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Kinder- und Jugendpolitik / Kinder- und Jugendhilfetag

AGJ veröffentlicht kinder- und jugendpolitisches Leitpapier zum Jugendhilfetag

Jugendliche unterschiedlicher Herkunft mit aufeinander gestapelten Händen
Bild: © william87 - Fotolia.com

Ziel des Leitpapiers der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ ist es den fach- und jugendpolitischen Diskurs innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe und über ihre Strukturen hinaus anzustoßen. Dabei soll das Papier einen Beitrag zu Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe leisten sowie den kritischen Austausch zwischen Politik, Theorie und Praxis befördern.

Mit dem Motto "22. mio. junge chancen. gemeinsam.gesellschaft.gerecht.gestalten." betont der 16. Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag (16. DJHT) die Bedeutung der gesellschaftlichen Verantwortung für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen und stellt dabei die Perspektive der jungen Menschen in den Mittelpunkt. 22 Millionen junge Menschen im Alter von 0 – 27 Jahren leben in Deutschland. Sie alle haben die bestmöglichen Chancen verdient und brauchen die Möglichkeit, unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Jede und jeder von ihnen ist somit eine Chance für unsere Gesellschaft.

22 mio. junge Chancen sind…

fast 11 Millionen Kinder, mehr als 2,3 Millionen Jugendliche und über 8 Millionen junge Erwachsene, die in der Bundesrepublik Deutschland leben. Sie alle sind ein Teil von knapp 141 Millionen jungen Menschen im Alter von 0 – 27 Jahren in Europa.

Jeder junge Mensch ist einzigartig. Kinder und Jugendliche wachsen in verschiedenen Lebenslagen auf. Aktuell werden in Deutschland fünf Prozent mehr Jungen als Mädchen geboren. Wichtigster Ort des Aufwachsens ist die Familie, doch familiale Lebensformen sind vielfältiger geworden. So kommen 35 Prozent aller Kinder in Deutschland in nicht-ehelichen Gemeinschaften zur Welt. 2,3 Millionen minderjährige Kinder in Deutschland werden bei einem alleinerziehenden Elternteil groß, der größte Teil von ihnen lebt bei der Mutter. Insgesamt wächst fast die Hälfte aller jungen Menschen in Deutschland mit mindestens einem Geschwisterkind auf. Rund 40 Prozent wachsen ohne Geschwister auf.

Die Ressourcenausstattung einer Familie sowie deren gesellschaftliche Anerkennung bestimmen das Maß der Förderung, das sie ihren Kindern für deren Entwicklung zukommen lassen können. Familien sind so in unterschiedlichem Maße für die Eröffnung von Teilhabechancen förderlich. So sind Haushalte von Alleinerziehenden zu über 40 Prozent von Armut gefährdet. Auch die Regionalität spielt bei der Ressourcenausstattung von Familien eine Rolle: In Ostdeutschland leben Kinder und Jugendliche beinahe doppelt so häufig in Familien, die Arbeitslosengeld II beziehen, als in Westdeutschland. Mehr als jedes dritte Kind unter 14 Jahren hat einen Migrationshintergrund. Im Vergleich zu Kindern ohne Zuwanderungsgeschichte haben sie deutlich häufiger verheiratete Eltern und mehr als einen Bruder oder eine Schwester.

Das Aufwachsen erfolgt mehr und mehr in öffentlicher Verantwortung: Zum Beispiel nutzen immer früher Kinder außerfamiliäre Bildungs- und Betreuungsangebote. 32,9 Prozent der Kinder unter drei Jahren werden außerfamiliär betreut. Knapp zwei Millionen Kinder zwischen drei und fünf Jahren besuchen eine Kindertageseinrichtung oder Tagespflege. Dies entspricht einer Betreuungsquote von 95 Prozent.

