6. Armuts- und Reichtumsbericht

Jugendliche rausholen aus der Armutsspirale

Bild: rawpixel.com   Lizenz: CC0 / Public Domain eigene Arbeiten

Caritas-Präsident Peter Neher fordert anlässlich der Beratung des Sechsten Armuts- und Reichtumsberichtes im Bundestag, dass sich Politik und Zivilgesellschaft schlüssige Konzepte überlegen, um verfestigte Armut zu überwinden.

„Es ist sozialpolitisch hoch bedenklich, dass es vielen Menschen nicht gelingt, aus der Armutsspirale auszusteigen." so Peter Neher.

Große Sorgen bereite ihm vor allem der hohe Anteil von Jugendlichen, die sich auch im jungen Erwachsenenalter nach Abschluss der Schule in derselben schlechten sozialen Lage wiederfinden wie ihr Elternhaus.

„Der Übergang von der Schule ins Erwerbsleben darf nicht zum Nadelöhr im Lebenslauf werden. Die Orientierung auf dem Arbeitsmarkt muss auch für die Jugendlichen gelingen, die bislang vor allem Armut und Langzeitarbeitslosigkeit kennengelernt haben", so Neher weiter. „Gerade unter den Bedingungen der Pandemie war das letzte Schuljahr und die Suche nach einem Ausbildungsplatz erheblich erschwert. Aus ihnen darf keine „Generation Corona" werden, in deren Erwerbsbiographie die Spuren der Covid-Krise dauerhaft nachwirken."

Soziale Angebote bundesweit ausbauen

Die Menschen brauchen niedrigschwellige Angebote in allen Regionen in Ost- und Westdeutschland. Dringend müsse die soziale Daseinsvorsorge als Angebot der Armutsprävention ausgebaut werden.

„Unsere aktuelle Studie zu den Babylotsen zeigt beispielsweise, wie wichtig der Einsatz von frühen Hilfen ist. Hier brauchen wir einen flächendeckenden Ausbau, damit junge Familien rund um die Geburt verlässlich Beratung und Begleitung erhalten", fordert Neher.

Nötig sei auch ein gut ausgebautes Netz an Familienpflege und Kinderbetreuung im Vorschul- und Grundschulalter sowie mehr Schulsozialarbeit und Jugendarbeit.

Grundsicherung muss anders werden

Besorgniserregend sei die hohe Sockelarbeitslosigkeit und die mangelnde Förderung von Langzeitarbeitslosen und ihren Familien.

„Die nächste Bundesregierung muss schnell die Grundsicherung so reformieren, dass Langzeitarbeitslose einen Zugang zu guter Beratung und passgenaue längerfristige Förderung erhalten. In der Arbeitsmarktpolitik gehört die Qualifizierung, Weiterbildung und Umschulung ins Zentrum, damit Menschen bei der Digitalisierung der Arbeitswelt nicht zu Verlierern werden", so Neher.

Bildungs- und Teilhabepaket kommt nicht an, wo es gebraucht wird

Grundsicherungsempfänger/-innen seien stark in der sozialen Teilhabe eingeschränkt. „Wir wissen aus unserer Beratung, dass das Bildungs- und Teilhabepaket viel zu wenig bei Kindern und Jugendlichen ankommt. Hier ist der Staat jetzt in einer Bringschuld", unterstreicht Neher.

Quelle: Deutscher Caritasverband vom 25.06.2021

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