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Sozialpolitik / Bildungspolitik

Berufsbildung soll gestärkt werden – dynamischere Reformen erforderlich

Lächelnder junger Mann mit Baseballmütze steht vor einer Hochhauskulisse
Bild: rawpixel.com

Die duale Berufsausbildung in Deutschland genießt weltweit einen hervorragenden Ruf und ist Vorbild für Bildungsreformen in vielen Staaten. Der Berufsbildungsbericht 2018 zeige jedoch, dass immer mehr junge Menschen keine passende Ausbildungsstelle finden, schreibt die FDP-Fraktion in einem Antrag. Um Deutschlands wirtschaftliche Spitzenposition und die Leistungsfähigkeit der beruflichen Ausbildung auch in Zukunft zu sichern, seien deutlich dynamischere Reformen erforderlich.

Die Zahl der unversorgten Bewerber sei 2017 auf das Rekordniveau von 23.700 oder plus 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Gleichzeitig blieben rund 48.900 der von den Arbeitgebern gemeldeten Ausbildungsplätze unbesetzt, rund 13 Prozent mehr als noch 2016. Alarmierend sei, dass 2,1 Millionen junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren 2016 ganz ohne abgeschlossene Ausbildung dastehen würden, neun Prozent mehr als im Vorjahr, schreiben die Abgeordneten in ihrem Antrag (19/1835, PDF, 899 KB).

Mehr junge Menschen für duale oder schulische berufliche Ausbildung begeistern

Auf den rasanten technologischen Wandel und die Herausforderungen einer globalisierten Arbeitswelt reagiere die Bildungsbürokratie nur langsam. In der vergangenen Legislaturperiode seien lediglich 48 der 327 Ausbildungsberufe neu geordnet worden. Ferner verdiene die berufliche Bildung eine stärkere Anerkennung als gleichwertige Alternative zur akademischen Ausbildung. Die Herausforderungen der Zukunft ließen sich nicht allein mit Hochschulabsolventen lösen. Deshalb will die FDP mehr junge Menschen für die duale oder schulische berufliche Ausbildung begeistern.

Investitionsoffensive in die berufliche Bildung gefordert

Mit einer besseren Wertschätzung beruflicher Bildungsabschlüsse und einer breiten Investitionsoffensive in die berufliche Bildung von der Erstausbildung bis zur beruflichen Fort- und Weiterbildung müsse die Bundesregierung ihren Worten Taten folgen lassen. Ein gutes Bildungssystem bremse diese Vielfalt und Selbstbestimmung nicht aus, sondern fördere sie. Es schaffe Aufstiegschancen für jeden. Immer noch würden viele Ausbildungsordnungen indes die Auszubildende, Lehrende und Ausbildenden in das starre Korsett einer Einheitsausbildung zwingen. Mehr Spezialisierungsmöglichkeiten nach einer breit angelegten Phase der Basisausbildung, die Möglichkeit von Teilqualifikationen und mehr Flexibilität in der Gestaltung von Ausbildungszeiten seien dringend erforderlich. Die Durchlässigkeit in Richtung einer akademischen Weiterbildung könne durch die bessere Anerkennung von Teilqualifikationen und Modulen sowie nonformalen Qualifikationen verbessert werden.

Mehr Chancen in der beruflichen Bildung für alle jungen Menschen

Mit einem Ausbau der Berufsorientierung und -beratung, ausbildungsbegleitender Betreuung, Investitionen in die Ausbildungsbefähigung und der Förderung regionaler Mobilität will die FDP allen jungen Menschen den Weg zu einem Ausbildungsplatz eröffnen. Vorankommen durch eigene Leistung müsse auch denen möglich sein, die die hohen Anforderungen an eine dreijährige Ausbildung in Vollzeit und deutscher Sprache bisher nicht erfüllen. Damit erhielten auch bisher schwer erreichbare Jugendliche, Jugendliche mit Lernbeeinträchtigungen und junge Menschen mit Behinderungen mehr Chancen in der beruflichen Bildung.

Die FDP fordert, eine Exzellenzinitiative Berufliche Bildung auf den Weg zu bringen. Analog zur Exzellenzinitiative für Hochschulen soll diese einen bundesweiten Wettbewerb um die besten Ideen zur Zukunft der beruflichen Bildung anregen. Um die hochrangige Auszeichnung und mehrjährige Förderung sollen sich einzelne Berufsschulen, Berufsschulnetzwerke, Betriebe, Kammern und weitere Akteure oder Projekte der beruflichen Bildung unabhängig von ihrer Trägerschaft bewerben können. Zudem sollen die Chancen der Digitalisierung stärker für die Weiterentwicklung der beruflichen Bildung genutzt werden, insbesondere durch eine deutliche Aufstockung des angekündigten Digitalpakts Schule. Ferner sollen die Berufsorientierungsmaßnahmen für junge Menschen ausgebaut werden und es soll dem Deutschen Bundestag einen Vorschlag zur Reform der Struktur der beruflichen Ausbildung vorgelegt werden.

Zusatzinfomationen

Mit dem Berufsbildungsbericht kommt das Bundesbildungsministerium seinem gesetzlichen Auftrag nach, die Entwicklung in der beruflichen Bildung kontinuierlich zu beobachten und der Bundesregierung jährlich Bericht zu erstatten. Der Berufsbildungsbericht wird durch den  Datenreport mit zahlreichen Informationen und Analysen ergänzt, der vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) herausgegeben wird. 

Quelle: Deutscher Bundestag, hib – heute im bundestag Nr. 273 vom 26.04.2018

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