Schulschließung

Kinder brauchen andere Kinder für ihre Entwicklung

Zwei Kinder sitzen draußen auf einer Treppe, lesen ein Zettel durch, das Mädchen hält einen Bleistift in der Hand
Bild: Rachel - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die Lebensqualität und psychische Gesundheit von Kindern setzen während des zweiten Lockdowns ihre Abwärtsspirale fort. Die seelischen Belastungen von Familien müssen ernst genommen werden, fordert die evangelische arbeitsgemeinschaft familie.

Der zweite Lockdown bringt Familien zunehmend an ihre Belastungsgrenze. Zuletzt zeigte die COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, dass sich Lebensqualität und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland im Verlauf der Corona-Pandemie weiter verschlechtert haben. Die Größenordnungen sind immens: Wenn wahrgenommene psychische Gesundheitsprobleme bei 7- bis 17-Jährigen in der Pandemie um acht Prozentpunkte ansteigen, entspricht dies etwa 500.000 Kindern und Jugendlichen. Auch Angststörungen und Verhaltensauffälligkeiten haben in erheblichem Maße zugenommen. Mütter und Väter können diese Probleme nicht immer ausreichend auffangen, vor allem nicht, wenn sie selbst stark belastet sind.

Kinder brauchen andere Kinder

Aus Sicht der evangelischen arbeitsgemeinschaft familie (eaf) braucht es unbedingt verlässliche Perspektiven, damit Eltern ihren Kindern soziale Kontakte und Lernen in möglichst sicherer Umgebung ermöglichen können. Langfristige Konzepte sollten Schulen und Kitas den Rahmen für pragmatische und kreative Ansätze vorgeben. Kinder brauchen andere Kinder für ihre Entwicklung. Eltern können diese notwendigen Erfahrungen mit Gleichaltrigen nicht ersetzen. Auch für die Eltern ist es sehr belastend, ihren Kindern diese Kontakte nicht ermöglichen zu können.

Dr. Martin Bujard, Präsident der eaf, begrüßt die geplante schrittweise Öffnung der Grundschulen und fordert, dass sich Schulen und auch Kitas in Anbetracht des dynamischen Infektions­geschehens besser auf wechselnde Situationen einstellen: „Dabei muss aus unserer Sicht viel mehr an die Kinder gedacht werden, für die sich die Ausnahmesituation bereits schier unendlich ausdehnt. Kinder haben ein anderes Zeitgefühl als Erwachsene. Viele Kinder und Jugendliche sind bedrückt, verunsichert und einsam, bei manchen entstehen psychische Erkrankungen. Längere Kita- und Schulschließungen haben nicht nur Nachteile für den Bildungserfolg, sie hemmen auch die Persönlichkeitsentwicklung. Kinder müssen sich darauf verlassen können, dass ihnen regelmäßige soziale Kontakte zu Gleichaltrigen, aber auch zu Lehrpersonen und Erziehenden ermöglicht werden. Dafür müssen endlich flexible Hygienekonzepte mit systematischen Testungen und geeignete Technologien wie Luftfilter genutzt werden.“

Schulöffnung bietet Perspektive

Die Rückkehr in Schulen und Kitas anhand nachvollziehbarer Kriterien müsse weiter absolute Priorität haben. Solange die Infektionslage komplette Schulöffnungen noch nicht ermöglicht, sollte zumindest wöchentlicher Wechselunterricht stattfinden, auch schon sehr bald für ältere Kinder. Denn dadurch und in Kombination mit Hygienekonzepten sind die Infektionswege deutlich reduziert. Umgekehrt bietet bereits Wechselunterricht den Kindern eine Perspektive, ihre Freunde und ihr Schulumfeld wieder zu sehen. „Millionen von Schülerinnen und Schülern waren zuletzt Mitte Dezember in der Schule, vor mehr als zwei Monaten. Die Belastung der Kinder steigt nach so langer Zeit rapide an, wir müssen ihnen nun konkrete Perspektiven bieten“, so Bujard.

Quelle: evangelische arbeitsgemeinschaft familie e. V. vom 19.02.2021

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