Kinder- und Jugendpolitik / Ganztagsbildung

Kinderkommission diskutiert über Bundeswehr an Schulen

Spielzeugsoldaten
Bild: Stephen Davies   Lizenz: INT 3.0 – Namensnennung – nicht kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen CC BY-NC-SA 3.0

Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages (Kiko) vereinbart für 2016 die Schwerpunktthemen Militär, Kinderarmut und Kinder- und Jugendhilfe. In einem ersten Fachgespräch wurden die Nachwuchsprobleme der Bundeswehr und die zunehmende Werbung an Schulen und Kindergärten thematisiert. Außerdem wechselte turnusgemäß der Vorsitz.

Die Kinderkommission (Kiko) startete am 13. Januar 2016 in das neue Jahr. Neben einem öffentlichen Fachgespräch zum Thema Bundeswehr in Schulen und Kindergärten fand der turnusgemäße Vorsitzwechsel statt. Der Abgeordnete Norbert Müller (Die Linke) übernahm den Vorsitz der Kiko von Susann Rüthrich (SPD) für die nächsten zwölf Monate.

Norbert Müller neuer Vorsitzender

Der Abgeordnete der Fraktion Die Linke stellte in seiner Eingangsrede die drei Themenschwerpunkte der Kiko für das Jahr 2016 vor. Im Mittelpunkt der Beratungen werden die Themen Militär und Jugend in Deutschland, die stagnierende Kinderarmut und das System der Kinder- und Jugendhilfe stehen. Eine weitere Zielsetzung Müllers ist die Aufwertung der Kinderkommission innerhalb der Bevölkerung. 

Themen: Militär, Kinderarmut und Jugendhilfe

Im direkten Anschluss an den Wechsel des Vorsitzes  fand das erste Expertengespräch mit dem Thema "Bundeswehr in Schulen und Kindergärten" statt. Das Thema wird in den vergangenen Jahren gesellschaftliche zunehmend kontrovers diskutiert, nachdem die Wehrpflicht abgeschafft wurde. 

Martina Schmerr vom Hauptvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte in diesem Zusammenhang die vermehrten Werbemaßnahmen der Bundeswehr in Schulen und Kindergärten: "Die Bundeswehr zeigt sich als normaler Arbeitgeber, wie jeder andere. Das ist sie aber nicht – die Gefahren oder beispielweise post-traumatische Störungen der Soldatinnen und Soldaten werden nicht erwähnt."

Nachwuchsproblem der Bundeswehr

Seitdem die Wehrpflicht in Deutschland abgeschafft wurde, so die einhellige Meinung aller Sachverständigen, habe die Bundeswehr mit einem Nachwuchs- und Akzeptanzproblem zu kämpfen. Seitdem habe diese ihr Werbeausmaß enorm gesteigert und trete vermehrt auf Messen, Sportveranstaltungen, in Schüler- und Jugendmedien und in Form von Print-, Online- und TV-Werbung auf.

Außerdem betonte Schmerr, dass die Bundeswehr zwischenzeitlich Verträge in acht Bundesländern geschlossen habe. Mit diesen Verträgen erhalte sie privilegierten Zugang zu Schulen, Lehrerausbildung und Kindergärten. Insgesamt habe die Bundeswehr im Jahr 2015 etwa 400.000 Kinder und Jugendliche und 36.000 Lehrer und Referendare erreicht. Schmerr sagte, sie beobachte das Ziel der Bundeswehr, als attraktiver und abwechslungsreicher Arbeitgeber aufzutreten, sehr kritisch. Die Schattenseiten als Soldat oder Soldatin würden nicht beleuchtet.

Bundeswehr in der fünften Klasse

Als ehemalige Schülerin des "Von-Saldern-Gymnasiums Europaschule" in Brandenburg an der Havel berichtete die 20-jährige Lena Herenz, Studentin  von ihren frühen Erfahrungen mit der Bundeswehr: "In der fünften Klasse, mit elf Jahren, kam die Bundeswehr im mobilen Infotruck zu uns in die Schule, verteilte Infomaterial, Werbegeschenke – alles sehr imposant und groß, dem Schulalltag entfliehen." Im Laufe der Schuljahre traf sie noch mehrere Male auf Veranstaltungen der Bundeswehr in ihrer Schule – die Schulleitung habe diese immer befürwortet.

Als Kritik laut wurde und Protestaktionen von Schülern gegen die Bundeswehr und deren Veranstaltungen stattfanden, seien diese von der Schulleitung denunziert worden. Teils sei ihnen angedroht worden, sie von der Schule zu verweisen. "Schwierig war es für Schüler, die von Pro-Bundeswehr-Schülern angefeindet oder sogar verprügelt wurden."

Experte: Werbung mit Kindern problematisch

Die Werbemaßnahmen in Form von Ferien- und Abenteuercamps für Kinder und Jugendliche kritisierte auch Thomas Mickan von der Informationsstelle Militarisierung e. V. hart. Als Beispiel stellte er ein sogenanntes "Abenteuer-Camp" der Bundeswehr vor, mit dem potentielle Nachwuchssoldaten umworben werden sollen. 

Kinder würden dabei vereinnahmt und instrumentalisiert, so Mickan, und in absehbarer Folge zum Spielball der politischen Debatte werden. Die Konfrontation mit Krieg, Tod, aber auch Friedensbildung müsse stattfinden, aber: "Der richtige Ort dafür sind Schulen und ausgebildete Lehrkräfte. Nicht: Kinder malen sich mit Tarnschminke an, Robben auf dem Boden und sitzen am Lagerfeuer", wie es die Werbefotos suggerierten. Nicht nur Werbung für Kinder, sondern auch Werbung mit Kindern sei problematisch.

Minderjährige Rekruten bei der Bundeswehr

Das nächste öffentliche Expertengespräch der Kinderkommission findet am 27. Januar 2016 zum Them "Minderjährige Rekruten bei der Bundeswehr" statt. Eingeladen sind Frank Mischo von der Kindernothilfe e. V., Ralf Willinger von terre des hommes und Kapitänleutnant Sebastian Vagt, Jugendoffizier bei der Bundesmarine. 

Quelle: Deutscher Bundestag vom 13.01.2016 und 20.01.2016

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