Kinder- und Jugendpolitik / Im Fokus

Bundesjugendring: Jugendstrategie der Bundesregierung weckt große Erwartungen

Ein Junge ruft durch ein Megaphon
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Die Bundesregierung hat am 3. Dezember 2019 eine gemeinsame Jugendstrategie verabschiedet. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einer guten, ressortübergreifenden Jugendpolitik, betont der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) und fordert die gemeinsame Umsetzung sowie eine stärkere und wirkungsvollere Einbindung der Jugend in politische Prozesse. Insbesondere müsse der Jugend-Check zu einem verpflichtenden Instrument für die gesamte Bundesregierung weiter entwickelt werden.

Gemeinsam wollen die Bundesministerien künftig „gute Politik für Jugend machen, gemeinsam mit Jugend Politik gestalten und offen sein für selbstbestimmte Politik von Jugend“. Die Bundesregierung will gleichwertige Lebensverhältnisse schaffen, also allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen die gleichen Chancen und Möglichkeiten eröffnen, ihre Zukunft in allen Regionen Deutschlands mitzugestalten. Dazu sind in der Strategie neun Handlungsfelder beschrieben. Es geht um Zukunft, Generationendialog und Jugendbilder, um Beteiligung, Engagement und Demokratie, um Stadt und Land, Wohnen und Kultur. Es geht um Vielfalt und Teilhabe, um Bildung, Arbeit und Freiräume, um Mobilität und Digitales. Und nicht zuletzt geht es um Umwelt, um Gesundheit, um Europa und die Welt.

Neun Handlungsfelder für eine gute Jugendpolitik

„Die Strategie beschreibt richtige und wichtige Felder für junge Menschen“, sagt DBJR-Vorsitzender Tobias Köck und fordert: „Es kommt nun darauf an, dass die Strategie gemeinsam mit uns umgesetzt wird“. Immerhin seien knapp die Hälfte von den 14 Millionen Jugendlichen und jungen Erwachsene im Alter zwischen 12 und 27 Jahren – das sind 17 Prozent der Gesamtbevölkerung – in Jugendverbänden und Jugendorganisationen aktiv. Im Interesse der Jugend insgesamt ist dem DBJR ein Erfolg der Strategie wichtig.

Der Deutsche Bundesjugendring teilt einen großen Teil der Analyse in der Strategie: Jugend ist vielfältig, die eigenständige Lebensphase ist herausfordernd und zugleich wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung. Gesellschaftliche und politische Entwicklungen wirken stark auf die Jugend ein. Wunsch und Wille nach mehr Verantwortung wachsen bei jungen Menschen, sie haben eigene Ideen und Vorstellungen. „Jugend muss deswegen stärker und wirkungsvoller als bisher eingebunden werden“, sagt DBJR-Vorstandsmitglied Alma Kleen. Die Strategie beschreibt einige Formate und Maßnahmen, wie das geschehen kann. Manche bewertet der DBJR kritisch oder besser: Für eine Mitwirkung mit Wirkung sei noch Luft nach oben. „Konsequent wäre zum Beispiel eine Wahlaltersenkung“, sagt Alma Kleen.

Jugend konsequenter und wirkungsvoller einbinden

Der Jugend-Check kommt dem DBJR in der Strategie eindeutig zu kurz. Er wird lediglich als Beispiel aufgeführt, wie Gesetzentwürfe der Bundesregierung anhand einer standardisierten Methodik auf mögliche Auswirkungen auf die Lebenslagen junger Menschen zwischen 12 und 27 Jahren überprüft werden können. Er wird als freiwilliges Beratungs- und Unterstützungsangebot für andere Ressorts beschrieben. „Ein freiwilliger Jugend-Check ist uns zu wenig, der Jugend-Check muss ein verpflichtendes Instrument für die Bundesregierung werden“, sagt DBJR-Vorstandsmitglied Daniela Broda. Dafür will der Bundesjugendring weiter streiten.

Er kündigt an, die gesamte Strategie genau unter die Lupe zu nehmen. Vor allem die skizzierten konkreten Maßnahmen dürfen nicht alles sein, was die Bundesregierung in Gegenwart und Zukunft unternimmt, um eine gute Jugendpolitik zu machen. Ein wirklich ressortübergreifendes strategisches Ziel sei nicht erkennbar, interessante neue Ideen ebenfalls nicht. „Bei den konkreten Maßnahmen in der Strategie gibt es noch viele, die nicht ressortübergreifend gedacht sind und strategisch zusammenwirken“, sagt Tobias Köck. Sie stehen noch lose und unverbunden nebeneinander.

Informationen zur Vorstellung der gemeinsamen Jugendstrategie der Bundesregierung finden sich in der Berichterstattung auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe.

Weitere Informationen zu Hintergründen, Bausteinen und Arbeitsweise stehen außerdem auf den Sonderseiten zur Verfügung: www.jugendhilfeportal.de/jugendstrategie

Quelle: Deutscher Bundesjugendring

Der Artikel „Jugendstrategie der Bundesregierung weckt große Erwartungen“ wurde vom Deutschen Bundesjugendring erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.