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Sozialpolitik / Kinder- und Jugendpolitik

100 Jahre ILO: Junge Perspektiven für die Zukunft der Arbeit

Bundessozialminister Heil im Gespräch auf der Bühne beim Festakt 100 Jahre ILO
Bild: © BMAS / Enters Bundesminister Hubertus Heil im Gespräch beim Festakt 100 Jahre ILO

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO feiert in diesem Jahr ihr hundertjähriges Bestehen. Anlässlich der Festveranstaltung in Berlin wurden die Perspektiven und Positionen junger Menschen besonders in den Blick genommen. Die Erwartungen, Hoffnungen und Ängste gerade der jungen Generation müssten anerkannt und eine am Menschen orientierte Agenda für die Zukunft der Arbeit entwickelt werden, fordert ILO-Generalsekretär Guy Ryder. Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist die Internationale Arbeitskonferenz im Juni 2019 in Genf.

Unter dem Titel „Zukunft schaffen durch soziale Gerechtigkeit und menschenwürdige Arbeit“ feierte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gemeinsam mit seinen Partnern, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, dem Deutschen Gewerkschaftsbund sowie der Internationalen Arbeitsorganisation das 100-jährige Bestehen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Die ILO ist die älteste Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte das Jubiläum im Rahmen eines Festaktes am 11.03.2019 in Berlin.

Sicherheit und Vertrauen in die Zukunft der Arbeit

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sagte bei der Festveranstaltung: „Die ILO hat in den vergangenen 100 Jahren mit 189 Übereinkommen und 205 Empfehlungen eine Art internationales Arbeits- und Sozialgesetzbuch geschaffen, dessen weltweite Umsetzung vor dem Hintergrund von Globalisierung und Digitalisierung immer wichtiger wird. Nur wenn es gelingt, internationale Arbeitsnormen in allen 187 Mitgliedstaaten der ILO durchzusetzen, werden wir menschenwürdige Arbeit für alle Menschen weltweit gewährleisten und soziale Ungleichheiten in der Welt überwinden können. Ich setze mich deshalb besonders dafür ein, die ILO im multilateralen System weiter zu stärken. Insbesondere junge Menschen weltweit brauchen Sicherheit und Vertrauen in die Zukunft der Arbeit.

Sozialen Ungleichheiten wirksam entgegentreten

„Arbeit ist weder eine Ware noch ein Roboter. In Zeiten großer Umbrüche in der Arbeitswelt und einer allgemeinen globalen Verunsicherung, die das multilaterale System bröckeln lässt, brauchen Gewerkschaften eine starke ILO, die dieses Versprechen einzulösen vermag,“ fordert Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Die ILO müsse deshalb auf der globalen Bühne das politische Gewicht erhalten, das sie in die Lage versetze, den entstandenen ökonomischen und sozialen Ungleichheiten wirksam entgegenzutreten.

Und Ingo Kramer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) betont: „Die ILO ist die bedeutendste Institution auf dem Gebiet der Internationalen Sozialpolitik. Die Vertretung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in den Organen der ILO ist Ausdruck einer gelebten Sozialpartnerschaft und stärkt ihre Bedeutung auf internationaler Ebene. Dieser gemeinsame soziale Dialog muss in Zeiten von zunehmendem Protektionismus gestärkt und auf zukünftige Herausforderungen wie die Digitalisierung neu ausgerichtet werden, um offene Märkte mit fairem Wettbewerb, Stabilität und sozialen Frieden in der Welt zu sichern.“

Für eine gerechtere, sicherere und wohlhabendere Welt

„Die ILO blickt auf eine bemerkenswerte 100-jährige Erfolgsgeschichte zurück, getragen von der gemeinsamen Entschlossenheit von Regierungen, Arbeitnehmern und Arbeitgebern, soziale Gerechtigkeit voranzutreiben und die Welt gerechter, sicherer, und wohlhabender zu machen. Heute führen rasante technologische, demografische, ökologische, soziale und ökonomische Veränderungen zu grundlegenden Transformationen in der Arbeitswelt. Die Chancen sind jedoch ungleich verteilt,“ sagt Guy Ryder, Generaldirektor der ILO.

Das Vertrauen in Organisationen und öffentliche Politik müsse gestärkt werden, das zeige die gemeinsame Festveranstaltung in Deutschland beispielhaft. Der Generaldirektor der ILO fordert dazu auf, die Erwartungen, Hoffnungen und Ängste der Menschen, besonders der jungen Generation anzuerkennen und vorausschauend eine am Menschen orientierte Agenda für die Zukunft der Arbeit zu entwickeln. Die ILO habe das Mandat, im multilateralen Kontext soziale Gerechtigkeit voranzubringen. „Wir sind gut aufgestellt, um neue Perspektiven für eine bessere Zukunft mit menschenwürdiger Arbeit für künftige Generationen zu schaffen,“ so Guy Ryder abschließend.

Arbeitswelt der Zukunft vorbereiten

Im Rahmen der Internationalen Arbeitskonferenz im Juni 2019 in Genf wird das ILO-Jubiläum mit Regierungen und Sozialpartnern aus aller Welt international begangen mit dem Ziel, sich auf die Arbeitswelt der Zukunft vorzubreiten und national wie international die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Die Bundesregierung setzt sich in diesem Zusammenhang für eine Abschlusserklärung bei der Internationalen Arbeitskonferenz ein.

Die nationale Festveranstaltung in Deutschland ist der Auftakt zahlreicher nationaler Jubiläumsveranstaltungen in einer Vielzahl von Mitgliedsländern. Die Bundesregierung unterstreicht damit gemeinsam mit den Sozialpartnern die Bedeutung der ILO für eine Bewältigung des technologischen Wandels in der Arbeitswelt, bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht.

Neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nahmen hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft an der Veranstaltung teil. Mit einem Zukunftsdialog zwischen Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, dem Präsidenten der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Ingo Kramer, dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, sowie dem ILO-Generaldirektor Guy Ryder und jungen Menschen wurden die Perspektiven und Positionen der jungen Generation zur Arbeit der Zukunft gezielt in den Fokus genommen.

Internationale Arbeitsorganisation ILO

  • Sonderorganisation der Vereinten Nationen (187 Mitgliedstaaten)
  • 1919 im Zuge der Versailler Friedensverträge gegründet (UN Gründung 1945)
  • Leitidee: „Der Weltfriede kann auf Dauer nur auf sozialer Gerechtigkeit aufgebaut werden“
  • Ziel: „Förderung sozialer Gerechtigkeit durch menschenwürdige Arbeit“
  • Verantwortlich im UN System für Internationale Arbeits- und Sozialstandards
  • Einzige dreigliedrige UN-Organisation: Vertreter von Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden entwickeln gemeinsam Arbeits- und Sozialstandards (Normsetzungsverfahren)
  • Implementierung von Strukturen und Prozessen vor Ort zur Durchsetzung von Arbeits- und Sozialstandards (z.B. Gründung von Gewerkschaften, Verbesserung von Arbeitsschutz, Bekämpfung von Kinder- und Zwangsarbeit)
  • August 2017 Einrichtung einer unabhängigen Globalen Kommission zur Zukunft der Arbeit (Deutsches Mitglied Thorben Albrecht, Staatssekretär a.D.)
  • Januar 2019 Veröffentlichung des Berichts „Für eine bessere Zukunft arbeiten“

Quelle Bundesministerium für Arbeit und Soziales vom 12.03.2019