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Berufsorientierung und -beratung

Berufsorientierungs- und -beratungsdienste

Grundsätzlich verfügt Deutschland über eine große Bandbreite von arbeitsmarktpolitischen Instrumenten zur Umsetzung der EU-Jugendgarantie. Die Empfehlungen wurden weitestgehend aufgegriffen und umgesetzt. Weitere Informationen dazu gibt es in der Bewertung der Umsetzung der EU-Jugendgarantie in Deutschland (PDF 783 KB; Mai 2018).

Wichtigste Anbieter und Partnerschaften

Angebote und Maßnahmen der Berufsberatung und Berufsorientierung sind gesetzliche Leistungen, die im Sozialgesetzbuch – Drittes Buch verankert sind. Sie finden schon in der Schulzeit statt. Die Agenturen für Arbeit sind flächendeckend Ansprechpartner für die Berufsberatung und -orientierung junger Menschen. Es gibt Gruppenangebote für Schulklassen oder eine individuelle Einzelberatung.

Die Agenturen für Arbeit arbeiten mit Kammern und Unternehmen zusammen, um Jugendlichen einen Einblick in die Praxis zu ermöglichen, zum Beispiel durch Schülerpraktika in der 9. oder 10. Klasse.

Die Bundesländer sorgen dafür, dass Angebote und Maßnahmen zur Berufsorientierung und im Übergangsbereich in ihrer Region verbindlich koordiniert werden. Der Bund und die Bundesagentur für Arbeit unterstützen Länder und Kommunen dabei, die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Agenturen für Arbeit, Jobcentern und Trägern der Jugendhilfe zu verbessern und aufzubauen.

Die Jugendlichen können sich auch selbst in den Berufsinformationszentren (BIZ) der Agenturen für Arbeit informieren. Diese bieten persönliche Beratung für Unter-25-Jährige an. Teilweise ist auch ein Online-Chat möglich. Die Agenturen organisieren auch Veranstaltungen (Vorträge, Messen, Informationsveranstaltungen), wo sich Jugendliche über berufliche Möglichkeiten informieren können.

Online-Beratungsangebote

Die Bundesagentur für Arbeit und das Bundesministerium für Bildung und Forschung bieten Online-Angebote zur Berufsberatung an:

  • planet-beruf.de – Angebot der Bundesagentur für Arbeit zu Themen rund um Berufswahl, Bewerbung und Ausbildung. Für Schüler/-innen der Sekundarstufe I (13 bis 17 Jahre).
  • abi.de – Angebot der Bundesagentur für Arbeit zu Studium, Ausbildung, Beruf & Karriere nach dem Abitur.
  • berufe.tv – Filmportal der Bundesagentur für Arbeit mit über 300 Filmen über Ausbildungs- und Studienberufe.
  • berufsfeld-info.de – Angebot der Bundesagentur für Arbeit mit Informationen zu den verschiedensten Berufsfeldern.
  • „Typisch ich“ – Angebot der Bundesagentur für Arbeit, um Jungen und Mädchen dabei zu unterstützen, Rollenklischees bei der Berufswahl zu überwinden, auf ihre Stärken und Interessen zu achten und ihren eigenen Weg zu gehen.
  • Studienabbruch – und dann? – Portal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für Studienzweifler/-innen über Qualifizierungsmöglichkeiten innerhalb und außerhalb der Hochschulen sowie Informationen und Hilfsangeboten zum Studienumstieg, Studienausstieg und Wechsel in die berufliche Bildung.

Initiativen und Kampagnen des Bundes

Die Initiative Bildungsketten ist eine gemeinsame Initiative der Bundesministerien für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie Bildung und Forschung (BMBF). Jugendliche werden auf ihrem Weg ins Berufsleben unterstützt. Ziel ist, jeden ausbildungsreifen und ausbildungswilligen Jugendlichen möglichst bis zum Ausbildungsabschluss zu führen. Dabei stehen bundesweit verschiedene Förderinstrumente zur Verfügung: Potenzialanalyse, Berufsorientierung, Berufseinstiegsbegleitung, ehrenamtliches Coaching (VerA) sowie Maßnahmen im Übergangsbereich. Mit den Bundesländern Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wurden bereits Vereinbarungen unterzeichnet. Die Initiative Bildungsketten ist ein wesentlicher Bestandteil der Allianz für Aus-und Weiterbildung 2015-2018 (Informationen dazu auch im Bereich Integration Jugendlicher in den Arbeitsmarkt: Jugendbeschäftigungsmaßnahmen des Youth-Wiki-Kapitels Beschäftigung und Unternehmergeist).

