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Kindersoldaten

Kinderkommission und Entwicklungsministerium zum Red Hand Day

Zwei junge Menschen bemalen die Handflächen mit roter Farbe.
Bild: Aaron Lee - unsplash.com

Der Red Hand Day am 12. Februar ist in vielen Ländern ein Aktionstag, an dem gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten in Krisen- und Kriegsregionen protestiert wird. Die rote Hand steht für das „Nein“ zur Rekrutierung und zum Einsatz von Kindersoldaten.

„Kindern wird ihre Kindheit genommen“

Für die Kinderkommission des Deutschen Bundestages erklärt deren Vorsitzender Norbert Müller (Potsdam), MdB, zum Red Hand Day am 12. Februar 2021:

„Seit fast 20 Jahren engagieren sich junge Menschen in aller Welt mit der Aktion Rote Hand gegen den Einsatz von Kindern und Jugendlichen in Kriegen. Auch die mehr als 2000 roten Handabdrücke, die die Kinderkommission im vergangenen Jahr aus ganz Deutschland erreichten, sind ein Zeichen dafür. Wir als Kinderkommission unterstützen den Aktionstag. Jahr für Jahr werden in Krisenregionen Kinder trotz weltweitem Verbot gezwungen, in Kriegen zu kämpfen. Viele von ihnen sterben in bewaffneten Konflikten, kehren verwundet zurück und bleiben ein Leben lang traumatisiert. Zehntausenden Kindern wird so ihre Kindheit genommen. Die Aktion Rote Hand mahnt uns als Politik, uns auch international für Kinderrechte einzusetzen und gegen den Einsatz und die Rekrutierung von Kindersoldaten vorzugehen.“

„Kinder brauchen Schulen, keine Gewehre“

Auch das Bundesentwicklungsministerium, das eng mit dem Kinderhilfswerk UNICEF zusammenarbeitet, um Kindersoldaten zu reintegrieren, äußert sich zum Red Hand Day. Bundesminister Gerd Müller erklärt:

„Kindersoldaten sind Opfer, keine Täter. Sie brauchen einen Ausweg, Schutz, Schulen und keine Gewehre! Bis zu 250.000 Kinder werden nach Schätzungen der UN von bewaffneten Gruppen als Kindersoldaten zu Gewalttaten gezwungen. Viele von ihnen werden auch sexuell missbraucht. Diese Kinder leiden unter der verbrecherischsten Form von Kinderarbeit. Die Corona-Krise verschärft die Lage: Die UNESCO schätzt, dass 24 Millionen Kinder durch die Folgen der Pandemie nicht in Schulen zurückkehren und arbeiten müssen oder in Konflikten ausgebeutet werden. Besonders schlimm ist die Lage etwa in Nigeria, wo Kinder von Boko-Haram-Terroristen zwangsrekrutiert werden. Über zwei Millionen Menschen wurden schon vom Schrecken der Boko Haram vertrieben. Kinder werden als Soldaten auch in den Konfliktgebieten in Zentral- und Ostafrika sowie im Jemen und in Syrien missbraucht. Sie leiden unter den seelischen und körperlichen Folgen oft ihr ganzes Leben lang. Wir müssen den Kindern die Bildung und eine Chance auf ein normales Leben zurückgeben. Und wir müssen Hunger, Armut und damit Ursachen von Gewalt und Vertreibung verringern. Denn viele Kinder werden auch aus purer Not und Elend rekrutiert. Ich habe in Nordnigeria mit Boko-Haram-Aussteigern gesprochen. Ihnen wurde ein Dollar Sold pro Tag, Essen und ein Gewehr versprochen. Hätten sie einen Job gehabt, hätten sie nicht mitgemacht.“

Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) fördert Programme, um ehemaligen Kindersoldaten einen Weg zurück in ein normales Leben zu ermöglichen. So unterstützt das BMZ Demobilisierungs- und Reintegrationsprogramme in der Demokratischen Republik Kongo und in Sierra Leone. Ehemalige Kindersoldaten können so mit einer beruflichen Ausbildung in das zivile Leben zurückzukehren. In Liberia, Kamerun und Burundi werden ehemalige Kindersoldaten psychosozial betreut und lernen, Konflikte ohne Gewalt beizulegen.

Zum Hintergrund

Am 12. Februar 2002 trat das „Fakultativprotokoll zum Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes in bewaffneten Konflikten“ in Kraft. Seitdem gelten die roten Hände als Zeichen und Symbol des Protestes gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten. In dem Protokoll wurde vereinbart, dass Kinder unter 18 Jahren nicht zwangsweise zum Dienst an der Waffe eingezogen werden können. Im sogenannten Rom-Statut des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag ist außerdem die Rekrutierung von unter 15-Jährigen als Kriegsverbrechen festgelegt und kann daher strafrechtlich verfolgt werden. Im Jahr 2004 führte ein Bündnis von Kinderrechts- und Menschenrechtsorganisationen in Deutschland den Red Hand Day am 12. Februar ein. Seither gilt der 12. Februar auch in anderen Ländern als Aktionstag.

Quelle: Pressemitteilungen des Bundesentwicklungsministerium vom 12.02.2021 sowie der Kinderkommission vom 11.02.2021

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