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Ein Rettungsboot fürs Klima - ein Bericht von Constantin Vogt

Die Vereinten Nationen hatten im Sommer 2001 zu den entscheidenden Klimaverhandlungen nach Bonn eingeladen. Endlich sollte das Klimaschutzprotokoll von Kioto abschließend verhandelt werden.

Strukturebene: Bund

Handlungsfeld:

  • Kinder- und Jugendarbeit

Kurzbeschreibung / Projektziele:

Bericht von Constantin Vogt

 

Die Vereinten Nationen hatten im vergangenen Sommer (2001) zu den entscheidenden Klimaverhandlungen nach Bonn eingeladen. Endlich sollte das Klimaschutzprotokoll von Kioto abschließend verhandelt werden. BUND, BUNDjugend und das internationale Netzwerk Friends of the Earth International hatten auch eingeladen. Aber nicht zu endlosen Sitzungsrunden und Plenarversammlungen. Während im Konferenzzentrum die Köpfe rauchten, zimmerten 4.000 Umweltschützerinnen und Umweltschützer ein riesiges Rettungsboot. Ihre Botschaft an die Konferenz: Rettet unser Klima!

 

Die Demonstranten haben am 21. Juni tatsächlich ein richtiges Schiff gebaut: Auf dem Bonner Münsterplatz stand das Skelett eines Schiffrumpfes bereit. An das Skelett konnte jeder eine Planke mit seiner persönlichen Botschaft an die Klimakonferenz nageln. Die Ausmaße des Bootes waren riesig: 30 Meter lang, sechs Meter hoch und sechs Meter breit.

 

Zu der Aktion hatten Friends of the Earth Gruppen aus ganz Europa (und darüber hinaus) aufgerufen. Dementsprechend hoch war die internationale Beteiligung. Aus fast allen europäischen Ländern waren Busse gekommen. Den Rekord stellte die Friends of the Earth Gruppe aus Estland auf: Die Umweltschützer waren volle drei Tage unterwegs, bevor sie in Bonn ankamen. Alleine aus den benachbarten Niederlanden und aus Großbritannien kamen einige hundert Demonstranten. Alle hatten bereits Planken für das Rettungsboot beschriftet und bunt bemalt. In über 30 verschiedenen Sprachen waren die Forderungen verfasst. Sogar aus Japan und den USA kamen Planken - per Post.

 

Die Rettungsboot-Aktion stellte BUND und BUNDjugend vor eine organisatorische und logistische Herausforderung. Erschwert wurden die Bedingungen durch die kurze Vorbereitungszeit: Lediglich drei Monate standen dafür zur Verfügung. Außerdem war das hauptamtliche Projektteam mit fünf Mitarbeitern verhältnismäßig klein. Einen großen Teil der Arbeit übernahmen ehrenamtliche Aktive von BUND und BUNDjugend aus Bonn. Ohne ihre Mithilfe und ihren unermütlichen Einsatz wäre die Aktion nicht möglich gewesen.

 

Die Aufgaben waren vielfältig: Verhandlungen mit der Polizei und der UN, Aufrechterhaltung einer Internet-Seite, Mobilisierung in ganz Europa, Pressearbeit in Deutschland, Unterbringung und Verpflegung von 2.000 Demonstrations-Teilnehmeren in Bonn. Damit nicht genug: In Berlin wurde im Vorfeld der Aktion die künftige amerikanische Botschaft mit einem "Klimaschutzzaun" unter großer Medienbeteiligung eingezäunt. In Düsseldorf, Köln und Bonn bemalten Passanten vorab Planken. Ein ganzes Team war alleine mit der Vorbereitung des Schiffrumpfes beschäftigt. Auf dem Vorhof des Museums Koenig hämmerten und schraubten die Helfer unter der Anleitung eines Bühnenbildners schon lange vor der Aktion.

 

Auf dem Münsterplatz fertig gezimmert, wurde das Rettungsboot auf Rädern von einem Demonstrationszug zum Maritim-Hotel gezogen. Dort tagte die die Konferenz. Auf dem Weg zum Hotel war dann plötzlich die Luft raus: Reifen geplatzt! Das passte eigentlich ganz gut zum Klimaschutzprozess - denn auch der steuerte einige Male auf einen Schiffbruch zu. Glücklicher Weise gelang es, die Plattfüße zu flicken. Ein besonders großes Engagement zeigte dabei die Bonner Polizei. Der technische Hilfstrupp entwickelte eine ungeahnte Begeisterung für das Boot und half bereitwillig, es wieder auf Kurs zu bringen.

