeit der Kinder- und Jugendhilfe an und fördert diese, wenn sie von überregionaler Bedeutung ist und ihrer Art nach nicht durch ein Land allein wirksam gefördert werden kann. Diese Aufgabe erfüllt das Bundesjugendministerium mit dem im Jahr 1950 eingeführten Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP - vor dem Jahr 1994 Bundesjugendplan). Der KJP ist das zentrale Förderinstrument der Kinder- und Jugendhilfe auf Bundesebene und der größte Haushaltsansatz der Förderprogramme des Bundesjugendministeriums. Ein Leistungsfeld der Kinder- und Jugendhilfe das, damit abgedeckt wird, ist die kulturelle Bildung nach §11 SGB VIII.

    • Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung

    Das Sonderprogramm des Bundes ‚Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung‘, das zunächst von 2013 bis 2017 lief und nun von 2018 bis 2022 verlängert wurde, unterstützt deutschlandweit lokale Bündnisse für Bildung. In diesen Bildungsbündnissen schließen sich vor Ort unterschiedliche Akteure zusammen (zum Beispiel Musikgruppen, Sportvereine, Stiftungen, Bibliotheken, Theater- und Jugendgruppen und Schulen oder Kitas), um bildungsbenachteiligten Kindern durch außerschulische und außerunterrichtliche Angebote verschiedene Bereiche der kulturellen Bildung näherzubringen. Das Programm will bildungsbenachteiligte Familien erreichen und ihnen weitere Bildungschancen eröffnen sowie eine tragfähige Vernetzung unterschiedlicher Bildungsakteure auf lokaler Ebene und gesellschaftliches Engagement für (kulturelle) Bildung fördern. Da das Bundesministerium für Bildung und Forschung keine Zuständigkeit für die Schulen hat, wird das Programm durch 35 bundesweit tätige Verbände und Initiativen der außerschulischen Bildung umgesetzt. Siehe auch ‚Nationale Strategie zu Kreativität und Kultur für Jugendliche’

    • Bildungspaket

    Das so genannte Bildungspaket (Leistungen für Bildung und Teilhabe) sieht Leistungen vor, die insbesondere Kindern, Jugendlichen und junge Erwachsenen zusteht, die Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Sozialhilfe erhalten oder deren Eltern den Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen. Auch wer Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhält, kann einen Anspruch auf Mittel des Bildungspakets haben. Zudem kann ein Anspruch auf Leistungen des Bildungspakets nach dem SGB II bestehen, wenn das Kind bzw. seine Eltern zwar ansonsten keine der genannten Sozialleistungen beziehen, jedoch die spezifischen Bildungs- und Teilhabebedarfe des Kindes nicht decken können. Das Bildungspaket unterstützt gezielt 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche. Es sieht unter anderem Zuschüsse für bedürftige Kinder vor, die in der Freizeit bei Maßnahmen im Bereich Sport, Spiel und Kultur mitmachen möchten. Dafür steht monatlich ein Betrag von insgesamt bis zu 10 Euro zur Verfügung, zum Beispiel für Mitgliedsbeiträge oder Gebühren oder im Ausnahmefall auch für Ausrüstungsgegenstände. Die Umsetzung des Bildungspakets wird vor Ort in den Kreisen und kreisfreien Städten organisiert. Die konkrete Umsetzung des Bildungspakets kann in den Kreisen und kreisfreien Städten unterschiedlich sein.

  • Länder- und kommunale Ebene

    Im Rahmen der grundständigen Kinder- und Jugendarbeit nach SGB VIII wird die außerschulische kulturelle Bildung außerdem auf Landes- und kommunaler Ebene gefördert. Die Förderetats schreiben vor allem die Landesjugendpläne sowie die kommunale Kinder- und Jugendförderung fest. Daneben werden in den Bundesländern je nach Bedarf besondere Programme aufgelegt:

    • Förderung durch die künstlerisch-kulturellen Schulfächer: Kulturelle Teilhabe bzw. kulturelle Bildung wird in der Schule über curriculare Festlegungen zuvörderst im Fächerkanon sichergestellt. Siehe auch ‚Allgemeiner Rahmen‘
    • Förderung von Zugangserleichterung und Kooperationen: Um Kindern und Jugendlichen einen besseren Zugang zu kulturellen Bildungsangeboten zu ermöglichen, werden Kooperationen und Kooperationsprojekte zwischen Schulen und außerschulischen Partnern der kulturellen Bildung gefördert. Neben dem Programm „Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung“ sind dies vor allem Programme auf Ebene der Bundesländer.

