Kinder- und Jugendpolitik / EU-Jugendstrategie

Changing Moments in Wittenberg – Strukturierte Dialoge über „Gutes Leben in Europa“

Die Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann (SPD) sitzt am Tisch und spricht mit einer Gruppe Jugendlicher.
Bild: © aej Strukturierter Dialog mit der Bundestagsabgeordneten Kirsten Lühmann (SPD).

Seit Montag weht die Europaflagge weithin sichtbar vom höchsten Stahlträger des youngPOINTreformation (yPr) in Wittenberg. Jugendliche aus Athen, die sich im Projekt „Streetlight“ engagieren, ihre Partnergruppe aus Hagen und Pfadfinder/-innen vom Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) sind in dieser Woche die Gastgeber/-innen im Begegnungszentrum der Evangelischen Jugend bei der Weltausstellung Reformation.

Sie haben ihre Themen aus der gemeinsamen Projektarbeit im Gepäck: ‚No Hate Speech‘, ‚Rechtsradikalismus in Deutschland und Europa‘, ‚Auf die Plätze gegen Hetze‘. Mit Workshops, Filmvorführungen und Diskussionsrunden für die Besucher/-innen steuerten sie auf den Höhepunkt der Europa-Woche im yPr hin: In sogenannten „Strukturierten Dialogen“ suchten die Jugendlichen am Mittwoch mit Politiker/-innen und am Donnerstag mit Kirchenvertreter/-innen gemeinsam Antworten auf die Frage nach „dem Guten Leben für alle und einem Guten Leben in Europa“.

Höhepunkte der Europa-Woche

Die Themen der Jugendlichen reichten von Diskriminierung über die Teilhabe von behinderten Menschen bis hin zum Umgang der EU und der EU-Mitgliedsstaaten mit flüchtenden Menschen. Ihnen stellten sich am Mittwoch die Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann (SPD), die Wittenberger Kreis-Vorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Dr. Reinhild Hugenroth und in Stellvertretung für den Oberbürgermeister der Stadt Wittenberg sein persönlicher Referent, Marvin Just, die sich auf intensive Gesprächsrunden einließen.

Bei Andreas Panagoulias aus Athen schlug dieses Gespräch mit den Politiker/-innen wie ein Blitz ein: „Dieser strukturierte Dialog hat meine negative Meinung über Politiker/-innen grundlegend verändert“. In Griechenland, so seine Erfahrung, komme man kaum so nah an Politiker/-innen heran. Er würde solche Gespräche gerne auch in Griechenland, seiner Heimat, führen. Dr. Reinhild Hugenroth war ebenfalls begeistert vom Austausch mit den jungen Europäer/-innen. Durch solche Projekte werde die europäische Identität unter jungen Menschen gestärkt. „Davon brauche es noch viel mehr“, so Hugenroth.

Sichtweisen der jungen Menschen nötig

Kirsten Lühmanns Fazit war: „Wir brauchen unbedingt die Gedanken der jungen Menschen“. Sie rief die Jugendlichen auf: „Geht zu euren Politiker/-innen. Stellt ihnen eure Fragen. Die brauchen eure Sichtweisen.“ Auch der persönliche Referent des Oberbürgermeisters resümierte: „Wir brauchen mehr direkte Kontakte zu jungen Menschen und Gelegenheiten des Austausches. Solche Gespräche stärken das Gute Leben.“

Am Donnerstag sprachen die Jungen Menschen aus Griechenland und Deutschland mit kirchlichen Vertretern über ihre Vorstellungen vom Guten Leben. Und die sind klar. Sie wollen mit ihren Talenten, Träumen und Plänen ernst genommen werden, eröffneten sie Frank Otfried July, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Udo Bußmann, Landesjugendpfarrer der Evangelischen Kirche in Westfalen und Christian Beuchel, Superintendent des Kirchenkreises Wittenberg, die als Gesprächspartner in den youngPOINTreformation gekommen waren.

Glaube ist nicht die erste Eintrittskarte

Wie wichtig der Glaube von jungen Menschen für sie sei, wollten die Jugendlichen dann von den Kirchenmännern hören, und wie sie es mit den anderen Religionen halten. Udo Bußmann wusste um die vielen Fragen, die junge Menschen zum Thema Glaube und Kirche bewegen. Er versicherte: „Glaube ist bei uns nicht die erste Eintrittskarte“. Frank-Otfried July bestätigte den Jugendlichen, dass der interreligiöse Dialog in der Kirche an Bedeutung gewonnen habe. Für Christian Beuchel stand am Ende fest, dass zwischen dem Athener „Streetlight“ Projekt und Wittenberg eine Partnerschaft aufgebaut werden sollte, so sehr hat ihn das Projekt begeistert. Die Jugendlichen waren von der Offenheit der Kirchenvertreter positiv überrascht und wünschten sich, dass Kirchen die Belange junger Menschen noch mehr in den Blick nehmen, sie unterstützen und in Entscheidungen mit einbeziehen, damit das Gute Leben in Europa für alle möglich wird.

Strukturierter Dialog - Instrument der EU-Jugendstrategie 

Der Strukturierte Dialog mit der Jugend ist ein Instrument der EU-Jugendstrategie. Er hat zum Ziel, auf alle Ebenen politisch Verantwortliche aus Parteien, Verwaltungen und andere Akteure der Gesellschaft zusammen zu bringen, um über Bedürfnisse, Sichtweisen und Anliegen junger Menschen ins Gespräch zu kommen. Die EU hat dafür gerade das neue Thema „Youth in Europe! What´s next?“ gesetzt und will damit junge Menschen in die Entwicklung einer Jugendstrategie nach 2018 einbeziehen. Die Ergebnisse der Gespräche in Wittenberg fließen auch in diesen Europaweiten Konsultationsprozess ein.

Weitere Informationen zum Strukturierten Dialog und zur Umsetzung der EU-Jugendstrategie stehen auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe zur Verfügung. 

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) vom 04.08.2017

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