Kinder- und Jugendpolitik / Kinder- und Jugendarbeit

Über 200 Teilnehmende bei Jugendkongress im Landeshaus Schleswig-Holstein

Kiel. Über 200 Teilnehmende aus Jugendverbänden, Jugendfreiwilligendiensten, Schulen und offener Jugendarbeit konnten Alexandra Ehlers, Vorsitzende des Landesjugendrings Schleswig-Holstein und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, am Sonnabend im Landeshaus beim Jugendkongress „Wir machen Zukunft“ begrüßen.

In sieben unterschiedlichen Arbeitsgruppen entwickelten sie Thesen für eine nachhaltige Zukunftspolitik in Schleswig-Holstein. Veranstaltet wurde der Jugendkongress vom Landesjugendring und dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Besonderes Interesse bei den jungen Teilnehmenden fanden die Arbeitsgruppe Arbeit, Bildung und Lernen und die AG Umwelt, Klima, Energie.

Schon in ihrer Begrüßung hatte Alexandra Ehlers auf die Bedeutung von Bildung beim Umsteuern der Gesellschaft in Richtung auf mehr Nachhaltigkeit hingewiesen und vorgeschlagen, zunächst die Frage „wie wollen wir leben“ zu klären. Sie sagte in dem Zusammenhang: „Nachhaltiges Leben wird nur dann erfolgreich sein können, wenn uns Nachhaltigkeit als Begriff nicht fremd bleibt, sondern zu einer Sache wird, die wir mit Kopf und Herz annehmen können.“ Kritisch gegen den inflationären Gebrauch des Wortes Nachhaltigkeit fügte sie noch hinzu: „Nachhaltigkeit darf kein Götze sein, Gefühl und Verstand werden benötigt, „wenn wir so handeln wollen, dass unser Handeln auch Vorbild für andere Generationen werden kann.“ Dazu bedürfe es allerdings intensiver Bildungsprozesse auf allen gesellschaftlichen Ebenen.

Nach der Präsentation der Ergebnisse der Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmer_innen des Jugendkongresses ihre Thesen mit den Landtagsabgeordneten Dr. Ernst von Abercron, CDU, Christopher Vogt, FDP, Monika Heinold, Bündnis 90/Die Grünen und Flemming Meyer, SSW. Zum Teil kontrovers wurde über die Notwendigkeit einer Neuausrichtung der Landwirtschaft diskutiert. Kritisch reagierten viele Diskussionsteilnehmer_innen auf Massentierhaltung und forderten eine artgerechte Tierhaltung und den Konsum regionaler Produkte ein. Mehrfach wurde in der Diskussion für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs in Stadt und Land plädiert.

Einig waren sich die Abgeordneten und die Kongressteilnehmenden, dass der Dialog über die Nachhaltigkeitsstrategie Schleswig-Holsteins auch in der nächsten Legislaturperiode fortgesetzt werden muss.

Für den Landesjugendring kündigte der Geschäftsführer Jens Peter Jensen an, das Thema Nachhaltigkeit auf allen Ebenen der praktischen Arbeit, vom Jugendstättenbau bis zur Verpflegung in Jugendzeltlagern, zur Geltung zu bringen. In seinem Schlusswort machte er deutlich, dass für die Verankerung von Nachhaltigkeit in den Köpfen von Konsumenten und Produzenten noch erhebliche Bildungsanstrengungen auf allen Ebenen unserer Gesellschaft notwendig seien. Er griff damit Ideen aus dem Workshop „Arbeit, Bildung, Lernen“ auf, in dem gefordert wurde, Nachhaltigkeit für jeden Menschen verständlich zu machen und mehr Finanzmittel in die Bildung in Schulen, Vereinen und Jugendarbeit zu investieren. In diesem Zusammenhang wies er auch auf die Notwendigkeit hin, die außerschulischen Bildungsangebote im Interesse der Schaffung von mehr Beteiligungsmöglichkeiten junger Menschen an der Gestaltung ihrer Bildungserlebnisse weiter auszubauen.

Die zentralen Thesen der Arbeitsgruppen:

Workshop 1: Ernährung/Landwirtschaft
- Bessere und praxisnähere Aufklärung über Ernährung, Kochen und Lebensmittel
- Artgerechte und natürliche Haltung der Tiere mit regelmäßigen Kontrollen und transparenten, öffentlichen Ergebnissen
- Lebensmittel aus der Region fördern und deren Herkunft und Inhalt kennzeichnen
- Wir selber möchten bewusster konsumieren, Lebensmittel nicht verschwenden und unser wissen weitergeben

Workshop 2: Wirtschaft, Finanzen, Fair Trade
- Selbstverpflichtung, Landtag
    - Nutzung ökofairer Produkt
    - Öffentliche, nachhaltige Beschaffung
- Ampelsiegel (Transport, Energie, Öko-sozial)
    - Öffentlichkeitsarbeit
    - Bundesratsinitiative / EU-Initiative
- Förderung / Investitionen:
    - Energiespeichertechnik
    - Netzausbau
    - Umstellung ökologischer Landbau
- BNE personell und strukturell stärken

Workshop 3: (1) Umwelt, Klima, Energie
- Stromproduzieren kann umweltfreundlicher sein. ABER es ist noch ein sehr langer Weg
- Energie ist schon vorhanden, man muss sie nur sinnvoll nutzen
- Autos und Häuser mit Lotuseffekt versehen, weil sonst zu viel Reinigungsmittel ins Grundwasser gelangen oder weil man Energie aufwenden muss, um das Wasser wieder zu reinigen

Workshop 3: (2) Umwelt, Klima, Energie
- Wir haben euch gewählt, damit ihr die Welt schöner macht!
- Vorbildfunktion?
- Viele kleine Schritte führen auch zum Ziel
- Das öffentliche Verkehrsnetz sollte verbessert werden, um in erster Linie den Kraftstoffverbrauch und damit den CO2-Ausstoß zu vermindern!
- Druckmittel Geld: Unterstützung für umweltbewussten Umgang mit Energie & Kürzungen für „Umweltsünder"
 -Die Energiewende braucht JEDEN!

Workshop 4: Arbeit, Bildung, Lernen
- Was, wo und wie wollen wir lernen?
- In offener, wertschätzender Atmosphäre, handelnd, in Projekten
„… dort wo uns das Wissen begegnet“
    - In der Schule und im Verein
    - „wenn wir keine Bildung haben, dann nähen wir bald hier diese T-Shirts.“

Workshop 5: Arbeiten und Leben in der Stadt
- Breiteres Freizeitangebot
- Mehr Kommunikation zwischen Bürgern, Stadt und Anbietern
- ÖPNV angenehmer, flexibler, günstiger und schneller gestalten, um Auslastung zu erhöhen
- Zur Partizipation und Stadtviertelarbeit animieren
- Nutzungsmischung in einzelnen Stadtteilen, weg von der Anonymität

Workshop 6: Arbeiten und Leben auf dem Land
- Ländlichen Raum naturbelassen (Naturräume)
- Familienfreundlichkeit schaffen
- Kräftige Infrastruktur
    - Versorgung
    - Arbeit
    - Mobilität
- Freizeitangebote vor Ort erhalten und schaffen

Quelle: Landesjugendring Schleswig-Holstein

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