Kinder- und Jugendpolitik / Kinderrechte

#StopptKinderarmut: Was es bedeutet in Deutschland in Armut aufzuwachsen

Eine Reihe Schaukeln in einem menschenverlassenen Park
Bild: Aaron Burden - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die Bertelsmann Stiftung hat in den vergangenen Wochen die Initiative #StopptKinderarmut mit Unterstützung zahlreicher kinder-und familienpolitischer Organisationen durchgeführt. Denn mehr als jedes fünfte Kind erlebt in Deutschland Armut. Prominente Influencer/-innen haben sich in Videos zu Wort gemeldet und ihre eigenen Armutserfahrungen geteilt. Die vielen Reaktionen der jungen Menschen darauf zeichnen ein differenziertes Bild davon, was es in Deutschland bedeutet, in Armut aufzuwachsen. Am 15. September endete die Initiative mit dem Verlesen eines Offenen Briefs durch zahlreiche Prominente.

Zahlreiche Prominente haben sich am 15. September mit einem Offenen Brief an die Politik und Öffentlichkeit gewandt, mit der Forderung Kinderarmut zu stoppen. In dem Brief fordern sie, Kinderarmut zu entstigmatisieren und politisch zu bekämpfen.

Zu den Fürsprecher/-innen gehören die Influencer/-innen Hatice Schmidt, Leeroy Matata, Anderson, Just Caan, Kati Karenina, Kicki Yang Zhang, Mr Trashpack, Simon Will oder der Musiker Matondo Castlo. Auch andere bekannte Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens bringen ihre Unzufriedenheit mit dem Maß an Kinderarmut in Deutschland zum Ausdruck, u.a. Nina Bott, Frank Buschmann, Katja Burkard, Tyron Ricketts, Balbina, Hans Sarpei, Jasmin Wagner oder Timur Ülker.

Dem Offenen Brief vorausgegangen war seit Anfang August eine ganze Reihe von Videobeiträgen zahlreicher prominenter YouTuber/-innen, in denen diese eigene Armutserfahrungen schildern und ihre Community motivieren, sich selbst zum Thema Kinderarmut zu äußern.

Die insgesamt sechs Videos wurden seit dem von mehr als einer halben Million jungen Menschen angesehen und haben eine Fülle an Reaktionen hervorgerufen – sowohl in den sozialen Netzwerken als auch in Form ausführlicher Beiträge in der Kommentarfunktion der Videos. Für Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, ist die Social-Media-Initiative eine neue und gewinnbringende Erfahrung: „Armut darf nicht stigmatisieren. Mit der Initiative #StopptKinderarmut werden junge Menschenermutigt, offener über ihre Erfahrungen zu sprechen.“

Großes Mitgefühl und viel Respekt auf Seiten der Jugendlichen

Im Rahmen der Initiative haben sich viele Jugendliche geöffnet und ihre eigenen Erfahrungen mit dem Thema Armut zum Ausdruck gebracht. Dabei wurden unterschiedliche Aspekte deutlich: So waren viele junge Menschen dankbar, dass prominente Vorbilderihre eigenen Armutserfahrungen offen geteilt haben. Das Gefühl, das Tabuthema ansprechen zu können, wurde als sehr hilfreich empfunden. Zudem drückten viele Jugendliche aus, wie gefangen sie – und ihre Familien –sich in der Armutssituation fühlen, wie schwer der Ausweg ist – und wie unverschuldet das Abrutschen in Armut war. Gerade ihren Eltern zollen viele junge Menschen Respekt, die trotz widriger Umstände, alles für ihre Kinder geben. Zahlreiche Reaktionen der jungen Menschen veröffentlicht die Bertelsmann Stiftung anonymisiert in einer Broschüre.

Die Bildungsinitiative MESH Collective hat im Auftrag der Bertelsmann Stiftung die Initiative umgesetzt. Head of MESH-Collective, Julia Althoff zeigt sich bewegt von der Offenheit der jungen Menschen: „Armut bestimmt den Alltag von 2,8 Millionen Kindern in Deutschland. Mit der Social-Media-Initiative #StopptKinderarmut haben diese Kinder eine Plattform erhalten und wir hoffen, dass auch die Politik hingesehen hat.“

Dräger bekräftigt „Jetzt ist der Zeitpunkt, um gegen Kinderarmut vorzugehen“

Eine Kindheit sei zu kurz, als dass die Politik noch Jahre warten könnte. Mit Teilhabegeld gegen Kinderarmut Dräger schlägt vor, mit einem Teilhabegeld gegen Kinderarmut vorzugehen. Ziel müsse es sein, unbürokratisch den Kindern, Jugendlichen und Familien Unterstützung zukommen zu lassen, die auf Hilfe angewiesen sind. Ihre Bedarfe für gutes Aufwachsen, Bildung und Teilhabe müssen gedeckt werden, wenn das Einkommen Zuhause nicht reicht. Eine Bündelung bestehender familienpolitischer Leistungen zu einer einzigen Maßnahme sei ein erster und wichtiger Schritt. Er begrüßt deshalb, dass sich einige Parteien für eine Kindergrundsicherung starkmachen. Zusatzinformationen Mehr Informationen zu der Initiative #StopptKinderarmut finden sich unter www.stopptkinderarmut.org. Dort können auch die Videobeiträge von Anderson, Matondo Castlo, JustCaan, Kati Karenina, Leeroy Matata und der Offene Briefangesehen werden sowie ein Auftaktvideo, in dem zahlreiche Influencer/-innen und von Armut betroffene Kinder zu Wort gekommen sind.

Quelle: Bertelsmann Stiftung vom 15.09.2020

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