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Entwicklung kultureller und kreativer Kompetenzen

Erwerb kultureller und kreativer Kompetenzen durch Bildung und Fortbildung

Die Förderung kultureller und kreativer Kompetenzen ist ein Ziel jeder kulturellen Bildungsmaßnahme in Deutschland, gleich, ob es sich um formale oder nicht formale Maßnahmen handelt. Alle bisher geschilderten gesetzlichen Grundlagen, politischen Strategien und Förderprogramme zielen hierauf ab. Während in der Schule tendenziell eher die Wissensvermittlung im Vordergrund steht, bieten vor allem Kultureinrichtungen Möglichkeiten der Rezeption künstlerischer Werke oder kulturellen Erbes. Kulturelle Kinder- und Jugendbildung im nicht formalen Bereich betont vor allem die Förderung eigener Gestaltungsfähigkeiten von Kindern und Jugendlichen. Hier werden in allen Sparten inklusive (neue) Medien Angebote gemacht, bei denen sich Kinder und Jugendliche selbst künstlerisch-kulturell betätigen können. Bei dieser Schilderung handelt es sich jedoch um eine grobe Unterscheidung, die nicht in jedem Einzelfall zutreffend sein muss.

In der Schule sind es vor allem spezielle Schulfächer, die kulturelle Bildung vermitteln, daneben Arbeitsgemeinschaften oder andere extracurriculare Angebote. Siehe auch ‚Allgemeiner Rahmen‘. Die im Rahmen des Projektes mapping//kulturelle-bildung erstellte Lehrplananalyse ergab, dass in den einzelnen Bundesländern der Anteil der Unterrichtsstunden für kulturelle Bildung im Schuljahr 2007/08 im Durchschnitt bei ungefähr 72 Stunden lag. In Relation zu den Gesamtunterrichtsstunden ergibt sich damit ein durchschnittlicher Anteil der kulturellen Bildung am Gesamtunterricht von etwa 9,8%. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass bei der Lehrplananalyse in der Tat nur die expliziten künstlerischen Fächer berücksichtigt wurden, der kulturelle Bildungsanteil in den Unterrichtsfächern jedoch höher ist, da dieser auch für andere Unterrichtsfächer relevant ist. Hier ist allerdings der künstlerisch-kreative Anteil schwer abgrenzbar, wie z.B. bei den sprachlichen Schulfächern oder auch dem Fach Geschichte (bezogen auf Kulturgeschichte).“ „Neben dem curricularen Angebot existieren auch freiwillige kulturelle Bildungsleistungen in der Schule, wie zusätzliche künstlerische Angebote außerhalb des Unterrichts, so z.B. Schulbüchereien, Schulchöre, -orchester oder Theater-Arbeitsgemeinschaften (AG). In der Schulstatistik wird die Bereitstellung dieser zusätzlichen Angebote nicht erfasst. Der bisherige Besuch solcher Angebote wird jedoch im Jugend-KulturBarometer unter den 14- bis 24-Jährigen ermittelt. Danach lag der Anteil der jungen Leute, die mindestens einmal in ihrem Leben eine entsprechende künstlerisch-kreative schulische AG besuchten, bei 56%. Rechnet man hier noch als Grenzfall den Besuch der Internet-AG (z.B. im Zuge der Homepagegestaltung) zu künstlerisch-kreativen Angeboten, liegt der Anteil für 2010/11 bei 62%.“

Die Unterschiede in den Schulsystemen und der Stellung künstlerischer Schulfächer in den Lehrplänen lassen kaum die Erhebung von Daten zu Stundenanteilen zu. Beispiele für die Stundenverteilung:

Kulturelle und kreative Kompetenzen sind jeweils als Zielvorgaben in den Rahmenplänen und den curricularen Vorgaben für die Schulfächer der Schulen formuliert.

Spezielle Fortbildungen für Fachkräfte aus Bildung, Kultur und dem Jugendbereich

Lehrerinnen und Lehrer benötigen als Voraussetzung, um an Schulen zu unterrichten, ein Fachstudium. Um ein Lehramtsstudium in den künstlerischen Schulfächern aufzunehmen, ist eine erfolgreiche künstlerische Eignungsprüfung die Voraussetzung.

Lehrerfortbildung

Für bereits unterrichtende Lehrkräfte werden auf Bundesländerebene von verschiedenen Anbietern Lehrerfortbildungen für den Fachunterricht angeboten. Zudem gibt es Fortbildungen im Rahmen von Sonderprogrammen. Einige betreffen auch die Förderung der Kooperation zwischen Schulen und außerschulischen Partnern kultureller Bildung. Eine Studie aus dem Jahr 2019, die die Verbreitung, Zielrichtung, Zielgruppen und Konzepte von Qualifizierungsangeboten für die Zusammenarbeit zwischen Trägern der außerschulischen kulturellen Kinder- und Jugendbildung und Schulen untersucht hat, kommt allerdings zu dem Schluss, dass es kaum Fortbildungsangebote außerhalb von Sonderprogrammen gibt.

