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Norwegen: Beschneidung von Jungen bleibt erlaubt

Das norwegische Parlament (Storting) hat am Montag in erster Lesung beschlossen, dass die rituelle Beschneidung von Jungen erlaubt bleibt, wenn sie fachgerecht durchgeführt wird. Rund 2000 Jungen werden jährlich in Norwegen beschnitten.

Damit wurde eine seit mehreren Jahren andauernde öffentliche Diskussion um das Thema Beschneidung beendet. Diese war noch einmal verstärkt worden, nachdem ein zwei Jahre alter Junge in Oslo nach seiner Beschneidung gestorben war. Bereits im April 2011 hatte der norwegische Gesundheitsminister einen Gesetzesvorschlag vorgelegt, um das Thema zu regeln.

Der Eingriff darf aber nur von öffentlich tätigem Gesundheitspersonal sowie nach Absprache mit den öffentlichen Gesundheitsdiensten auch in Privatkliniken durchgeführt werden. Damit soll sichergestellt werden, dass der Eingriff auf medizinisch verantwortungsvolle Art und Weise stattfindet. Außerdem müssen schmerzlindernde Mittel verabreicht werden, so dass
der Eingriff für die Jungen so schmerzfrei wie möglich verläuft. Vor dem Eingriff muss der Patient entsprechend seinem Alter und Auffassungsvermögen informiert werden. Die Zustimmung der Eltern muss vorliegen. Minderjährige Jungen, die jedoch alt genug sind, um ihre eigene Meinung zu dem Eingriff vorzubringen, sollen angehört werden und deren Meinung berücksichtigt werden. Der Eingriff darf nicht gegen den Willen eines Jungen durchgeführt werden.

Für rituelle Beschneidungen, die in Übereinstimmung mit der neuen Gesetzeslage durchgeführt werden, ist ein Eigenanteil zu zahlen. Dieser ist vom Gesundheitsministerium festzusetzen.

Das Gesetz tritt zum 1. Januar 2015 in Kraft.

Link zum Gesetzestext (auf Norwegisch) über die rituelle Beschneidung von Jungen in Norwegen, wie angenommen vom norwegischen Parlament am 16.6.14 ...

Weitere Informationen, auch zum Abstimmungsverhalten der Abgeordneten, auf der Website des norwegischen Parlaments ...

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