Kinder- und Jugendpolitik / Kinder- und Jugendhilfetag

Kinder- und Jugend(-hilfe) Monitor 2017: Qualitäts-Plus für Kitas und Gesamtschulen gefordert

Kindergruppe in einer Reihe
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Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ hat den "Deutschen Kinder- und Jugend(-hilfe) Monitor 2017" vorgestellt. Deutschland bietet Kindern und Jugendlichen gute Start-Chancen fürs Leben – den meisten jedenfalls: Denn es gehören immer noch rund 3,7 Millionen der Unter-18-Jährigen zu den Verlierern der jungen Generation.

"Sie sind sozial abgehängt – durch Eltern ohne Berufsausbildung, ohne Job. Oder durch Elternhäuser, die von Armut bedroht sind", sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ, Prof. Dr. Karin Böllert am 20. März in Berlin bei der Vorstellung des "Deutschen Kinder- und Jugend(-hilfe) Monitors 2017".

Die AGJ legte damit einen "Chancen-Check" für die bundesweit rund 22 Millionen Kinder und Jugendlichen im Alter von 0 bis 27 Jahren vor. Anlass ist der 16. Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag (DJHT), zu dem in der kommenden Woche mehr als 30.000 Besucher auf dem Messegelände in Düsseldorf erwartet werden. Er steht unter dem Motto "22 Mio. junge Chancen – gemeinsam. gesellschaft. gerecht. gestalten."

Kita-Qualitätsoffensive

Zu einer gerechteren Gesellschaft gehört für die AGJ eine Neujustierung des Kindergeldes: "Eltern mit geringem oder keinem Einkommen müssen künftig besser gefördert werden. Armut darf nicht länger vererbt werden", so Böllert. Wichtig für die Start-Chancen seien aber auch die Kitas. Ein Schwerpunkt des DJHT werde in der kommenden Woche deshalb eine Kita-Qualitätsoffensive sein.

Ziel sei es, eine deutliche Verbesserung der Erziehung, Bildung und Betreuung zu erreichen. Dazu müsse es vor allem kleinere Gruppen – also eine bessere Erzieher-Kind-Relation – geben. "Für 2- und 3-Jährige ist es ideal, wenn sich eine Erzieherin lediglich um vier Kinder kümmert. Die meisten Gruppen sind heute allerdings größer", sagte Karin Böllert. Damit gebe es einen enormen Nachholbedarf beim Personal. Dies beginne bereits bei den Leitungen der Kitas. Hier fehlten bundesweit rund 21.800 Vollzeitkräfte, die sich intensiv um das Kita-Management, um neue Konzepte und Elterngespräche kümmerten.

Unzufrieden zeigte sich die AGJ mit der Flüchtlingskinder-Quote in den Kitas: "Die Chance auf Integration per Kita ist enorm wichtig. Aber genau diese Chance wird heute viel zu oft verschenkt. Denn die meisten Flüchtlingsfamilien wissen gar nicht, dass ihre Kinder ein Recht auf einen Kitaplatz haben", sagte Karin Böllert. Dies müsse den Flüchtlingsfamilien offensiv gesagt werden – und zwar in deren Landessprache.

"Mit jedem Kind, das seine Kita-Chance verpasst, ist auch eine wertvolle Integrations-Chance vertan. Das Lernen der Sprache – und damit ein wichtiger Schritt in unsere Gesellschaft – fängt nicht erst mit der Schulpflicht in der Schule an", so die AGJ-Vorsitzende. Ziel müsse es daher sein, möglichst viele der rund 120.000 Flüchtlingskinder unter sechs Jahren in einer Kita zu betreuen – im Idealfall durch Ganztagsplätze. Böllert kündigte an, dass die Integration von jungen Flüchtlingen ein weiterer Schwerpunkt des Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages sein werde.

Qualitätsoffensive auch für Ganztagsschulen

Eine deutliche Kritik der AGJ trifft die Ganztagsschulen: "Sie sind heute nicht in der Lage, das oft starke Niveaugefälle, das durch drastische Bildungsunterschiede in Elternhäusern gegeben ist, auszugleichen. Beim Ziel, Kindern hier gleiche Start-Chancen zu geben, ist die Ganztagsschule gescheitert. Sie schafft es bislang nicht, Bildungsbenachteiligung zu beseitigen", so Karin Böllert. Die AGJ-Vorsitzende forderte deshalb auch für Ganztagsschulen eine Qualitätsoffensive. Dabei müssten verstärkt auch die Bedürfnisse der Kinder und die Wünsche der Eltern berücksichtigt werden: "Vom Internet-Führerschein bis zur gezielten Berufsberatung – Ganztagsschulen sollten vom 08/15-Stundenplan auf lebensnahe und innovative Inhalte umschalten und dabei Kinder und Eltern mitnehmen", forderte Karin Böllert. Hierzu werde der DJHT eine Fülle von Ideen und Konzepten präsentieren.

Politische Bildung als Pflichtfach an Schulen

Zudem sprach sich die AGJ-Vorsitzende für einen stärkeren "Polit-Impuls" an Schulen aus: Angesichts eines wachsenden Rechtspopulismus müssten Kinder und Jugendliche immer wieder vom Wert der Demokratie überzeugt werden. Die AGJ forderte deshalb, die politische Bildung zum Pflichtfach an Schulen zu machen. Jugendliche sollten zudem früher in der Politik mitmischen und eine "Mitmach-Demokratie" erleben. Dazu sei es notwendig, 16-Jährige schon bei allen Wahlen mitbestimmen zu lassen. Auch das Wahlalter werde Thema auf dem 16. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag sein.

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Über den 16. DJHT

Als größter "Jugendhilfe-Gipfel Europas" bietet der DJHT vom 28. bis 30. März in Düsseldorf mehr als 250 Veranstaltungen. Dabei wird es auf rund 20.000 Quadratmetern Messe-Ausstellungsfläche um Trends gehen. Ebenso um aktuelle und brisante Fragen der Kinder- und Jugendhilfe sowie der Jugendpolitik. Der DJHT ist Praxis-Schau und Fachkongress. Eröffnet wird er am Dienstag der kommenden Woche (28. März) von Bundesjugendministerin Manuela Schwesig, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel und der AGJ-Vorsitzenden, Prof. Dr. Karin Böllert.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ vom 20.03.2017

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