  • Das Berufsorientierungsprogramm ist Teil der Initiative Bildungsketten (seit 2008). Es richtet sich an Schüler/-innen der 7. und 8. Klassen. Durch eine Potenzialanalyse können sie zunächst ihre Stärken testen. Dann probieren sie verschiedene Berufsfelder aus. Bis Mai 2019 wurden Zuschüsse in Höhe von über 600 Millionen Euro bewilligt. Damit wurden und werden seit 2008 bis Sommer 2020 fast 975.000 Schüler/-innen erreicht. Fördermittel 2018: 77 Millionen Euro.

Girls‘ Day und Boys‘ Day sind jeweils bundesweite Berufsorientierungstage für Mädchen und Jungen ab der 5. Klasse. Fördervolumen Girls‘ Day 2017-2020: 1,8 Millionen Euro. Fördervolumen Boys‘ Day 2017-2020: 1,9 Millionen Euro.

Initiativen zur Berufsorientierung der Bundesländer

Nordrhein-Westfalen (NRW) hat die Initiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ (KAoA) gestartet, die den Übergang Schule – Beruf gezielt unterstützt. Seit 2012 erhalten Schülerinnen und Schüler in NRW ein Angebot aus Potenzialanalysen, Berufsfelderkundungen und Praktika als Orientierung. Im Schuljahr 2016/2017 wird die Initiative alle 8. Klassen erreichen. Das sind in diesem Jahrgang rund 175.000 junge Menschen in NRW.

„BRAFO – Berufswahl richtig angehen frühzeitig orientieren“ ist eine gemeinsame Initiative des Landes Sachsen-Anhalt und der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen der Bundesagentur für Arbeit. Sie fördert die frühzeitige Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen an Sekundar-, Gesamt- und Förderschulen in Sachsen-Anhalt.

„SCHAU REIN! – Die Woche der offenen Unternehmen“ ist Sachsens größte Initiative zur praxisnahen Berufsorientierung. Schüler/-innen ab Klasse 7 informieren sich über Wunschberufe und kommen mit Auszubildenden und Mitarbeitern persönlich ins Gespräch. Die Initiative wird unterstützt vom Freistaat Sachsen, der Bundesagentur für Arbeit (Regionaldirektion Sachsen), der IHK in Sachsen und den sächsischen Handwerkskammern.

Der Zukunftstag für Mädchen und Jungen in Brandenburg ist ein Praktikumstag zur Berufs- und Studienorientierung. Schüler/-innen der Jahrgangsstufen 7 bis 10 können einen Tag lang Berufe kennenlernen. Das Programm wird aus Mitteln des Landes Brandenburg (Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert.

Das Berufsorientierungs-Projekt „BOGEN“ in Mecklenburg-Vorpommern (MV) entwickelt und gestaltet Modelle zur genderreflektierten Berufs- und Studienorientierung, die über den Girls‘ Day und JungsTag MV hinausgehen. Es wird aus Mitteln des Landes Mecklenburg-Vorpommern (Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung) und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert.

Hauptnutzer/-innen der Angebote / Zielgruppen

Berufsorientierungs- und Beratungsangebote können von allen Jugendlichen wahrgenommen werden. Die Berufsberater/-innen in den Agenturen für Arbeit beraten sowohl Schüler/-innen aller Schularten als auch Auszubildende, Studierende und Hochschulabsolventen.

Besondere Zielgruppen: NEETs, junge Migrant(inn)en bzw. Jugendliche mit Migrationshintergrund, junge Flüchtlinge, Jugendliche aus unteren sozialen Schichten (ohne oder mit einem (schlechten) Hauptschulabschluss, aus armen Familien), junge Menschen mit Behinderung sowie sonderpädagogischem Förderbedarf

Finanzierung

Verschiedene Ministerien auf Bundes- und Länderebene stellen Fördermittel für Berufsorientierung und -beratung bereit. Zudem werden Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) genutzt. Eine konkrete Angabe von Summen ist nicht möglich, da die Gelder aus verschiedenen Quellen und von verschiedenen Ministerien bereitgestellt werden.

Ist-Ausgaben 2018 für Berufsorientierungsmaßnahmen nach § 48 Sozialgesetzbuch III: 52,09 Millionen Euro.

