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Welttag der sozialen Gerechtigkeit

Armut, Ausgrenzung und Einsamkeit überwinden

Eine Hand malt mit Kreide einen Globus mit Menschen auf eine Tafel.
Bild: © Kenishirotie - fotolia.com

Die Diakonie Deutschland und Brot für die Welt setzen sich dafür ein, Armut, Ausgrenzung und Einsamkeit zu überwinden – in Deutschland und weltweit. Denn die Corona-Pandemie zeige deutlicher als zuvor: Armut, Ausgrenzung und Einsamkeit sind ein bitterer Dreiklang.

Am 20. Februar war der Internationale Tag der sozialen Gerechtigkeit der Vereinten Nationen. Er stand in diesem Jahr unter dem Motto „Ein Aufruf zur sozialen Gerechtigkeit in der digitalen Wirtschaft”.

In Zeiten des Lockdowns werden Arme unsichtbar

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie: „In Zeiten des Lockdowns werden Arme geradezu unsichtbar und sind zugleich mehr als je zuvor von gesellschaftlicher Beteiligung ausgeschlossen. Soziale Ungerechtigkeit wird von den Betroffenen leibhaftig erfahren: wo sie in Kontakt zu anderen kommen, erfahren sie regelmäßig Vorurteile und Abwertungen. In Zeiten von Kontaktbegrenzungen kommen sie oft schlicht und einfach nicht mehr vor. Sozialer Ausschluss bedeutet, diese Menschen werden aus ihren sozialen Bezügen heraus gedrängt. Viele erfahren das am diesjährigen Welttag der sozialen Gerechtigkeit bitterer als je zuvor. Während die Chancen der Digitalisierung in aller Munde sind, können sich Arme nicht einmal die grundlegende Ausstattung vom Munde absparen, um digital am Leben teilzuhaben. Zu den abstrusen Widersprüchlichkeiten der öffentlichen Debatte gehört auch, dass wir in Deutschland täglich über Menschenleben und Menschenretten und über die Folgen der Pandemie diskutieren, sich aber kaum noch jemand dafür interessiert, dass täglich im Mittelmeer Hilfesuchende Menschen ertrinken.“

Menschen brauchen weltweit Zugang zu Impfstoff

„Während Deutschland eine frustrierende Debatte darüber führt, ob das Impfen schnell genug geht, sind Impfprogramme für viele Länder nur ein ganz ferner Silberstreif am Horizont. Als in Afrika 25 Menschen geimpft waren, waren es weltweit 39 Millionen – die meisten in Industrie- und Schwellenländern. Die haben sich zig-fach mehr Impfstoff reserviert als sie benötigen. Der fehlt für die weltweite Versorgung, zumal die Produktionskapazitäten weltweit zu gering sind“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, die Präsidentin von Brot für die Welt. „Es ist jedoch nicht nur ein Gebot der Gerechtigkeit, sondern auch der Vernunft, den weltweiten Zugang zu Impfstoffen gegen Covid-19 zu beschleunigen, denn die Corona-Pandemie ist erst vorbei, wenn sie für alle vorbei ist.“ Deshalb sei es notwendig, Patente für die Dauer der Pandemie auszusetzen oder Zwangslizenzen an Firmen im Süden zu vergeben, die in der Lage sind, selbst Impfstoff herzustellen. So könnte schneller mehr produziert und die Impfstoffe für arme Länder könnten erschwinglicher werden. „Es ist alles andere als gerecht, wenn ein Land wie Südafrika, in dem Impfstoffe getestet wurden, nun einen deutlich höheren Preis als wir Europäer für Vakzine zahlen muss“, so Füllkrug-Weitzel.

Menschen sichtbar machen und mitentscheiden lassen

Nach Ansicht von Diakonie Deutschland und Brot für die Welt heißt Gerechtigkeit heute: Menschen sichtbar machen, zuhören, mitreden und mitentscheiden lassen. „Die Gerechtigkeitsfrage der Zukunft heißt nicht nur, ob Menschen materiell das Nötige bekommen, sondern ob überhaupt die Chance besteht, Gehör zu finden, wahrgenommen zu werden und mit zu entscheiden, statt in Einsamkeit und ohne jede Hilfe sich selbst überlassen zu bleiben oder ignoriert und ausgegrenzt zu werden“, so Füllkrug-Weitzel und Lilie.

Quelle: Diakonie Deutschland und Brot für die Welt vom 19.02.2021

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