Corona-Aufholpaket

Niedersächsisches Kabinett beschließt Kinder- und Jugendprogramm in Höhe von 222 Millionen Euro

Ein Junge und ein Mädchen mit Stoffmasken sitzen auf einer Holztreppe.
Bild: Izzy Park - unsplash.com

Mit dem neuen Aktionsprogramm „Startklar in die Zukunft“ will das Land Kinder und Jugendliche in Niedersachsen bei der Bewältigung der Auswirkungen der Corona-Pandemie unterstützen. In- und außerhalb der Schule sollen sie zusätzliche Angebote unter anderem zur Lernförderung, psychosozialen Stabilisierung, Freizeitgestaltung, Gesundheitsförderung und gesellschaftlichen Beteiligung erhalten.

Das Land Niedersachsen wird die bundesseitige Förderung aus dem „Aktionsprogramm Aufholen nach Corona“ in Höhe von 122 Millionen Euro um 100 Millionen Euro aus dem landeseigenen COVID-19-Sondervermögen aufstocken. In den Jahren 2021 und 2022 stehen aus Bundes- und Landesmitteln damit insgesamt 222 Millionen Euro für das Kinder- und Jugendprogramm zur Verfügung, wovon rund 189 Millionen Euro in den Schulbereich und 33 Millionen Euro in den Bereich der Kinder- und Jugendhilfe fließen. Zudem sind bundesseitig 70 Millionen Euro für die frühkindliche Bildung vorgesehen, welche direkt vom Bund an die Kita-Träger beziehungsweise die Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege weitergeleitet werden.

„Ziele des Aktionsprogramms „Startklar in die Zukunft“ sind Kindern und Jugendlichen ihre Zukunftschancen zu sichern, ihnen Zutrauen zu geben und Kontakte zu ermöglichen sowie Verpasstes ohne Druck und Stress aufarbeiten zu können.“ so Sozialministerin Daniela Behrens.

Kinder und Jugendliche hätten eine Hauptlast bei der Pandemiebekämpfung getragen, nun sei es an der Zeit, ein wenig davon zurückgeben.

Förderungen im Bereich Schule

  • Die Schulen erhalten ein Sonderbudget in Höhe von 70 Millionen Euro. Alle Schulformen werden profitieren, sowohl öffentliche Schulen, wie auch Schulen in privater Trägerschaft. Es können mit dem Sonderbudget Projekte und Programme entwickelt und angeboten werden, um den Schüler(inne)n eine den Bedingungen angepasste Grundlage für erfolgreiches und gutes Lernen anzubieten. Dies beinhaltet auch den Erwerb von Kompetenzen in den Bereichen Bewegung, Sprache, Lernförderung, Gesundheit und im sozial-emotionalen Bereich. Die konkreten Projekte sollen auf die jeweilige Problem- und Bedarfslage der Schülerschaft jeder einzelnen Schule ausgerichtet sein und können mit außerschulischen Partnern durchgeführt werden. Zur Durchführung individueller Fördermaßnahmen können die Schulen aus dem Sonderbudget zudem lehrendes Personal, wie Studierende oder pensionierte Lehrkräfte, zusätzlich finanzieren.
     
  • Zusätzlich zum Sonderbudget stellt das Land zentral pädagogische Mitarbeiter/-innen im Umfang von 25 Millionen Euro ein. Damit können an den rund 3.000 Schulen zirka 3.000 Kräfte eingesetzt, beziehungsweise Verträge auf 450-Euro-Basis verlängert werden. Die pädagogischen Mitarbeiter/-innen sollen bei außerunterrichtlichen Tätigkeiten, wie der Pausenaufsicht und bei der Betreuung und Beaufsichtigung von Kleingruppen, entlasten. Schulleitungen und Lehrkräfte können aber auch bei der Organisation und Durchführung von „Startklar für die Zukunft“ unterstützt werden.
     
  • 10 Millionen Euro für rund175 Schulsozialarbeiter/-innen: Dieser Bereich wird deutlich personell gestärkt, bekommt aber auch neue Aufgaben. Die Sozialpädagog(inne)n sollen sich durch aufsuchende Schulsozialarbeit aktiv um „abgetauchte“ Schüler/-innen kümmern, in die Familien gehen und den Kontakt zur Schule verbessern oder wiederherstellen.
     
  • Es wird zudem eine deutliche Ausweitung der Schulpsychologie um insgesamt 90 Vollzeiteinheiten geben (36 zusätzliche befristete Stellen und Budget für Schulen in Höhe von weiteren 54 Vollzeitstellen). Die Schulen können außerdem Supervisions- und Coaching-Angebote buchen. Neu hinzu kommen Fortbildungen für Beratungslehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte zur Führung von Schülergruppengesprächen und Fortbildung für Lehrer/-innen zum Umgang mit Klassen in der Pandemiesituation. Hierfür stehen fünf Millionen Euro zur Verfügung.
     