    Beispiele aus den Bundesländern

    • ‚Kulturagenten für kreative Schulen‘: In der zweiten Programmphase (2015-2019) wird das Programm „Kulturagenten für kreative Schulen" in Baden-Württemberg, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Thüringen als jeweiliges Landesprogramm weitergeführt. Eine neue Dimension umfasst die bundesweite Weiterbildung Train-the-Trainer, die Kulturagenten zur Ausbildung zukünftiger Agenten vorbereitet. Das Programm wird jeweils von den Schulministerien sowie der Stiftung Mercator getragen. Mittlerweile wird die Durchführung des Projektes von MUTIK getragen, einer Partnergesellschaft der Stiftung Mercator. MUTIK führt darüber hinaus zwei weitere Projekte im Bereich der kulturellen Bildung aus: „Kreativpotentiale im Dialog“, ein länderübergreifender Wissensaustausch zwischen Akteuren aus Kultur und Bildung sowie kunstlabore.de. Bei dieser Plattform handelt es sich um das Ergebnis eines dreijährigen Prozesses von Praktiker(inne)n aus fünf Kunstsparten und Schulen. Hier werden Formate, Methoden und Herangehensweisen aus den Bereichen Bildende Kunst, Literatur, Musik, Tanz und Theater präsentiert.
    • Kulturkoffer (Hessen): Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK) stellt mit dem Modellprojekt Kulturkoffer Finanzmittel für den Ausbau der kulturellen Bildungslandschaft in Hessen bereit. Mit dem ‚Kulturkoffer‘ möchte das HMWK allen Kindern und Jugendlichen in Hessen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihres Wohnorts oder Umfelds Zugang zu Kunst und Kultur ermöglichen. Vom Kulturkoffer sollen Kinder und Jugendliche, insbesondere im Alter von 10 bis 16 Jahren profitieren, die im ländlichen Raum, in sozialen Risikolagen oder in strukturschwachen Stadtteilen aufwachsen, und denen die Teilhabe an Kunst und Kultur bislang nicht oder nur eingeschränkt möglich war. Um das Versprechen verbesserter Teilhabechancen auch einzulösen, werden für die Zielgruppe kostenfreie oder zumindest kostenreduzierte kulturelle Angebote gefördert. Förderberechtigte des Kulturkoffers sind Träger der kulturellen Bildung, vornehmlich öffentliche wie gemeinnützig tätige Kunst- und Kultureinrichtungen sowie -initiativen, die mit mindestens einem Kooperationspartner (zum Beispiel sozialräumliche Partner, Bildungsträger, private Förderer oder Stiftungen) im laufenden Kalenderjahr ein gemeinsames Vorhaben im Bereich der kulturellen Bildung durchführen. Auch 2019 werden insgesamt 37 Projekte mit rund 570.000 Euro gefördert; eine Ausschreibung für 2020 ist geplant.
    • JeKits (Nordrhein-Westfalen): ‚JeKits – Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen‘ ist ein Programm in Nordrhein-Westfalen für die Grundschule, das auf der Kooperation von Schule und außerschulischem Partner (wie z.B. einer Musikschule oder einer Tanzinstitution) basiert. Mit dem Programm werden alle Kinder einer JeKits-Schule erreicht. JeKits hat drei alternative Schwerpunkte: Instrumente, Tanzen oder Singen. JeKits will Kindern die Erfahrung des Instrumentalspiels, des Tanzens oder des Singens als ästhetisches Handeln in der Gruppe ermöglichen. JeKits will möglichst vielen Kindern in Nordrhein-Westfalen, unabhängig von ihren persönlichen und sozio-ökonomischen Voraussetzungen, den Zugang zu musikalischer bzw. tänzerischer Bildung eröffnen. JeKits will die kommunale Bildungslandschaft mit einer systematisch gepflegten Kooperation von Schule und außerschulischen Partnern nachhaltig bereichern. Im Schuljahr 2018/19 nehmen 187 Kommunen in Nordrhein-Westfalen mit mehr als 1000 Grundschulen am JeKits-Programm teil. Das Programm wird von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen mit über 11 Millionen Euro jährlich gefördert.
    • Kulturrucksack NRW (Nordrhein-Westfalen): Der Kulturrucksack NRW knüpft an bestehende Programme wie ‚Künstler in die Kita‘, ‚Jedem Kind ein Instrument‘, ‚Kultur und Schule‘, ‚KulturScouts‘ oder ‚Kulturstrolche‘ an, die bereits in den Kindertageseinrichtungen und Schulen Nordrhein-Westfalens angeboten werden. Er wendet sich an Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren. Ziel ist es, „die Tür zu Kunst und Kultur für alle Kinder und Jugendliche so früh und so weit wie möglich zu öffnen“. Ihnen sollen im Rahmen des Kulturrucksacks Angebote gemacht werden, um Einrichtungen und Organisationen aus den Bereichen Kunst und Kultur sowie kultureller Bildung kennenzulernen und Angebote wahrzunehmen. Kommunen, in denen mehr als 3.500 junge Menschen im Alter von 10 bis 14 Jahren leben, können sich direkt beteiligen, kleinere Städte und Gemeinden können sich im Verbund mit anderen bewerben. Das Land NRW unterstützt die Kulturrucksack-Kommunen mit jährlich 4,40 Euro pro Kind oder Jugendlichen in der genannten Altersgruppe. Es beteiligen sich mehr als 230 Kommunen mit über 70 Kulturrucksack-Standorten.
    • KULTUR_leben! (Saarland): Das Projekt KULTUR_leben! zielt auf die nachhaltige Verankerung der kulturellen Bildung in allen Unterrichtsfächern und im Schulalltag ab. Darüber hinaus geht es um die Schaffung regionaler Netzwerke zwischen den jeweiligen Schulen und Kulturpartnern auf der anderen Seite. Dieses Ziel soll durch entsprechende Curricula in den Lehrplänen, Kongresse, Lehrerfortbildungen, Netzwerk- und Best-Practice-Arbeit wie die Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern umgesetzt werden. Realisiert wird das Landesprojekt KULTUR_leben! innerhalb des Rahmenprogramms „Kreativpotentiale“. Mit diesem unterstützt die Stiftung Mercator, für die die kulturelle Bildung ein Schwerpunktthema darstellt, die Länder dabei, Konzepte und Instrumente zur Verankerung kultureller Bildung zu entwickeln und umzusetzen. Das auf zunächst drei Jahre angelegte Projekt wurde von der Stiftung Mercator und dem Saarland mit jeweils 500.000 Euro gefördert.