Weitere Informationen zu Förderprogrammen von Bund, Ländern und EU für Berufsorientierung, Berufsvorbereitung, Ausbildung, Übergänge und Nachqualifizierung gibt es in der Datenbank der Fachstelle Übergänge in Ausbildung und Beruf (überaus) sowie in den folgenden Bereichen des Youth-Wiki-Kapitels Beschäftigung und Unternehmergeist:

Qualitätssicherung

Allgemein gültige Qualitätssicherungssysteme für den Bereich der Berufsorientierung und -beratung gibt es in Deutschland nicht.

Die § 29 ff und 288a ff. des Sozialgesetzbuchs – Drittes Buch (SGB III) – Arbeitsförderung treffen Aussagen zu Grundsätzen der Beratung inklusive Berufsorientierung und Arbeitsmarktberatung, die für die Agentur für Arbeit gelten. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) legt mit ihren Instrumenten der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Prozesse im Kundenportal grundlegende Aufträge und Ziele fest. Für die Berufsberatung Jugendlicher unter 25 hat die BA Standards (PDF 67,8 KB) gesetzt.

Ziel der Berufsberatung der BA ist es, junge Menschen in allen Phasen des Berufswahlprozesses zu unterstützen. Sie sollen Hilfe bei der beruflichen Orientierung und Information, der Entscheidungsfindung und Ausbildungssuche bzw. Realisierung des Berufswunsches erhalten. Die Beratung soll niederschwellig, neutral, nicht interessengesteuert, gendersensibel, adressatengerecht, bedarfsgerecht, fallangemessen, ergebnisorientiert erfolgen. Die Basis für die methodische Gestaltung von Beratung ist die Beratungskonzeption der Bundesagentur für Arbeit.

Das Zentrum für Kunden- und Mitarbeiterbefragungen (ZKM) der Bundesagentur für Arbeit (BA) führt zweimal jährlich Befragungen der Unter-25-Jährigen durch, die eine Beratung in einer Agentur für Arbeit wahrgenommen haben. Die Ergebnisse werden ausgewertet und den Agenturen für Arbeit zur Verfügung gestellt, um so ihre Dienstleistungen weiter zu entwickeln. 2016 wurden erstmals und bisher einmalig Schulen zum Thema Berufsorientierung befragt. Dieser Qualitätssicherungsprozess soll fortgesetzt werden.

Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt auch externe Qualitätssicherungssysteme wie das Berufswahlsiegel. Das Berufswahlsiegel unterstützt den ständigen Qualitätsverbesserungsprozess an Schulen. Es wird an Schulen mit exzellenter Berufs- und Studienorientierung vergeben.

§ 14 des Hochschulrahmengesetzes verpflichtet Hochschuleinrichtungen „Studierende sowie Studienbewerberinnen und Studienbewerber über die Studienmöglichkeiten und über Inhalte, Aufbau und Anforderungen eines Studiums“ zu informieren. Zudem sollen sie die Studierenden während des gesamten Studiums „durch eine studienbegleitende fachliche Beratung unterstützen“. Bei der Studienberatung sollen die Hochschulen „mit den für die Berufsberatung … zuständigen Stellen“ zusammenarbeiten.

Für das Berufsorientierungsprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurden Qualitätsstandards für die Durchführung von Potenzialanalysen (PDF 343 KB) bei Schüler/-innen der 7. und 8. Klassen festgelegt.

Das Nationale Forum Beratung (nfb) und die Forschungsgruppe Beratungsqualität am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Heidelberg (IBW) haben zwischen 2009 und 2014 das Konzept „Beratungsqualität in Bildung, Beruf und Beschäftigung (BeQu)“ entwickelt. Es unterstützt Berater/-innen, Beratungseinrichtungen sowie Politik und Verwaltung bei der Weiterentwicklung der Qualität und Professionalität in ihren Bereichen. Es umfasst bereichs- und institutionenübergreifende Qualitätsstandards. Eine bundesweite Anwendung des Konzepts ist bisher nicht gegeben. Es sind eher einzelne Verbände, Einrichtungen oder Träger, die sich daran orientieren und nach dem BeQu-System arbeiten. Eine systematische und kontinuierliche Rückmeldung der Nutzer des BeQu-Konzepts gibt es bislang nicht. Aus den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung sowie einer Online-Umfrage konnten keine Schlüsse gezogen werden.

Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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