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Sozialpolitik / Jugendsozialarbeit

Paritätischer BW fordert Ausbau der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit

Zwei Auszubildende werden von einem Maurer-Ausbilder angelernt
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Der Paritätische Baden-Württemberg begrüßt die Unterzeichnung des Bündnis zur Stärkung der beruflichen Ausbildung und des Fachkräftenachwuchses 2019-2022. Gleichzeitig fordert der Wohlfahrtsverband Chancen auf Ausbildung für alle jungen Menschen, mehr individuelle Hilfen statt Standardmaßnahmen und Sanktionen sowie den Ausbau einer arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit.

Der Paritätische Baden-Württemberg begrüßt jede Initiative, die jungen Menschen mehr Chancen auf eine qualifizierte Berufsausbildung eröffnet. Gleichzeitig stellt der Verband fest, dass es nach wie vor zu viele junge Menschen gibt, die ohne Berufsausbildung bleiben. Ihre Anzahl habe sich in den letzten Jahren gar gesteigert.

„Viele dieser jungen Menschen haben ein hohes Risiko auf eine prekäre Berufsbiografie. Sie sind damit besonders von Armut und Ausgrenzung bedroht. Zwei Drittel der meist langzeitarbeitslosen Menschen, die auf Geld aus der Grundsicherung nach dem SGB II (Hartz IV) angewiesen sind, haben keine Berufsausbildung“, erläutert dazu Ralph Nuglisch, Bereichsleitung “Arbeit und Qualifizierung“ beim Paritätischen Baden-Württemberg.

„Notwendig sind Hilfen, die auch die jungen Menschen erreichen, die schlechtere berufliche Startchancen haben und unter schwierigen Bedingungen leben. Bestehende Standardangebote helfen den Betroffenen ebenso wenig, wie die besonders scharfen Sanktionen, die Jobcenter gegenüber jungen Menschen verhängen können“, so Nuglisch weiter.

Der Paritätische fordert deshalb ein stärkeres Engagement der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit, die über die Jugendhilfe finanziert werden kann. Damit können individuelle Hilfen angeboten werden, die jungen Menschen in schwierigen Lebenslagen adäquate Unterstützung auf dem Weg in die Ausbildung anbietet. „Die gesetzlichen Grundlagen dazu sind vorhanden. Im Land und in den Kommunen werden diese Möglichkeiten aber viel zu selten genutzt. Dieses Vollzugsproblem müssen wir auflösen, wenn wir wirklich allen jungen Menschen die Chance auf eine berufliche Zukunft eröffnen wollen“, ergänzt Nuglisch.

Hintergrund

Im Jahr 2017 hatten laut Datenreport zum aktuellen Berufsbildungsbericht in Deutschland rund 2,12 Millionen Menschen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren keinen Berufsabschluss. 2014 waren dies noch rund 1,88 Millionen Menschen (S.311). In Baden-Württemberg traf dies im Jahr 2017 auf rund 268.000 Menschen der Altersgruppe zu. Auch im Land stieg die entsprechende Quote von elf Prozent in 2014 auf 12,5 Prozent im Jahr 2017 (S.314).

Weitere Informationen zum Bündnis zur Stärkung der beruflichen Ausbildung und des Fachkräftenachwuchses 2019-2022 finden sich auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe.

Quelle: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Landesverband Baden-Württemberg e.V vom 24.05.2019

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