Kinder- und Jugendpolitik / Sozialpolitik

1,5 Millionen Kinder leben in Hartz IV: Entschlossenes Handeln gegen Kinder- und Jugendarmut gefordert

Ein kleines Mädchen spielt draußen mit Seifenblasen
Bild: Leo Rivas - unsplash.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Nach einer aktuellen Auswertung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) müssen mehr als 1,5 Millionen Kinder in Deutschland von Hartz IV leben. Der AWO Bundesverband kritisiert dies scharf und fordert einen weitreichenden und ganzheitlichen Ansatz gegen Kinderarmut. In seiner Ende letzten Jahres veröffentlichten Langzeitstudie weist der Wohlfahrtsverband zudem auf die langfristigen Wirkungen von Kinderarmut hin. Ein Drittel der armen Kinder bleibt auch im jungen Erwachsenenalter arm.

Anlässlich der am 6. Februar 2020 veröffentlichten Zahlen des DGB zu Kindern in Haushalten mit Grundsicherungsbezug erklärt der AWO Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler:

„Die aktuellen Auswertungen des DGB zeigen uns, dass das Hartz-IV-System Kindern und ihren Bedarfen nicht gerecht wird. Stattdessen brauchen wir einen weitreichenden und ganzheitlichen Ansatz gegen Kinderarmut. Zu den Maßnahmen gehört die Einführung einer einkommensabhängen Kindergrundsicherung, ein Ausbau der sozialen Infrastruktur, Investitionen in Bildungsgerechtigkeit sowie eine gezielte Unterstützung und Förderung junger Menschen beim Übergang in Ausbildung und Arbeit. Wichtig sind uns zudem die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für existenzsichernde Arbeit, um Einkommens- und Familienarmut wirkungsvoll zu bekämpfen. Wer starke Kinder will, muss auch die Familien stärken!“

Kinderarmut nachhaltig und wirksam bekämpfen

In einem so wohlhabenden Land wie Deutschland gelingt es immer noch nicht, Kinderarmut nachhaltig und wirksam zu bekämpfen. Kinderarmut ist weiterhin bittere Realität und gefährdet  die soziale und kulturelle Teilhabe sowie die Zukunftschancen von Millionen Kindern in Deutschland.

Aufschluss über die langfristigen Folgen von Kinderarmut gibt auch die AWO-ISS-Studie AWO-ISS-Studie zur Lebenssituation und Lebenslage (armer) Kinder. Die Panelstudie ist die fünfte Phase einer seit 1997 laufenden Langzeitstudie zur Kinder- und Jugendarmut. In ihr wurde Armut im jungen Erwachsenenalter quantitativ und qualitativ untersucht. Wolfgang Stadler weiter:
 
„Wir sehen, dass auch 20 Jahre später die Folgen von Kinderarmut häufig sichtbar bleiben. Wir können also sagen. dass sich Armut bei jungen Menschen verfestigt, wenn es uns nicht gelingt, armutspräventive Maßnahmen zu ergreifen und Unterstützungsstrukturen vor Ort zu schaffen. Wir verstehen die Studie daher erneut als politischen Auftrag.“

Das AWO Forderungspapier „Armut im Lebensverlauf: Kindheit, Jugend und junges Erwachsenenalter“ (PDF, 555 KB) steht beim AWO Bundesverband zur Verfügung.

Hintergrund

Nach einer aktuellen Auswertung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) leben in Deutschland weiterhin mehr als 1,5 Millionen Kinder im Alter bis 14 Jahren in Familien, die Hartz-IV-Leistungen beziehen. Dies seien kaum weniger als drei Jahre zuvor und die Zahl der armen Kinder stagniere auf hohem Niveau. Damit seien Haushalte mit Kindern von der relativ günstigen Entwicklung bei der Anzahl der Hartz-IV-Bezieher insgesamt weitgehend abgekoppelt. Zu diesem Ergebnis kommt der DGB in einer aktuellen Auswertung von Statistiken der Bundesagentur für Arbeit. Dabei wurden die Zahl der Leistungsbezieher differenziert nach Personenmerkmalen im September 2016 und September 2019 verglichen.

Weitere Informationen zur Auswertung stehen mit einem Statement beim Deutschen Gewerkschaftsbund zur Verfügung.

Quelle: AWO Bundesverband e.V. vom 06.02.2020