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Sozialpolitik / Freiwilliges Engagement

Sozialer Zusammenhalt in den Städten entsteht nicht von allein

Zwei Zeigefinder von Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, die sich berühren
Bild: © Findus2000 - Fotolia.com

Wie lässt sich sozialer Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft angesichts von Zuwanderung und zunehmender Vielfalt gestalten? Diese Frage diskutierten über 100 Expertinnen und Experten aus der kommunalen Praxis, der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik sowie der Wissenschaft bei der Fachtagung „(Neu-)Zuwanderung bewegt – Sozialer Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft“.

Zum Austausch am 10. Dezember 2018 hatten das Deutsche Institut für Urbanistik, die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, die Bertelsmann Stiftung und die Robert Bosch Stiftung nach Berlin eingeladen. Die Veranstaltung war Auftakt zur Neuauflage des Nationalen Aktionsplans Integration der Bundesregierung.

Die Zuwanderung von Geflüchteten der vergangenen vier Jahre war in dieser Dimension neu und stellt bis heute eine Herausforderung dar – vor allem für die Kommunen. Dabei stehen Fragen der längerfristigen Integration in die Gesellschaft ebenso im Fokus wie die Folgen verstärkter Migrationsbewegungen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Integration stellt sowohl Anforderungen an die Zugewanderten als auch an die Stadtgesellschaft, denn vor Ort muss ein guter Umgang mit Vielfalt gefunden werden. Klar ist auch: Integration gelingt nicht kurzfristig. Deshalb werden Städte und Gemeinden dauerhaft intensiv mit dem Thema befasst sein.

Auch Bund und Länder sind verantwortlich

Prof. Dr. Carsten Kühl, Geschäftsführer und Institutsleiter des Difu, würdigte in seiner Begrüßung die Leistungen der Städte, hob aber auch die Verantwortung von Bund und Ländern hervor: „Die Städte haben einen großen Anteil daran, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht und die neu Zugewanderten sich als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger verstehen. Städte benötigen dafür passende politische Rahmenbedingungen sowie ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen. Basis einer gelingenden Integration ist adäquates Wohnen. Erhebliche Investitionen in die soziale Wohnraumförderung, neue boden- und mietenpolitische Instrumente zur Begrenzung von Spekulation, Immobilien- und Mietpreisentwicklung sind wichtige Bausteine, damit das Wohnen in den städtischen Nachbarschaften für alle leistbar bleibt.“

Stadtentwicklung und Integration gemeinsam denken

Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration betonte in ihrem Grußwort: „Unsere Städte und Gemeinden haben in den letzten Jahren Enormes geleistet bei der Aufnahme von Geflüchteten und bei ersten Schritten der Integration. Integration und Vielfalt sind eine Daueraufgabe und eine Dauerchance für unser Land! Bei der Weiterentwicklung städtischer Strukturen müssen wir diese Daueraufgabe immer mitdenken. Stadtentwicklung und Integration müssen noch stärker gemeinsam gedacht und geplant werden. Dazu gehört, die soziale Infrastruktur in den Quartieren zu verbessern und Orte der Begegnung und Integration zu schaffen.“

Ehrenamtliches Engagement fördern

Stephan Vopel, Direktor Programm Lebendige Werte der Bertelsmann Stiftung: „Damit das Zusammenleben in vielfältigen Städten gelingt, ist eine proaktive Gestaltung des Miteinanders durch lokale Politik und Verwaltung notwendig. Besonders wichtig ist dabei auch die Beteiligung der zivilgesellschaftlichen Akteure in den Kommunen. Denn eines ist deutlich geworden: Die Bürgerinnen und Bürger haben durch ihr ehrenamtliches Engagement einen enormen Beitrag dazu geleistet, die Herausforderungen durch Flüchtlingszuwanderung zu meistern.“

Der Blick der Tagung richtete sich sowohl auf die großen als auch die kleineren Städte in den eher ländlichen Regionen.

Infos zum Nationalen Aktionsplan

Die Neuauflage des Nationalen Aktionsplans Integration der Bundesregierung orientiert sich an den fünf Phasen der Zuwanderung und des Zusammenlebens: „Vor der Zuwanderung“, „Erstintegration“, „Eingliederung“, „Zusammenwachsen“, „Zusammenhalt“. Gemeinsam mit Ländern, Kommunen und nichtstaatlichen Akteuren, insbesondere mit Migrantenorganisationen, werden Handlungsfelder und konkrete Maßnahmen erarbeitet, um die Integration insgesamt voranzutreiben. Die Ergebnisse werden auf den kommenden Integrationsgipfeln von Bundeskanzlerin Angela Merkel präsentiert. Die Veranstaltung leistet einen Beitrag im Themenbereich „Stadtentwicklung und Wohnen“ des Nationalen Aktionsplans Integration.

Quelle: Deutsches Institut für Urbanistik vom 10.12.2018

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