Verbreitung von Informationen zu kulturellen Angeboten

In Deutschland gibt es keine zentralisierte Informationspolitik für Kinder und Jugendliche, weder auf Bundes- noch auf Länderebene. Informationen über Angebote kultureller Bildung werden über Schulen und Träger der Kinder- und Jugendhilfe sowie über die Medien, vor allem auf kommunaler Ebene, gegeben. Auf Bundesebene gibt es allgemeine Informationen für die breite Öffentlichkeit zu Förderprogrammen, z.B. zu ‚Kultur macht stark‘. oder zum Kinder- und Jugendplan des Bundes.

Daneben gibt es Veröffentlichungen auf Landes- oder kommunaler Ebene. Beispiele:

  • Broschüre: Kinder, Jugend & Kultur - Auf dem Weg zum Kinder- und Jugendkulturland NRW (PDF: 4,8 MB)
  • Angebote des Netzwerks Kulturelle Bildung in Hamburg: Die Webseite der Kulturbehörde, der Behörde für Schule und Berufsbildung, der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendkultur (LAG), des Jugendinformationszentrums (JIZ) sowie von Stadtkultur Hamburg erschließt Lehrkräften und Multiplikatoren Kontakte zu Kultureinrichtungen und Kulturinitiativen, Künstlerinnen und Künstlern. Sie gibt Anregungen für die Nutzung unterrichtsergänzender kultureller Angebote und Projekte. Die Datenbank enthält Angebote zu den Kategorien Kunst, Kunsthandwerk/Design, Literatur, Medien, Musik, Tanz/Bewegung, Geschichte, Weltkulturen, Feste/Aktionen sowie den Bereichen Ökologie, Umwelt, Natur, Sport, Soziales Engagement und Wirtschaft.

Nur wenige Informationsquellen richten sich direkt an Jugendliche, wie z.B. in Berlin die Broschüre ‚Wo ist was los! Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen in Berlin‘ (PDF: 536 KB) und das Webinformationsangebot JugendKulturService, ebenfalls in Berlin.

Wissen über kulturelles Erbe bei Jugendlichen

Wie bereits unter ‚Wichtige Konzepte' ausgeführt, wird in Deutschland in politischen Begründungen, auch in Fachdiskursen, nur selten explizit auf ein „kulturelles Erbe” verwiesen. Kulturelle Bildung impliziert auf allen Ebenen immer auch das Anknüpfen an historische Kunst, Kunststätten und Kunstdenkmäler. Kulturelle Kinder- und Jugendbildung umfasst sowohl die Beschäftigung mit Kunst und Kultur vergangener Zeiten wie auch mit aktueller Jugendkultur.

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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