Baden-Württemberg

Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen verbessern

Ein Mädchen schaut in die Kamera
Bild: Annie Spratt - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Im neu erschienenen Bericht „Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg“ werden Präventionsnetzwerke als eine zentrale Strategie gegen Kinderarmut genannt. Um deren Auf- und Ausbau zu unterstützen, stellt das Land weitere 600.000 Euro an Fördermittel bereit.

Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha hat am 24. April 2021 in Stuttgart den erschienenen Bericht „Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg“ vorgestellt. Der Bericht enthält aktuelle Erkenntnisse darüber, welche Bedingungen Kinder und Jugendliche bei uns im Land für ein gutes Aufwachsen benötigen.

„In Baden-Württemberg ist fast jedes fünfte Kind armutsgefährdet. Dagegen müssen und wollen wir als Landesregierung etwas tun“, so Minister Lucha. „Damit Kinder gut aufwachsen, bedarf es neben finanziellen Transferleistungen einer öffentlichen Infrastruktur, die eine gleichberechtigte Teilhabe aller Kinder ermöglicht.“

Die wichtigsten Ergebnisse und zentralen Aussagen:

Zu materieller Versorgung und Wohnen:

  • In Baden-Württemberg ist fast jedes fünfte Kind armutsgefährdet (19 Prozent). Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung Baden-Württembergs (16 Prozent) sind Unter-18-Jährige damit stärker belastet. Innerhalb Baden-Württembergs zeigen sich aber erhebliche regionale Unterschiede bei der Armutsgefährdungsquote von Kindern und Jugendlichen.
  • Ein besonders hohes Armutsrisiko haben Kinder von langzeiterwerbslosen Eltern (77 Prozent), von alleinerziehenden Eltern (41%), Kinder in kinderreichen Haushalten (32 Prozent) und Kinder mit Migrationshintergrund (30 Prozent).
  • Rund 14 Prozent der armutsgefährdeten Haushalte mit Kindern geben an, die Wohnung nicht angemessen heizen zu können. In mehr als einem Drittel der Fälle konnten abgewohnte Möbel nicht ersetzt werden.

Zu Bildung:

  • Die Betreuungsquote der unter 3-Jährigen lag im Jahr 2020 bei insgesamt 30 Prozent, wobei darunter Kinder mit Migrationshintergrund deutlich weniger sind als Kinder ohne Migrationshintergrund.
  • Im Rahmen der Einschulungsuntersuchung 2019 wurde bei 32 Prozent der Kinder im Alter von 4 bis 5 Jahren ein intensiver Sprachförderbedarf festgestellt.
  • Der Armutssensibilität von Fachkräften in Kitas und (Grund-)Schulen kommt eine hohe Bedeutung zu, um Stigmatisierungen zu vermeiden und die Folgen von Armut zu begrenzen.

Zu sozialer Integration und Beteiligung von Jugendlichen:

  • 16 Prozent der Jugendlichen haben nach eigenen Angaben zu wenig Geld, um die gewünschten Freizeitangebote wahrzunehmen. Kostenlose Angebote vor Ort sind vielen Jugendlichen nicht bekannt. Die Leistungen für Bildung und Teilhabe unterstützen bei der Inanspruchnahme von Freizeitangeboten, werden bislang aber nur wenig abgerufen.
  • Mehr Mitbestimmung wünschen sich die Jugendlichen auf kommunaler Ebene bei der Gestaltung von Schulen und Kindergärten sowie allgemein der Infrastruktur vor Ort (ÖPNV, Nutzung und Gestaltung des öffentlichen Raums).

Zu Gesundheit:

  • Im Rahmen der Einschulungsuntersuchungen 2019 wurde bei 27 Prozent der 5-Jährigen in Baden-Württemberg eine auffällige Grobmotorik festgestellt.
  • Für das gesunde Aufwachsen von Kindern spielt die Infrastruktur des Wohnumfeldes eine entscheidende Rolle.

Es gibt erste Annahmen, dass sich die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie langfristig negativ auf die Teilhabechancen insbesondere von Kindern und Jugendlichen aus armutsgefährdeten Familien auswirken. Sorge bereiten zum Beispiel die mögliche Verschärfung von Bildungsungleichheiten sowie die tatsächliche Verschlechterung der Lebenszufriedenheit und der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Pandemie.

Neuer Förderaufruf „Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut“ veröffentlicht

Im Bericht „Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg“ werden Präventionsnetzwerke als eine zentrale Strategie gegen Kinderarmut genannt. Ziel solcher Präventionsnetzwerke ist es, eine integrierte kommunale Strategie zur Prävention und Bekämpfung von Kinderarmut zu entwickeln, damit sich materielle Armutsgefährdung im Kindesalter nicht nachteilig auf die Teilhabechancen im gesamten weiteren Leben auswirkt.

Mit dem aktuellen Förderprogramm „Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut – Erkennen und Weiterentwickeln von lokalen Präventionsketten“ (2021) stellt das Land Baden-Württemberg weitere 600.000 Euro bereit, um den Auf- und Ausbau von Präventionsnetzwerken gegen Kinderarmut zu unterstützen.

Hintergrundinformationen

Im Rahmen der zweijährigen Strategie „Starke Kinder – chancenreich“ 2020/21 schnürt das Land Baden-Württemberg ein Paket mit vielen zusätzlichen Unterstützungsangeboten, um Kinder und Jugendliche zu stärken. Zu diesen Maßnahmen gehören der Bericht „Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in Baden-Württemberg“ sowie der Förderaufruf „Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut – Erkennen und Weiterentwickeln von lokalen Präventionsketten“.

Quelle: Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg vom 24.04.2021

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