Kinder- und Jugendpolitik / Digitalisierung

Digitale Jugendbeteiligung: was? wie? #OPIN

Tisch mit Laptops von oben
Bild: © Rawpixel - Fotolia.com

Ein verhältnismäßig neuer Ansatz ist Partizipation durch Onlinemedien. Das Team von EUth entwickelt die Software OPIN, bei der bereits bestehende Tools zusammengeführt und jugendgerecht gestaltet sowie durch Tipps und Beratung ergänzt werden. Was zählt aber als ePartizipation und was bleibt nur ein „Like“? In seinem Fachbeitrag stellt Evaldas Rupkus die Grundlagen von ePartizipation vor und beschreibt die Entwicklung und die Potenziale der neuen Beteiligungssoftware.

Jugendbeteiligung wird in zwei unterschiedlichen Weisen betrachtet: als ein eigenständiges Thema, das besonders vor Wahlen wichtig wird, oder als eines der integralen Prinzipien von Jugendarbeit überhaupt. Politikwissenschaftler sowie viele Jugendarbeiter/-innen und -forscher sind sich einig, dass sich die traditionellen Formen der politischen Partizipation im Wandel befinden. Die Ausübung des Wahlrechts durch Jugendliche ist niedrig, der Grad ihrer Mitbestimmung auch. Medienpädagogen widersprechen dem und deuten die Beteiligung von Jugendlichen in sozialen Medien als aktive, indirekte ePartizipation.

EUth – Tools and Tips for Mobile and Digital Youth Participation

Deswegen versucht das durch das EU-Programm „Horizont 2020“ geförderte Innovations- und Forschungsprojekt „EUth – Tools and Tips for Mobile and Digital Youth Participation in and across Europe“ dieser Situation ganzheitlich zu begegnen. Hierfür wird die Toolbox OPIN entwickelt, die als Plattform für ePartizipationsprozesse dient. Dabei wird das mobile Element Flashpoll mit der bewährten Software Adhocracy zusammen gebracht. Im Lauf des dreijährigen Projektes tragen drei Feedback-Runden durch fünf europaweite Pilotprojekte zur Verbesserung der Plattform bei. Nach erfolgter Zielgruppenforschung stehen wird man zudem Tipps und Guidelines für die Initiatoren von Partizipationsprojekte zur Verfügung.

„Onlineprozesse können nicht ohne offline Unterstützung und Veranstaltungen gelingen“, sagt das EUth-Projektteam, das von 11 Partnerorganisationen aus 8 EU Länder getragen wird. Daher wird ein Tool entwickelt, bei dem nach Ausfüllen eines Fragenbogens automatisch Online-Tools als und Tipps für Offline-Aktivitäten vorgeschlagen werden. Die Entwicklung soll Ende 2017 abgeschlossen sein.

Bild: Isabel Kiesewetter

Was ist ePartizipation?

ePartizipation ermöglicht Bürgern die Teilnahme und den Einfluss auf Entscheidungen. Noch mehr - es ist inter-aktive Online-Politikgestaltung, wie es das IJAB Projekt „Youthpart“ im Jahr 2014 definiert. Sie wird zwischen direkt (transitiv) und indirekt unterschieden. Das bedeutet, dass die Beteiligungsprozesse in ein Entscheidungsfindungsverfahren eingebettet und die Teilnahme direkte Wirkung auf Entscheidungsprozesse hat. Indirekt beteiligt man sich aber fast täglich durch unterstützen bestimmter Positionen oder Themen in z.B. sozialen Medien. 

Das IJAB-Projekt „Youthpart“ hat im Jahr 2014 neben den allgemeinen Prinzipien in den „Youthpart“ Guidelines für gelingende ePartizipation Jugendlicher (pdf 572 KB) auch die Struktur von ePartizipationsprozessen beschrieben. Das Phasenmodel beschreibt Entwicklungs-, Umsetzungs-, Zugangs- und Informations-, Input- und Dialog-, Output- und Ergebnis- sowie Auswertungsphasen, damit ein digitales Beteiligungsverfahren erfolgreich sein kann. Weitere sieben gute Gründe zur ePartizipation Jugendlicher stellt das Kooperationsprojekt jugend.beteiligen.jetzt detailliert vor.

OPIN - eine Toolbox für europäische Onlinebeteiligungsprojekte für Jugendliche

Damit auch Anfänger professionelle und gelingende Projekte starten können, baut das Projekt EUth eine Toolbox auf. Sie berücksichtigt die genannten Prinzipien für gelingende ePartizipation und verbindet Online- mit Offline-Methoden. OPIN ist eine webbasierte Plattform für digitale und mobile Jugendbeteiligung, die unkompliziert in die Webseiten von Jugendorganisationen oder öffentlichen Verwaltungen eingebettet werden kann.

