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Allgemeiner Rahmen

Arbeitsmarktsituation im Land

Der deutsche Arbeitsmarkt  

Der Kündigungsschutz ist stark arbeitsrechtlich reguliert. Tarifparteien [auf der Arbeitgeberseite der Arbeitgeber eines Betriebes oder eine Vereinigung von Arbeitgebern (Arbeitgeberverband), auf der Arbeitnehmerseite die Gewerkschaften] spielen eine zentrale Rolle bei der Bestimmung von Löhnen, Arbeitszeiten und anderen Arbeitsbedingungen. Es gibt ein ausgebautes System der dualen Berufsausbildung. Im Falle von Arbeitslosigkeit erhalten Arbeitnehmer/-innen ein Arbeitslosengeld bzw. eine Grundsicherung. 

Die Arbeitsmarktreformen zwischen 2003 und 2005 haben zu einem flexibleren Arbeitsmarkt geführt. Die Wirtschaftskrise 2008/2009 in Europa führte in Deutschland zu keinem bedeutenderen Abbau der Beschäftigung. Die Jugendarbeitslosigkeit ist zwischen 2005 und 2015 von 12,5 % auf 5,4 % gefallen. Das liegt unter anderem auch an der Umsetzung der dualen Berufsausbildung und einem breit gefächerten Übergangssystem im Bereich Schule-Beruf. Ein hoher Anteil junger Arbeitsloser ohne abgeschlossene Berufsausbildung bildet eine große Herausforderung: 2015 hatten knapp zwei Drittel (65 %) der Arbeitslosen unter 25 Jahren keine abgeschlossene Berufsausbildung. In der Gruppe der über 25-Jährigen hatte im Vergleich dazu weniger als die Hälfte (46 %) keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Überblick über den Arbeitsmarkt in Zahlen (August 2019):

  • Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Juni 2019): 33.385.000.
  • Arbeitslosigkeit: 2.319.000 (Quote: 5,1 %; Vergleich Vorjahr: -1,3 %).
  • Arbeitslose nach Personengruppen (PDF 724 KB) – 15 bis 25 Jahre:
    • 15 bis unter 20 Jahre: 56.528,
    • 20 bis unter 25 Jahre: 186.304.
  • Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit): 3.203.000 (Quote: 6,9 %; Vergleich Vorjahr: -0,9 %).

Die Bundesagentur bietet mit ihren statistischen Erhebungen Informationen

Trends im Kontext von Zeitarbeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt:

  • Der Anteil der Zeitarbeiternehmer/-innen (3 %) an der Gesamtbeschäftigung ist gesunken.
  • Die Mehrzahl der Zeitarbeitnehmer/-innen ist männlich und jünger (rund 49 % jünger als 35 Jahre). Der Anteil ausländischer Zeitarbeiternehmer/-innen ist höher.
  • Die Zeitarbeitsbranche ist von hoher Dynamik geprägt. Das Risiko auf Entlassung hat zugenommen.
  • Zeitarbeit ist unter anderem für junge Menschen eine Möglichkeit zum Einstieg in den Arbeitsmarkt.
  • ¾ der Arbeitslosen, die aus Arbeitslosigkeit eine Beschäftigung in der Zeitarbeit aufgenommen haben, sind sowohl nach sechs als auch nach zwölf Monaten sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
  • Es besteht weiterhin ein hoher Arbeitskräftebedarf in der Zeitarbeitsbranche.

Herausforderungen für den Bereich der beruflichen Bildung:

  • Abitur und Hochschulstudium in Konkurrenz zur Berufsausbildung,
  • Menge der Auszubildenden nimmt ab im Zuge des demografischen Wandels,
  • Zahl der Ausbildungsanfänger/-innen mit Studienberechtigung ist gestiegen,
  • Nachfrage nach Ausbildung steigt,
  • Zusammenführung von Angebot und Nachfrage von Ausbildungsplätzen,
  • Besetzung offener Ausbildungsplätze (Zahl der offenen Plätze steigt), unter anderem in Klein(st)-betrieben,
  • Umgang mit jungen Erwachsenen ohne abgeschlossene Berufsausbildung,
  • Umgang mit regionen- und branchenspezifischen Unterschieden auf dem Ausbildungsstellenmarkt,
  • Digitalisierung,
  • Ausbildungs- und Berufsintegration von geflüchteten jungen Menschen.

Nationale Berichte

Berufsbildungs- und arbeitsmarktrelevante Programme und Initiativen werden in Deutschland systematisch überwacht und evaluiert. Die Ergebnisse dieses Monitoringprozesses werden veröffentlicht, unter anderem im Berufsbildungsbericht, im Datenreport zum Berufsbildungsbericht und im Bildungsbericht.

