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Covid-19-Nothilfe für Straßenjugendliche in Berlin

Zwei Mädchen sitzen nass in einem Bus, draußen sieht man Regen
Bild: Vitolda Klein - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die Covid-19-Pandemie ist für wohnungslose junge Menschen eine besondere Herausforderung. Für viele Straßenjugendliche brachen im vergangenen Jahr plötzlich wichtige Unterstützungsleistungen wie Notübernachtungsunterkünfte oder Suppenküchen weg. Hinzu kam die hohe Ansteckungsgefahr durch die fehlende Möglichkeit, Hygienemaßnahmen einzuhalten. Die Kinderrechtsorganisation Save the Children und die KARUNA Sozialgenossenschaft sprangen hier ein und starteten im Frühjahr 2020 ein gemeinsames Nothilfeprojekt für Straßenjugendliche in Berlin. Nach einem Jahr ziehen die Organisationen eine positive Zwischenbilanz.

Save the Children und KARUNA ziehen positive Zwischenbilanz

Finanziert mit Mitteln aus dem Kinder-Notfallfonds von Save the Children Schweiz erreichten die Teams aus Fachkräften und Helfenden von Mai 2020 bis Juni 2021 mehr als 1400 Jugendliche in der Hauptstadt. Save the Children und KARUNA bündelten ihre Expertise aus humanitärer Hilfe und Jugendhilfe, um wohnungslose Jugendliche vor der Ansteckung mit Covid-19, vor weiterer sozialer Isolation und vor Missbrauch zu schützen und sie dabei zu stärken, den Weg in ein selbstbestimmtes Leben, abseits der Straße, zu finden. Die Mitarbeitenden von KARUNA fuhren auf Lastenfahrrädern durch die Hauptstadt und verteilten Hygieneartikel, sie vermittelten sichere Schlafplätze an über 18-Jährige, boten persönliche Beratungsgespräche an und stellten über eine Hilfefinder-App (www.mokli-help.de) und eine Telefonhotline eine 24-Stunden-Erreichbarkeit sicher.

„Die Covid-19-Pandemie hat uns alle zutiefst verunsichert, aber für Jugendliche ohne festen Wohnsitz brach von heute auf morgen das komplette Sicherheitsnetz zusammen“, sagt Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland. „Wir wollten ihnen einen Rettungsanker bieten und unverzüglich Hilfe leisten. Durch die Zusammenarbeit mit KARUNA konnten wir unsere Vision eines umfassenden Kinder- und Jugendschutzes mit praktischer Hilfe für wohnungslose junge Menschen verknüpfen.“

„Wohnungslosigkeit muss keine Sackgasse sein, wenn wir den Hilferuf erkennen und ihn auch als Chance verstehen“, ergänzt Jörg Richert, Gründer der KARUNA Sozialgenossenschaft. „Es gibt viele Ursachen, warum Jugendliche von Zuhause weglaufen. Doch die Pandemie mit ihren Begleiterscheinungen in zumeist beengten Wohn- und prekären Lebensverhältnissen war und ist ein Verstärker der Not, in der sich die Jugendlichen schon lange befinden. Diese Mädchen und Jungen haben viel Potenzial, das es nur zu entdecken und zu fördern gilt. Wir unterstützen die Jugendlichen dabei, einen selbstbestimmten Ausweg aus ihrer Krisensituation zu finden.“

Beteiligung ehemaliger wohnungsloser Jugendlicher

Herzstück des gemeinsamen Nothilfeprojekts ist die eigens dafür gegründete YouthForce. Ehemals wohnungslose Jugendliche bilden als Expertinnen und Experten ihrer eigenen Biografie zusammen mit sozialpädagogischen Fachkräften ein Team, um den Jugendlichen von der Straße durch den schweren Alltag während der Pandemie zu helfen. Die Beratungsgespräche mit den jungen Wohnungslosen werden von den Fachkräften geführt. Über einen regelmäßigen Austausch im Team fließen die Alltagserfahrungen der ehemaligen Straßenjugendlichen in die Beratung sowie in die Gestaltung der weiteren Projektaktivitäten ein.

Im Juli startete die zweite Projektphase, die vorerst bis zum Jahresende geplant ist

„Die Pandemie ist noch da und damit auch der Bedarf an Unterstützung für Straßenjugendliche in Berlin“, sagt die Projektleiterin bei Save the Children Deutschland, Lea Taplik. „Wir sind froh, dass wir mit KARUNA in die Verlängerung gehen können und danken Save the Children Schweiz dafür, das Projekt bis hierhin mit aufgebaut zu haben.“

Zahlen und Fakten

  • Das Nothilfeprojekt richtet sich an wohnungslose Jugendliche zwischen 14 und 27 Jahren in Berlin.
  • Finanziert wurde es mit 430.000 Euro aus dem Kinder-Notfallfonds von Save the Children Schweiz, sowie mit 70.000 Euro aus privaten Spenden für Save the Children Deutschland.
  • Mehr als 1400 Straßenjugendliche wurden mit der Nothilfe erreicht.
  • 877 junge Menschen wurden durch die sozialpädagogischen Fachkräfte von KARUNA beraten und psychosozial unterstützt.
  • 210 Corona-Nothilfebeutel mit Hygieneartikeln zum Schutz vor Covid-19 wurden an wohnungslose junge Menschen verteilt.
  • In Deutschland leben laut dem Deutschen Jugendinstitut 37.000 Kinder und Jugendliche auf der Straße oder sind wohnungslos, davon 7500 Minderjährige. In Berlin gibt es Schätzungen zufolge etwa 2500 obdachlose Straßenkinder.
  • Save the Children hat in seinem internationalen Netzwerk eine jahrzehntelange Expertise in der Arbeit mit Straßenkindern. Weltweit setzt sich die Kinderrechtsorganisation für den Schutz von obdachlosen Mädchen und Jungen vor Missbrauch und Ausbeutung ein und gibt ihnen auch durch Bildungsprogramme eine Zukunftsperspektive. Zu den Ländern, in denen Save the Children in den vergangenen Jahren Projekte für Straßenkinder umgesetzt hat, gehören Indien, Uganda und Albanien.

Quelle: Save the Children vom 22.07.2021

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