U18-Wahl

Die Stimmen der Jugend aus Sachsen und Thüringen

Auf einem Bild sind fünf Glühbirnen gemalt, wovon eine leuchtet und das Wort Partizipation ist darauf gedruckt.
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Kinder und Jugendliche haben gewählt. Der Wahlsieger bei jungen Menschen aus Sachsen und Thüringen ist mit 16,72 Prozent bzw. 17,4 Prozent die AfD. Auffallend ist, dass dieses Wahlergebnis deutlich vom bundesweiten Ergebnis abweicht: hier liegen die Grünen auf Platz eins – noch vor SPD und CDU/CSU.

Die U18-Bundestagswahl wurde in Sachsen auch in diesem Jahr durch den Kinder- und Jugendring Sachsen e.V. (KJRS) als Landeskoordinierungsstelle umgesetzt. Hier waren über 220 Wahllokale in Jugendeinrichtungen, als mobile Wahllokale, bei Ferienfreizeiten und in Schulen geöffnet. 11.809 junge Menschen haben hier ihre Stimme abgegeben, damit lag die Wahlbeteiligung auf dem gleichen Niveau wie zur U18-Landtagswahl 2019.

AfD Wahlsieger in Sachsen

Der Wahlsieger AfD ist dicht gefolgt von Bündnis 90/Die Grünen mit 15,63 Prozent – hier liegen überraschenderweise zwei Parteien in Führung, die sich inhaltlich diametral gegenüber stehen. Auf den folgenden Rängen liegen die SPD (12,91 Prozent), die FDP (12,86 Prozent), die CDU (10,69 Prozent), die LINKEN (9,82 Prozent) und die Tierschutzpartei (7,22 Prozent). Die sonstigen Parteien erreichten insgesamt 14,13 Prozent. Interessant ist auch der Vergleich mit den Ergebnissen der letzten U18-Landtagswahl 2019 in Sachsen. Damals lagen die Grünen mit 27,19 Prozent vorn.

AfD gewinnt auch in Thüringen

Mit 17,4 Prozent konnte auch die AfD in Thüringen die meisten Stimmen für sich beanspruchen, dicht gefolgt von FDP und SPD mit jeweils rund 16 Prozent. Die CDU erreichte 13 Prozent, Linke und Grüne kommen auf etwa 9 Prozent. Insgesamt haben 4.454 junge Thüringer/-innen ihre Stimme abgegeben.

Zum Vergleich: Bundesweit konnten Bündnis 90/Die Grünen mit 21,02 Prozent bei den jungen Menschen am meisten punkten, gefolgt von SPD mit 19,21 Prozent sowie CDU/CSU mit 16,92 Prozent.

Wahlverhalten zeigt regionale Unterschiede

Im Detail macht die U18-Wahl große Unterschiede im Wähler/-innenverhalten zwischen städtisch und ländlich geprägten Regionen deutlich. Auf dem Land wählen sächsische Kinder und Jugendlichen eher konservativ bis rechts, in der Stadt wird eher grün oder die SPD gewählt. So liegt die AfD im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bei 20,06 Prozent (217 Stimmen), im Landkreis Nordsachsen bei 22,97 Prozent (167 Stimmen) und in Meißen bei 26,05 Prozent (162 Stimmen). In einem Wahlkreis in Bautzen entschied sich ein Drittel der U18-Wähler/-innen für die AfD. In Görlitz erreichte die Partei sogar 23,67 Prozent der Stimmen und auch in Zwickau führt sie mit 16,65 Prozent.

In der Stadt zeigt sich hingegen ein konträres Bild: In beiden Leipziger Wahlkreisen gewannen die Grünen und die SPD die meisten Stimmen. Und auch in Dresden konnten die Grünen die meisten Stimmen verzeichnen. In Chemnitz und in Mittelsachsen lag hingegen die FDP vorn, dicht gefolgt von den Grünen mit 14,73 Prozent in Chemnitz beziehungsweise der AfD mit 18,11 Prozent in Mittelsachsen.

Der Landesjugendring Sachsen ist der Meinung, dass diese Wahlergebnisse und die dahinterliegenden Unterschiede in den Lebenswelten, Wünschen und Zukunftsvorstellungen junger Menschen sowohl in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als auch und vor allem bei politischen Entscheidungen noch deutlicher bedacht werden müssen.

Jan Witza, Vorsitzender des Kinder- und Jugendring Sachsen e.V. (KJRS): „Auch wenn das sächsische Ergebnis der U18-Wahl für mich und andere mehr Fragen als Antworten birgt, so freue ich mich doch über die konstant hohe Wahlbeteiligung. Junge Menschen nehmen die Wahl ernst und erwarten ihrerseits ernst genommen und gehört zu werden. Vor diesem Hintergrund sind politische Diskussionen um eine Wahlalterabsenkung so relevant wie nie. Die Wahlberechtigung ab 16 Jahren oder sogar ab 14 Jahren, wie vom KJRS gefordert, würde der Tatsache Rechnung tragen, dass Jugendliche ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft mit eigener (politischer) Meinung sind. Ich wünsche mir, dass dies die letzte U18-Wahl zu einer Bundestagswahl war und wir zur nächsten Bundestagswahl bereits eine „U16-Wahl“ veranstalten können.“

Hintergrund

Die U18-Wahl findet immer neun Tage vor der eigentlichen Wahl statt und bietet allen Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren die Möglichkeit erste Wahlerfahrungen zu sammeln. Sie ist symbolischer Natur, der Stimmzettel entspricht jedoch dem der Bundestagswahl am 26. September. Begleitet wird sie von Veranstaltungen und Projekten zur politischen Bildung rund um die Themen Demokratie, Parteien und Staatlichkeit. Diese wichtigen pädagogischen Angebote haben unterstützenden Charakter für die Willensbildung und das Demokratieverständnis junger Menschen.

Quelle: Kinder- und Jugendring Sachsen e.V. vom 20.09.2021

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