  • Die Niedersächsische Bildungscloud wird technisch weiterentwickelt und mit neuen Inhalten für die Schulen ausgestattet. Für den Ausbau des Contents fließen 14 Millionen Euro in qualitätsgeprüfte Lernprogramme für verschiedene Schulfächer. Daneben wird es in den Jahren 2020 und 2021 rund 170.000 Fortbildungsangebote für alle Lehrkräfte in Niedersachsen zur Thematik „Lernen mit digitalen Medien“ geben, sowie die Sommerferienqualifizierung, welche bereits im letzten Jahr stattgefunden hat.
     
  • Vor dem Hintergrund der neuen Delta-Variante von SARS CoV-2 und der Ermangelung von Impfangeboten für jüngere Schüler/-innen unter 12 Jahren, wird die Richtlinie „Sächliche Schutzausstattung für Schulen“ aktualisiert. Die bisherige Förderung von mobilen Luftfilteranlagen für eingeschränkt belüftbare Unterrichtsräume wird fortgeführt und durch eine weitere Fördermöglichkeit von Anlagen zur Verbesserung des regelmäßigen Lüftens ergänzt. Hierzu zählen zum Beispiel einfache Zu- und Abluftanlagen (Fensterventilatoren) oder automatisierte kontrollierte Fensterlüftungen für Klassenräume der Schuljahrgänge 1 bis 6. Diese Lösungen sind eine unkomplizierte Alternative und Flankierung des Bundesprogrammes zum Neueinbau von stationären Raumlufttechnischen-Anlagen in Einrichtungen für Kinder unter 12 Jahren. Das Bundesprogramm sieht eine Förderung von bis zu 80 Prozent bei Anschaffung und Einbau vor. Dieser Fördergrundsatz wird für die neue Landesrichtlinie übernommen, das Land wird also 80 Prozent der Kosten übernehmen, 20 Prozent übernehmen die Schulträger.

Förderungen im Bereich Kinder- und Jugendhilfe

Niedersachsen bringt im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe ein umfangreiches 11-Punkte-Programm mit einem Gesamtfördervolumen von 25 Millionen Euro aus Landesmitteln auf den Weg:

  • Förderung für Kinder- und Jugendfeste in Kommunen/Quartieren & Stadtteilen – Fördersumme: 600.000 Euro bis 2022
  • Schaffung von Jugendplätzen in Quartieren und Kommunen – Fördersumme: Vier Millionen Euro bis 2022
  • Sprach-Camps für Kinder & Jugendliche – Fördersumme: 2,2 Millionen Euro bis 2022
  • Zuschuss zu Schwimmkursen für Kinder & Jugendliche – Fördersumme: Fünf Millionen Euro bis 2022
  • Sport-& Bewegungs-Camps für Kinder & Jugendliche – Fördersumme: Fünf Millionen Euro bis 2022
  • Kunst, Kultur & Kreativität für Kinder & Jugendliche – Fördersumme: Vier Millionen Euro bis 2022
  • Digitalisierung der Kinder- & Jugendarbeit – Fördersumme: 2,5 Millionen Euro bis 2022
  • Innovations-Wettbewerb offene Kinder- und Jugendarbeit – Fördersumme: 250.000 Euro
  • Unterstützung des Ehrenamtes in der Kinder- und Jugendhilfe – Fördersumme: Eine Million Euro bis 2022
  • Förderung der Internationalen Jugendarbeit – Fördersumme: 300.000 Euro bis 2022
  • Unterstützung von Familien in konkreten Notlagen – Einrichtung eines Fonds in Höhe von 150.000 Euro

Darüber hinaus erhält das Land aus dem Aufholpaket des Bundes sieben Millionen Euro, mit denen Kindern und Jugendlichen günstige Ferien‐ und Wochenendfreizeiten sowie Jugendbegegnungen ermöglicht werden sollen. Ziel ist es, jungen Menschen ein außerschulisches Bildungsangebot zu bieten, Unterstützung zum Ausgleich der Folgen der Corona-Pandemie, sozialer Benachteiligungen und individueller Beeinträchtigungen zu leisten sowie niedrigschwellige Erholungs- und Entlastungsangebote für junge Menschen zu machen.

Die dem Sozialministerium zur Verfügung stehenden Mittel sollen dabei primär kommunalen freien und öffentlichen Trägern der Jugendhilfe zur Verfügung gestellt werden. Daneben sollen auch internationale Jugendbegegnungsmaßnahmen und Jugendberatungsangebote gefördert werden.

Detaillierte Informationen zur Umsetzung des Aufholpakets in Niedersachsen und dem Landesprogramm „Startklar in die Zukunft“ gibt es auf den Internetseiten des Niedersächsischen Kultusministeriums.

Quelle: Niedersächsisches Kultusministerium vom 06.07.2021

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