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Berufliche Bildung

Die Ausgrenzung der Ausgegrenzten – Enquete-Kommission lässt benachteiligte Jugendliche außen vor

Vier Jugendliche stehen an einer Mauer auf einem Gebäude und schauen Richtung Stadt, die im Hintergrund zu sehen ist
Bild: Devin Avery - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ legt ihren Abschlussbericht vor – und von Benachteiligung betroffene Jugendliche bleiben in den Forderungen weitgehend außen vor. Für junge Menschen mit Unterstützungsbedarf ist der Bericht leider enttäuschend, kritisiert die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V.

Nach dreijähriger Arbeit hat die Kommission ihren mehr als 600 Seiten dicken Abschlussbericht vorgelegt. Zu lesen ist eine umfassende Darstellung der beruflichen Bildung in Deutschland mit jeweils detaillierten Handlungsempfehlungen.

Für junge Menschen mit Unterstützungsbedarf sei der Bericht leider enttäuschend. Denn bei den konkreten Forderungen bleiben sie außen vor, kritisiert Lisi Maier, Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e. V. in der aktuellen Pressemitteilung.

Es werde zwar ein umfangreicher Pakt für berufliche Bildung gefordert. Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und Jugendberufshilfe gehören offensichtlich nach Ansicht der Enquete-Kommission nicht hierzu. Hier soll lediglich geprüft werden, ob diese Bereiche einbezogen werden können. Wer dies prüfen soll, anhand welcher Kriterien und wodurch sonst dieser Bereich entsprechend finanziert werden soll, bleibt völlig offen. Diese Haltung, so die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V., sei nicht nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass benachteiligte junge Menschen schon beim DigitalPakt Schule nicht berücksichtigt wurden.

Keine Forderungen für problematische Zu- und Übergängen in die Arbeitswelt

Digitale Medien können für benachteiligte oder beeinträchtigte Jugendliche und junge Erwachsene bedeuten, dass gerade ihre Tätigkeitsfelder durch digitale Technik ersetzt werden und damit entfallen. Aber Digitalisierung kann auch unterstützen und so auch für sie neue Möglichkeit der Qualifizierung und Tätigkeiten schaffen und sie fit machen für eine Arbeitswelt 4.0. Diese Chance ist allerdings nur gegeben, wenn sie auch mit digitalen Grundkompetenzen ausgestattet werden – dies passiere jedoch nicht, wenn sie in allen Programmen zur Förderung der Digitalisierung ausgegrenzt werden, lautet die Kritik. Diese Problematik habe die Projektgruppe zu den Zu- und Übergängen in die Arbeitswelt der Enquete-Kommission auch klar erkannt, nur werden daraus keine Schlussfolgerungen gezogen und keine entsprechenden Forderungen gestellt.

Benachteiligte Jugendliche brauchen gezielte Förderung

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit hat bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass es einer gezielten Förderung benachteiligter Jugendlicher bedarf. Leider habe die Enquete Kommission die Chance nicht genutzt. Erfreulich sei allerdings, so die BAG KJS,  die geforderte bedarfsgerechte und zeitgemäße digitale Ausstattung des Jugendwohnens. Davon müssten aber alle profitieren – im Jugendwohnen untergebrachte Blockschüler/-innen genauso wie Bewohner/-innen im sozialpädagogischem Unterstützungsbedarf.

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V. vom 22.06.2021