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Schweizer Zivilgesetzbuch geändert: Gemeinsame elterliche Sorge wird zur Regel

Das Bild zeigt den Tisch eines Richters im Gerichtssaal.
Bild: © Junial Enterprises - Fotolia.com

Seit dem 1. Juli 2014 gilt in der Schweiz ein neues Gesetz zur Sorgerechtsregelung für Kinder nach der Scheidung der Eltern: Die gemeinsame elterliche Sorge gilt nun als Regelfall für alle Eltern.

Bis dato wurde nach einer Scheidung meist den Müttern die alleinige Sorge zugesprochen, die Väter mussten sich mit dem Besuchsrecht begnügen. Die Schweizer Behörden gehen davon aus, dass auch zukünftig häufig nur ein Elternteil seine Erwerbstätigkeit einschränken wird, um die gemeinsamen Kinder zu betreuen, und dadurch Einbußen im Hinblick auf die künftigen Leistungen im Rahmen der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) hat. Deshalb werden das Gericht oder die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KEBS) vor allem die Anrechnung von Erziehungszeitgutschriften bei gemeinsamer elterlicher Sorge geschiedener oder nicht miteinander verheirateter Eltern regeln müssen.

Auch rückwirkend kann das gemeinsame Sorgerecht geltend gemacht werden. Väter und Mütter, denen bei einer Scheidung das Sorgerecht entzogen wurde, können sich seit dem 1. Juli 2014 innerhalb eines Jahres an das zuständige Gericht wenden und das gemeinsame Sorgerecht verlangen. Die Scheidung darf jedoch nicht länger als fünf Jahre zurückliegen.

Zukünftig werden auch bei der Führung des Familiennamens Kinder von Eltern, die nicht miteinander verheiratet sind, denen von Eltern, die miteinander verheiratet sind, gleich gestellt. Bei gemeinsamer elterlicher Sorge bestimmen die nicht miteinander verheirateten Eltern gemeinsam, welchen Familiennamen ihre Kinder tragen sollen. Der so bestimmte Name gilt sodann für alle gemeinsamen Kinder dieser Eltern ­­­– unabhängig von der Zuteilung der elterlichen Sorge.

Das alleinige Sorgerecht soll zukünftig zum Einzelfall werden. Es darf einem Elternteil oder Elternpaar nur noch entzogen werden, wenn es zum Schutze des Kindes absolut erforderlich ist. Bevor dies jedoch angeordnet wird, wird der Gesetzgeber erstmal versuchen, die Eltern bei der Wahrnehmung ihres Sorgerechts zu unterstützen und zu fördern.

Weitere Informationen dazu auf der Website 'Die Schweizer Behörden online' und der Website des Bundesamtes für Justiz BJ.

Quellen: Website 'Die Schweizer Behörden online' und
Website des Bundesamtes für Justiz BJ

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