 

Einmal vor dem Maritim-Hotel platziert, mauserte sich das Rettungsboot schnell zum heimlichen Maskottchen der Konferenz und zum Liebling der Delegierten. Viele Delegierte verkürzten sich die ermüdenden Verhandlungen mit einem Besuch beim Boot. Fast alle kamen am nächsten Morgen mit einem Fotoapparat wieder, einige Delegationen schossen Gruppenfotos vor dem Boot. Sogar Vertreter der Klima-Muffel aus den USA wurden beim studieren der Botschaften erwischt. Ob die Botschaft bei ihnen angekommen ist, darf mit Blick auf die destruktive Rolle der USA im Klimaschutzprozess allerdings bezweifelt werden ...

 

Das Boot mit seinen vielen bunten Botschaften und Appellen entwickelte sich zum Mahnmal für einen positiven Ausgang der Klimakonferenz. Während der entscheidenen Plenarversammlung brachte der Präsident der Klimakonferenz und niederländische Umweltminister Jan Pronk demonstrativ eine Planke mit, und platzierte sie während seiner Rede unüberschaubar vor seinem Rednerpult. Kein Delegierter, kein Politiker und kein Verhandlungsführer, der nicht die Botschaft des Rettungsbootes zur Kenntnis genommen hat. Das Rettungsboot half, den Klimavertrag von Kioto zu retten.

 

Vor dem Maritim-Hotel forderten Vertreter von den japanischen und amerikanischen Friends of the Earth in mitreißenden Reden ihre Regierungen auf, die Blockade des internationalen Klimaschutzes zu beenden. Das Rettungsbootaktion wurde lange im japanischen Fernsehen gezeigt. Sie trug dazu bei, dass die Japaner zumindest den unzureichenden Kompromiss, der in Bonn verabschiedet wurde, unterzeichneten. Ein Vertreter von Friends of the Earth Ghana wies auf die Bedrohung, die der hauptsächlich von den Industrieländern zu verantwortende Klimawandel, gerade für die Entwicklungsländer bedeutet, hin.

 

Vor allem aber hatte das Rettungsboot allen einen großen Spaß gemacht. Die Aktion war die größte Umwelt-Demonstration des Jahres, und wird für alle Beteiligten ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Außerdem war das Rettungsboot ein Musterbeispiel für friedlichen Protest. BUND, BUNDjugend und Friends of the Earth hatten die Aktion unter das Motto: "Protest is a right; violence is wrong" (Protest ist ein Grundrecht, Gewalt aber ist falsch") gestellt. Klaus Töpfer, Chef des UN-Umweltprogrammes (UNEP) dankte in einem Grußwort dafür, die Möglichkeiten des friedlichen Protestes unter Beweis gestellt zu haben. Das große, weltweite Medienecho gibt ihm Recht.

 

Inzwischen ist das Rettungsboot längst abgebaut. Einzelteile gingen unter anderem an das Kunsthistorische Museum Berlin und an das Museum Haus der Geschichte in Bonn. Das sollte der Beweis sein: Das Rettungsboot hat Geschichte geschrieben. Die übrigen Teile der Bootes wurden demontiert - mit ihnen ist der Spielplatz eines Kinderheimes erweitert und verschönert worden.

 

Links:

www.dasrettungsboot.de

www.bundjugend.de

www.bund.net

www.foeeurope.org

Nationenübergreifende friedliche Umwelt-Demonstration

Schlagworte:
Umwelt, Umweltschutz, Projekt, Partizipation, Ehrenamt

Projektträger: Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.

Adresse:
Am Köllnischen Park 1a
10179 Berlin
Telefon: 030 27586-50
Telefax: 030 27586-55
E-Mail: BUNDjugend@DontReadMebund.net

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Internetadresse: www.bundjugend.de

Kooperationspartner:

- BUND

- BUNDjugend und

- das internationale Netzwerk Friends of the Earth International

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