Beispiele für Fortbildungen aus den Bundesländern:

  • Baden-Württemberg: Die Akademie für Schulkunst, Schul- und Amateurtheater Schloss Rotenfels ist die zentrale Aus- und Fortbildungseinrichtung des Landes für die Belange der künstlerischen Fächer. Sie versteht sich als eine praxisbezogene Begegnungsstätte für Pädagog(inn)en, Schüler/-innen, Künstler/-innen und Fachleute aus allen Bereichen des schulischen und kulturellen Lebens. Sie unterstützt die Schulen bei der ästhetisch-kulturellen Projektentwicklung durch Fortbildungen und schulbezogene Veranstaltungen. Ihr Anliegen ist es, als Bindeglied zwischen Schulen und Kultureinrichtungen/Kulturpartnern vermittelnd und beratend tätig zu sein. Mit den Lehrerfortbildungsveranstaltungen, die sich neben den praktisch-bildnerischen auch mit den theoretisch-reflektierenden Aspekten des Faches Bildende Kunst sowie mit den Inhalten des Theaters, des Tanzes und der angrenzenden Bereiche befassen, beteiligt sich die Landesakademie an der zentralen amtlichen Lehrerfortbildung in Baden-Württemberg.
  • Sachsen: Die KOST (Kooperation Schule und Theater in Sachsen) bietet in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Bildungsinstitut und der Sächsischen Bildungsagentur verschiedene Fortbildungen im Bereich des Darstellenden Spiels und des Schultheaters an.
  • Bayern: Fortbildungsangebote für kulturelle Bildung gibt es für die Bereiche „Musik“, „Kunst, Tanz,Theater und Film“, „Museumspädagogik und Denkmal“ sowie „Neue Medien“. Die Angebote werden gebündelt beim Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus.
  • Hessen: Das Projektbüro Kulturelle Bildung, angesiedelt beim Hessischen Kultusministerium, bietet Fortbildungen zu Themen wie Kreative Unterrichtspraxis, Musik und Darstellendes Spiel.

In der außerschulischen kulturellen Kinder- und Jugendbildung werden Fortbildungen von fast allen Fachverbänden und Landesvereinigungen Kulturelle Kinder- und Jugendbildung angeboten. Auf Bundesländerebene gibt es außerdem Fortbildungsakademien für kulturelle Bildung bzw. spezielle Kunstsparten, beispielsweise die 23 Bundes- und Landesmusikakademien oder die theaterpädagogischen Zentren. Außerdem gibt es drei bundesweit arbeitende Fortbildungsakademien:

  1. Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW in Remscheid,
  2. Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel,
  3. Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen.

Alle drei Akademien bieten Fortbildungsprogramme für verschiedene Professionen in Schule, Kindergarten/Kita, Jugendarbeit und Kultur.

Daneben gibt es Fortbildungsangebote bei Fortbildungs- und Beratungsstellen sowie im Rahmen von Sonderprogrammen. Beispiele:

  • In Nordrhein-Westfalen informiert die Arbeitsstelle Kulturelle Bildung in Schule und Jugendarbeit NRW über Qualifizierungsangebote im Schnittfeld von Schule, Jugendarbeit und kultureller Bildung.Hinzu kommt das Projekt ProQua der Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW (Laufzeit 2018-2022). ProQua bietet die fachpädagogische Begleitung des bundesweiten Förderprogramms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung” und gestaltet bundesweit und dezentral Fachkonferenzen zu Querschnittsthemen und übergreifenden Fragestellungen der kulturellen Bildung mit dem Ziel, Bildungschancen von benachteiligten Kindern und Jugendlichen durch Qualifizierung der Fachkräfte zu erreichen. Die Veranstaltungen richten sich an Fachkräfte, Multiplikator(inn)en sowie ehrenamtlich Engagierte. Inhalte der Fachkonferenzen orientieren sich an Qualitätsentwicklungen und Interessen der lokalen Bündnisse in „Kultur macht stark“.
  • Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) bietet Fachkonferenzen und Materialien zur Qualitätsentwicklung an. Der Bereich jugend.kultur.austausch der BKJ berät, fördert und qualifiziert internationale Jugendkultur- und Fachkräftebegegnungen.

Schaffung eines qualitätsvollen Zugangs zu kreativen Räumen

Alle bisher unter den Youth-Wiki-Unterkapiteln

beschriebenen gesetzlichen Grundlagen, politischen Strategien und Förderprogramme zielen darauf ab, den Zugang junger Menschen zu „kreativen Räumen“ zu fördern, in denen sie ihre eigenen Ideen und kreative Aktivitäten verfolgen können.

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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