Kinder- und Jugendpolitik / Sozialpolitik

Kinderarmut: „Finanzielle Armut ist nicht selbstverschuldet“

Kleingeld in Kinderhänden
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Anlässlich des internationaler Tages für die Beseitigung der Armut am 17. Oktober 2019 spricht Alexander Mavroudis, Leiter der Koordinationsstelle Kinderarmut des Landschaftsverbands Rheinland, im Interview über die Auswirkung von Armut auf den Alltag von Kindern und Jugendlichen und gibt Tipps, was jede/-r einzelne gegen Kinder- und Jugendarmut tun kann.

Alexander Mavroudis, Leiter der Koordinationsstelle Kinderarmut des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), im Interview über Kinderarmut.

Die Vereinten Nationen erklärten 1992 den 17. Oktober zum Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut. Wie steht es aktuell um die Kinder- und Jugendarmut in Deutschland?

„Einerseits gibt es inzwischen viele verschiedene sozialpolitische Initiativen zum Thema Kinderarmut. Andererseits bleiben die Armutszahlen trotz wachsender Konjunktur in den letzten Jahren relativ konstant: Etwa 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen wachsen in Deutschland in finanzieller Armut auf. Das ist sehr beunruhigend und zeigt, dass mit den bisherigen Maßnahmen noch nicht wirklich die Ursachen von Armut angegangen wurden, zu denen zum Beispiel der Niedriglohnsektor gehört.“

Wie wirkt sich Armut konkret auf den Alltag eines Kindes oder Jugendlichen aus?

„Finanzielle Armut kann die Teilhabe in allen Bereichen des Aufwachsens beeinträchtigen. Kinder und Jugendliche haben das Gefühl, einen unsichtbaren „Armutsrucksack“ zu tragen, der behindert, sie runterdrückt. Ein Beispiel: Wer nicht an sportlichen Aktivitäten oder Freizeitangeboten teilnehmen kann und wenig Zuversicht in die Zukunft hat, fühlt sich ausgeschlossen.“

Was tut die LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut, um die Folgen von Kinder- und Jugendarmut abzumildern?

„Wir arbeiten eng mit den Jugendämtern der Kommunen im Rheinland zusammen und unterstützen sie dabei, Hilfen für Kinder, Jugendliche und Familien bedarfsgerecht auszubauen und besser aufeinander abzustimmen. In Netzwerken der Kommunen tauschen engagierte Fachkräfte kontinuierlich Wissen und Erfahrungen aus. Die Präventionsarbeit des LVR und der Jugendämter unterstützt gelingendes Aufwachsen – verändert aber nicht die finanzielle Armut der Familien.“

Was kann jeder einzelne gegen Kinder- und Jugendarmut tun?

„Da hätte ich drei ganz konkrete Tipps: Erstens armutssensibel sein, also nicht die Augen vor finanzieller Not verschließen, beispielsweise, wenn in der Schule Klassenfahrten oder Ausflüge geplant werden. Zweitens versuchen, Stigmatisierungen zu verhindern: Finanzielle Armut ist eben in der Regel nicht selbst verschuldet. Drittens, den Menschen wertschätzend begegnen und dort Unterstützung anbieten, wo sie selbst diese wünschen. Sie sind Experten in eigener Sache und können deshalb am besten sagen, welche Hilfen sie benötigen. Deshalb ist Beteiligung ganz wichtig!“

Weitere Informationen zum Thema finden sich auf der LVR-Webseite www.kinderarmut.lvr.de

Quelle: Landschaftsverband Rheinland vom 15.10.2019