Während die Gesamtzahl von Schülerinnen und Schülern an integrierten Gesamtschulen oder Schulen mit mehreren Bildungsgängen stetig zunimmt, besuchen immer weniger eine Hauptschule. 2014 beendeten 21 Prozent der Schulabgängerinnen und -abgänger die Schulzeit mit einem Hauptschulabschluss. Trotz eines Rückgangs beenden immer noch 6 Prozent der Schulabgängerinnen und -abgänger die Schule ohne Hauptschulabschluss. Den größten Teil der Bildungsabgängerinnen und -abgänger machen mit 41 Prozent die Schülerinnen und Schüler aus, die das Abitur erwerben. Trotz eines Rückgangs der Hauptschülerinnen und Hauptschüler sowie der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss hängt der Bildungserfolg weiterhin nirgendwo so stark vom sozialen Status der Eltern ab wie in Deutschland. Nach wie vor besuchen Kinder und Jugendliche mit sozioökonomisch niedrigerem Status dreimal seltener ein Gymnasium. Auch Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund gehen (selbst unter Beachtung des jeweiligen sozioökonomischen Status) weiterhin seltener an ein Gymnasium und besuchen häufiger Hauptschulen als diejenigen ohne Migrationshintergrund.

Diese sozialen Disparitäten schreiben sich auch im Übergang in Ausbildung und Studium fort. In einigen Ausbildungsberufen zeichnet sich eine Verdrängung von jungen Menschen mit mittlerem Schulabschluss durch Jugendliche mit Hochschulzugangsberechtigung ab (z.B. in freien Berufen, im öffentlichen Dienst sowie etwas geringer ausgeprägt in Berufen der IHK und des Handwerks). Die Ausbildungssituation von jungen Menschen unterscheidet sich nach Berufsgruppen und Regionen. Insbesondere für junge Menschen mit maximal einem Hauptschulabschluss hat sich die Situation im Osten Deutschlands verschlechtert.

Junge Menschen sind im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung auf dem Arbeitsmarkt im Nachteil: Während bei den 15- bis 24-Jährigen die Jugendarbeitslosigkeit bei 7,8 Prozent liegt, sind Menschen zwischen 25 und 64 Jahren lediglich zu 4,7 Prozent von Arbeitslosigkeit betroffen. Im europäischen Vergleich haben junge Menschen in Deutschland allerdings deutlich bessere Chancen Arbeit zu finden. In einigen europäischen Staaten liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei über 50 Prozent. Insgesamt gehören ca. 14 Millionen und damit 15,4 Prozent der jungen Generation in Europa zu den sogenannten NEETs – junge Menschen, die sich weder in der Schule, noch in der Ausbildung oder im Beruf befinden. Aber auch wenn 18- bis 25-Jährige eine Ausbildung oder Arbeit gefunden haben, sind viele von ihnen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung überdurchschnittlich von Armut bedroht.

Einen Teil der jungen Menschen macht die zunehmende Zahl von begleiteten oder unbegleiteten geflüchteten Kindern und Jugendlichen aus, die nach Deutschland gekommen sind. Im Januar 2016 lebten über 60.000 minderjährige Geflüchtete und junge Volljährige ohne ihre Eltern in der Bundesrepublik und befanden sich damit in der Zuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe.

Gemeinsam Gesellschaft gerecht gestalten…

  • bezieht alle gesellschaftlichen Handlungsfelder mit ein
  • erfordert die Einmischung und Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe
  • ist nicht nur eine nationale, sondern auch eine europäische Aufgabe.

Das Leitpapier mit dem Titel "22. mio. junge chancen. gemeinsam.gesellschaft.gerecht.gestalten." wurde am 29. September 2017 vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ beschlossen. Es illustriert und erläutert was 22 Millionen junge Menschen in Deutschland brauchen und was ihnen die Kinder- und Jugendhilfe bietet:

  • Autonomie und Freiräume
  • Beteiligung und Mitbestimmung
  • Bildung und Bildungsgelegenheiten
  • Anerkennung und Förderung
  • Schutz und Sicherheit

Ebenso fordert das Papier die 22 Millionen junge Chancen als Teil von Europa zu begreifen und die Träger der Kinder- und Jugendhilfe dazu auf, sich aktiv für ein soziales, den Menschenrechten und dem Zusammenhalt verpflichtetes Europa einzusetzen und sich offensiv in die politische Auseinandersetzung über die Zukunft der EU einzubringen. Die Kinder- und Jugendhilfe muss junge Menschen dazu befähigen, ein sich veränderndes Europa mitzugestalten, kritisches Urteilsvermögen und interkulturelles Verständnis auszuprägen und demokratische Werte zu verinnerlichen.

Das Papier steht in voller Länge auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe unter  "Material" zur Verfügung, kann aber auch über die Internetseiten der AGJ heruntergeladen werden.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ

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