Kinder- und Jugendpolitik / Jugendforschung

Jugendstudie 2020: Was interessiert und bewegt Jugendliche in Baden-Württemberg?

Jugendliche halten frabige Schilder hoch auf denen Icons mit hochgestrecktem Daumen zu sehen sind
Bild: rawpixel.com

Familie, Gesundheit und Freundschaften sind Themen, die den Jugendlichen in Baden-Württemberg besonders wichtig sind. Das zeigt die Jugendstudie 2020, in der über 2.300 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 12 und 18 zu ihren Ansichten, Wünschen und Vorstellungen befragt wurden. Die Jugendstudie wurde vom Kultusministerium initiiert und erscheint bereits seit 2011. Sie wird in Kooperation mit der Jugendstiftung Baden-Württemberg und dem Landesschülerbeirat erstellt und liefert Einblicke in die Lebenswelt junger Menschen.

Der Landesschülerbeirat (LSBR), die Jugendstiftung Baden-Württemberg und das Kultusministerium haben die fünfte Jugendstudie Baden-Württemberg veröffentlicht. In dieser haben sich insgesamt 2.311 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 12 und 18 zu einem breiten Spektrum an Themen geäußert: Freundschaft, Geld, Medien, Schule, Freizeit, Engagement, Werte und Zukunft gehörten – wie auch in der Vorgängerstudie von 2017 – zum Fragenkatalog sowie zum ersten Mal auch die Themen „Ab ins Ausland – oder?“ und „Politik und du“. Staatssekretär Volker Schebesta hebt die Bedeutung der Jugendstudie hervor: „In der Jugendstudie geben uns die Schülerinnen und Schüler interessante Einblicke in ihr Leben: Was denken sie? Was wünschen sie sich? Und welche Vorstellungen haben sie? Aus diesem Wissen können wir wichtige Rückschlüsse für die Jugend- und Bildungspolitik ziehen.“

Familie, Gesundheit und Freundschaften sehr wichtig

In Bezug auf die Studie von 2017 sind die Ergebnisse der Jugendstudie 2020 stabil geblieben. So zeigt die vorliegende Studie, dass den Jugendlichen Familie, Gesundheit und Freundschaften sehr wichtig sind. Für jeweils 91,6 Prozent, 86,1 Prozent und 78,1 Prozent der Befragten sind das drei der fünf wichtigsten Themen in ihrem Leben. 80,4 Prozent der befragten Jugendlichen fühlen sich in ihrer Schule wohl, 84,1 Prozent in ihrem Klassenverband.

Außerdem engagiert sich ein Drittel der Jugendlichen in Baden-Württemberg ehrenamtlich. Politische Themen sind für 65,6 Prozent der befragten Jugendlichen „wichtig“ (54,3 Prozent) oder „sehr wichtig“ (11,3 Prozent). Zugleich geben 22,7 Prozent der Befragten an, dass sie mit der Demokratie in Deutschland unzufrieden sind. Hier zeigt sich ein deutlicher Geschlechterunterschied: Während diese Meinung 27,7 Prozent der Jungen teilen, liegt dieser Anteil bei den Mädchen bei lediglich 17,6 Prozent. Gefragt nach jugendgerechten Angeboten zur politischen Bildung sehen 53,8 Prozent der Jugendlichen Defizite. Über 76 Prozent nehmen zudem außerhalb der Schule nicht an Angeboten zur politischen Bildung teil. „Diese Ergebnisse zeigen: Vielen Jugendlichen sind politische Themen wichtig. Sie wollen mitgestalten und engagieren sich ehrenamtlich“, sagt Staatssekretär Schebesta und führt aus: „Dennoch zeigt sich, dass wir alle – auch über das System Schule hinaus – dazu aufgefordert sind, nach Lösungen zu suchen, damit sich noch mehr Schülerinnen und Schüler von politischen Angeboten angesprochen fühlen.“

Berufswünsche und Auslandsaufenthalte

Bei den Berufswünschen bleiben geschlechtsstereotype Vorstellungen nach wie vor deutlich erkennbar. Für Berufe aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) interessieren sich hauptsächlich die Jungen. Genau umgekehrt sieht es bei den Mädchen aus: Sie sind vor allem an Berufsfeldern wie Soziales und Pädagogik, Gesundheit, Medizin und Schönheit sowie Kunst, Kultur und Gestaltung interessiert. Beim Thema Auslandsaufenthalt ist die Schule ein wichtiger Katalysator – weit vor anderen Angeboten: Knapp 40 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler waren mit ihrer Schulklasse im Ausland und fast 15 Prozent haben an einem Schüleraustausch teilgenommen.

Mit 1,8 Prozent war nur ein sehr geringer Anteil der Jugendlichen Baden-Württembergs noch nicht im Ausland. „Dass so viele Jugendliche über schulische Angebote bereits im Ausland waren, ist ein sehr positives Ergebnis. Denn Klassenfahrten und Jugend- und Schüleraustausche stärken nicht nur die Sprachkompetenz: Sie sind für die Schülerinnen und Schüler vor allem eine spannende Möglichkeit, über den Tellerrand zu blicken – und damit eine große persönliche Bereicherung“, sagt Staatssekretär Schebesta.

Zur Durchführung der Jugendstudie

Die Jugendstudie wurde mithilfe eines Fragebogens durchgeführt. Diesen haben zufällig ausgewählte Klassen oder Kurse aus nahezu allen Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs ausgefüllt. Die Stichprobe, die insgesamt 2.311 Schülerinnen und Schüler umfasst, orientiert sich an den vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg erfassten Schülerzahlen an allgemeinbildenden weiterführenden Schulen für das Schuljahr 2017/18 und bildet die dortige Verteilung der Schülerinnen und Schüler auf die einzelnen Schularten annähernd ab: So besuchen 6 Prozent der Befragten Haupt- und Werkrealschulen und 37 Prozent Realschulen, 47 Prozent gehen aufs Gymnasium und knapp 10 Prozent auf Gemeinschaftsschulen. Alle Jugendlichen wurden in drei Altersgruppen aufgeteilt: 12 bis 14, 15 bis 16 und 17 bis 18 Jahre.

Das Kultusministerium und Jugendliche aus dem Vorstand des LSBR haben das Design der Studie und den Fragebogen gemeinsam entwickelt. Die Struktur der Befragung und die Fragen zu den einzelnen Themen sowie die Anzahl der Befragten wurden im Vergleich zur vergangenen Studie von 2017 weitgehend beibehalten. Dadurch können die Ergebnisse der Jugendstudie 2020 mit den Ergebnissen der Vorgängerstudien über einen Zeitraum von neun Jahren verglichen werden.

Die Ergebnisse der Jugendstudie sind sowohl für schulinterne als auch für schulexterne Lehr- und Fachkräfte der Jugendbildung interessant – und natürlich für Jugendliche selbst, die die Ergebnisse der Jugendstudie entweder im Politikunterricht diskutieren oder mit einer selbst durchgeführten Befragung auf Basis des Fragebogens der Studie vergleichen können. Zudem können sich die Eltern darüber informieren, was Jugendliche interessiert und bewegt. Das Gleiche gilt für das Entscheidungsmanagement von Trägern der Jugendbildung, von Verwaltungen und beratenden Gremien.

Download der Studie

Die PDF-Version der kompletten Jugendstudie 2020 (108 Seiten, 3,9 MB) steht zum freien Download zu Verfügung.

Die nächste Jugendstudie wird voraussichtlich 2022 erscheinen.

Quelle: Staatsministerium Baden-Württemberg vom 02.07.2020

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