OPIN gibt Beteiligungsprojekten eine digitale Heimat. Alle Stadien des Projekts sind auf der Plattform transparent und werden durch die Software von OPIN unterstützt:

  • Funktionen für die digitale und die mobile Beteiligung
  • Einfache Einbettung des Beteiligungsprozesses auf der Website
  • Intelligentes Kommunikationsmanagement
  • Integration von Offline-Veranstaltungen
  • Multimediale Information zum Projekt 

Die OPIN-Features garantieren eine hohe Beteiligungsqualität. Praktische Tipps und ein Projektmanagement-Tool helfen, die richtigen Beteiligungswerkzeuge zu finden und unterstützen bei der Planung des Beteiligungsprozesses.

Folgende Funktionalitäten sind schon auf OPIN.me zu finden:

  • Gemeinschaftliche (kollaborative) Textarbeit
  • Ideensammlung
  • Mobile Umfragen
  • Mapping (Karten)
  • Social-Media Funktionen (Nutzer-Profile, Benachrichtigungen) 

OPIN Entwicklung

Die OPIN Plattform und ihre Features werden im Rahmen des Europäischen Innovationsprojekts „EUth - Tools and Tips for Mobile and Digital Youth Participation in and across Europe“ entwickelt. Das Projekt begann im März 2015 und endet März 2018 und wird im Horizont 2020 Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union gefördert. OPIN wird mithilfe der Rückmeldung von Pilotprojekten verbessert und sieht 3 Iterationen bis 2018 vor.

www.OPIN.me wird von Piloten in unterschiedlichen europäischen Ländern genutzt, ihr Feedback wird ausgewertet und trägt zur Verbesserung in der nächstfolgenden Iteration bei. Ab Mai 2017 können sich auch weitere Nutzer an info@opin.me melden und ein Angebot erhalten.

Noch mehr digitale Jugendbeteiligung

jugend.beteiligen.jetzt – für die Praxis digitaler Partizipation ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) und IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. Das Projekt ist initiiert und gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Das Projekt www.jugend.beteiligen.jetzt stellt auf dieser Online-Plattform Erfahrungen und Tools gebündelt zur Verfügung. Es unterstützt durch Wissen zu digitalen Werkzeugen, Prozessen und Methoden der Beteiligung. Es verlinkt auf bestehende Netzwerke und Qualifizierungsangebote und zeigt gute Beispiele aus der Praxis ausgewählter digitaler Jugendbeteiligungsprojekte.

Vernetzen – digital und im Summit

Das EUth Projekt lädt die ePartizipationsgemeinschaft zu einem Summit am 7. und 8. Dezember 2017 in Berlin ein. Forschende, Praktizierende und alle Interessierte werden sich mit Fragen der digitalen Jugendbeteiligung auseinandersetzen und Ergebnisse von EUth analysieren, um diese für die weitere fachliche Debatte auf europäischer Ebene zur Verfügung stellen zu können. Bis dahin stehen die Facebookgruppen „ePartizipation“ in deutscher und „eParticipation“ in englischer Sprache für die fortlaufende Information und den fachlichen Austausch zur Verfügung.

EUth Projekt und Partner

Das Projekt „EUth - Tools and Tips for Mobile and Digital Youth Participation in and across Europe“ wird finanziert im Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union unter der Bewilligungsvereinbarung Nr. 649594.

Projektkoordinator ist NEXUS Institut für Kooperationsmanagement und interdisziplinäre Forschung (Deutschland). Weitere Partner sind: Alfstore (Frankreich), AEGEE – Europäisches Studierendenforum (Belgien), Development Centre of the Heart of Slovenia (Slovenien), European Youth Information and Counselling Agency ERYICA (Luxemburg), IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland), Institute of Studies for the Integration of Systems (Italien), Liquid Democracy e.V. (Deutschland), Missions Publiques (Frankreich), Royal Institute of Technology KTH (Schweden) und Danish Board of Technology Foundation DBT (Dänemark). Mehr Infos sind unter www.euth.net abrufbar.

Im Rahmen der vom Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe veranstalteten Tagung "Digitalisierung in der Kinder- und Jugendhilfe" führte Evaldas Rupkus einen Workshop zu den Möglichkeiten digitaler Jugendbeteiligung durch und stellte die Zielsetzungen und Module von EUth vor. 

Workshop-Präsentation

Über den Autor

Evaldas Rupkus ist Projektkoordinator für „EUth - Tools and Tips for Mobile and Digital Youth Participation in and across Europe“ und verantwortet das deutsche Teilprojekt bei IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. Er ist seit mehr als 10 Jahren auf lokaler, nationaler und europäischer Ebene in verschiedenen jugendpolitischen Themen tätig, u.a. für Eurodesk und ERYICA und hat als Vorstand, Berater und Trainer gearbeitet. 

Das Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe veranstaltete am 05./ 06. Dezember 2016 die Fachtagung "Digitalisierung in der Kinder- und Jugendhilfe" in Berlin. Die Veranstaltung thematisierte medienpädagogische, professions- und organisationsbezogene Fragestellungen genauso wie jugend-, bildungs- und netzpolitische Standpunkte.

Zentrale Aspekte der Diskussion werden in Form einer losen Abfolge von Fachbeiträgen unter  www.jugendhilfeportal.de/digitalisierung  dokumentiert und für die weitere fachliche Auseinandersetzung zur Verfügung gestellt.



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