  • Berufsbildungsbericht, Datenreport, Bildungsbericht
    •     Berufsbildungsbericht

    Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) legt jährlich einen Berufsbildungsbericht vor, zuletzt 2019. Der Bericht beschreibt die Ausbildungsmarktsituation 2018 und gibt einen Überblick über die berufsbildungspolitischen Prioritäten, Aktivitäten und Programme der Bundesregierung.

    •     Datenreport

    Der Berufsbildungsbericht wird ergänzt vom Datenreport des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), zuletzt erschienen 2019. Der Datenreport ist die zentrale Informationsquelle und Datengrundlage für den Berufsbildungsbericht. Er macht Entwicklungen in der beruflichen Bildung sichtbar. Schwerpunktthema 2019: Berufsbildung 4.0.

    •     Bildungsbericht

    Seit 2006 gibt das BMBF alle zwei Jahre den Bericht zur „Bildung in Deutschland“ (Bildungsbericht) heraus, zuletzt erschienen 2018. Das ist ein indikatorengestützter Bericht, der das Bildungswesen in Deutschland umfassend abbildet. Er reicht von der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung über die allgemeinbildende Schule, beruflichen Bildung, Hochschule bis hin zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. Der Bildungsbericht dokumentiert den Entwicklungsstand und Fortschritte des Bildungssystems und benennt aktuelle Herausforderungen. Schwerpunktthema 2018: Wirkungen und Erträge von Bildung.

Die Bundesregierung legte zuletzt 2017 einen Fortschrittsbericht zum Fachkräftekonzept vor, der auch die Fortschritte in der Arbeitsmarktsituation Jugendlicher und junger Erwachsener anhand von Indikatoren und Zielmarken überprüft. Aktuell gibt es keinen flächendeckenden Fachkräftemangel. Engpässe gibt es in bestimmten Berufen wie technische Berufe, Gesundheits- und Pflegeberufe. Weitere Informationen dazu bietet die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit.

Die Geschäftsberichte der Bundesagentur für Arbeit (BA) geben Auskunft über die Wirkung arbeitsmarktpolitischer Instrumente. Zudem erstellt die BA regelmäßig eine Analyse des Arbeits-  und Ausbildungsstellenmarktes für Unter-25-Jährige (PDF 1,1 MB).

Seit 2005 erstellt die Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB-Jugend) den Ausbildungsreport und unterstützt damit die Debatte um die Qualität der Berufsausbildung, zuletzt 2018.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit erforscht den Arbeitsmarkt auf Grundlage gesetzlicher Aufträge: für den Bereich der Arbeitslosenversicherung nach dem Sozialgesetzbuch Drittes Buch (SGB III), für das Grundsicherungssystem für erwerbsfähige Leistungsberechtigte nach dem Sozialgesetzbuch Zweites Buch (SGB II). Es veröffentlicht regelmäßig Kurzberichte und -analysen.

Die durch die oben genannten Berichte erlangten Erkenntnisse unterstützen die Politikberatung und die Umsetzung und Anpassung von Maßnahmen der Beschäftigungsförderung.

Weiterführende Links

Wichtige Konzepte

Erwerbstätig zu sein hat in Deutschland in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Eine Erwerbstätigkeit hat verschiedene Funktionen: Sie dient der Sicherung des Lebensunterhalts und der Einordnung des Einzelnen in die Gesellschaft. Sie sorgt für Wirtschaftswachstum und Wohlstand, unterstützt aber auch den sozialen Bereich.

Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Jugendbeschäftigung

Die duale Berufsausbildung kombiniert die theoretische Ausbildung in der Berufsschule mit der praktischen Ausbildung im Betrieb.

Der Mindestlohn definiert die im Tarifvertrag festgelegte Untergrenze des Entgelts, das vom Arbeitgeber zu zahlen ist zahlen ist. Der Mindestlohn wurde 2015 in Deutschland durch die Verabschiedung des Mindestlohngesetzes eingeführt.

Statistiken zu Beschäftigten (PDF 5,7 MB) umfassen auch junge Menschen ab 15 Jahren. In der Kategorisierung Erwerbstätiger nach Wirtschaftsbereichen, Stellung im Beruf, Familienstand oder Staatsangehörigkeit, in der nach Altersgruppen sortiert wird, werden die Altersgruppen 15 – 20, 20 – 25 sowie 25 – 35 verwendet.

Arbeitslose sind alle Personen, die keiner Beschäftigung nachgehen, eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und durch die Agentur für Arbeit in der Vermittlung betreut werden und sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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