Bildungspolitik / Europa

Wissenschaft weltoffen: Deutschland bei internationalen Studierenden beliebt

Studenten unterschiedlicher Herkunft sitzen lächelnd in einer Bibliothek und hören jemanden zu.
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Nach den USA, Großbritannien und Australien ist Deutschland zum wichtigsten nicht-englischsprachigen Gastland für internationale Studierende aufgestiegen. Gleichzeitig gehen auch immer mehr deutsche Studierende und Forschende ins Ausland. Das zeigt der Bericht „Wissenschaft weltoffen 2019“, den der DAAD und das DZHW gemeinsam veröffentlicht haben.

Deutschland hat Frankreich als attraktivstes nicht-englischsprachiges Gastland für internationale Studierende überholt und ist damit nach den USA, Großbritannien und Australien zur viertwichtigsten Destination weltweit aufgestiegen. Bei ausländischen Forschenden steht Deutschland weltweit sogar auf Rang drei der Beliebtheitsskala. Das zeigt der Bericht „Wissenschaft weltoffen 2019“, den der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) am 15. August 2019 veröffentlicht haben. Die nunmehr 19. Auflage von „Wissenschaft weltoffen“ ist die wesentliche Informationsquelle zur internationalen Mobilität von Studierenden und Forschenden.

Studierende und Forschende aus dem Ausland

„Deutschland zieht immer mehr Studierende und Forschende aus dem Ausland an. Unser Hochschul- und Wissenschaftsstandort wird international immer attraktiver. Darauf können wir stolz sein und das sollte uns anspornen, noch besser zu werden. Die Ergebnisse zeigen nicht nur die hohe Qualität des deutschen Wissenschafts- und Hochschulsystems. Fast 42.000 internationale Studienabsolventinnen und -absolventen im letzten Jahr bilden auch ein bedeutendes und wachsendes Potenzial zur Deckung unseres Fachkräftebedarfs“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek anlässlich der Veröffentlichung des Berichts.

Im Wintersemester 2017/18 waren 375.000 ausländische Studierende in Deutschland eingeschrieben, darunter 282.000 internationale Studierende mit einer Hochschulzugangsberechtigung aus dem Ausland (sog. „Bildungsausländer“), die zum Zweck eines Studiums oder aus humanitären Gründen nach Deutschland gekommen sind. Aus den acht zugangsstärksten Asylherkunftsländern (Syrien, Afghanistan, Irak, Nigeria, Eritrea, Iran, Pakistan und Somalia) stammten 24.000 internationale Studierende an deutschen Hochschulen. Bei den meisten von ihnen dürfte es sich um Flüchtlinge handeln. Die Hochschulprogramme des DAAD für Flüchtlinge aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) haben zu ihrer Integration in die Hochschulen wesentlich beigetragen. Syrische Flüchtlinge bilden inzwischen die sechstgrößte ausländische Herkunftsgruppe an deutschen Hochschulen.

Motive für den Studienstandort Deutschland

Ein Fokus des diesjährigen Berichts liegt auf den Motiven international mobiler Studierender, in Deutschland zu studieren. Sie wurden im Rahmen der vom DZHW durchgeführten 21. Sozialerhebung abgefragt. Für mehr als die Hälfte (52 Prozent) der befragten internationalen Studierenden ist Deutschland das Studienland der ersten Wahl. Für 79 Prozent der Befragten spielen karriere- und hochschulbezogene Motive eine wichtige Rolle bei ihrer Entscheidung. Dazu gehören die Erwartung guter Berufschancen (83 Prozent), eine hohe Qualität der Hochschulausbildung in Deutschland (76 Prozent), international anerkannte Abschlüsse (74 Prozent) und der gute Ruf deutscher Hochschulen (71 Prozent). Dass Deutschland ein exzellenter Wissenschaftsstandort ist, spricht sich herum: 83 Prozent der internationalen Studierenden geben an, dass sie ihren Freunden und Bekannten in ihrem Herkunftsland Deutschland als Studienort empfehlen.

Auch deutsche Studierende sind hochgradig mobil. 2016 strebten fast 145.000 Deutsche einen Studienabschluss an einer Hochschule im Ausland an. Etwa ein Drittel aller deutschen Studierenden absolviert während des Studiums einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt.

Deutsche Studierende so mobil wie noch nie

„Noch nie waren so viele deutsche Studierende im Ausland wie heute“, sagt DAAD-Präsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel. „Trotzdem müssen wir unsere Bemühungen verstärken, dass junge Menschen den Wert internationaler Erfahrungen erleben können. Mit den neuen Programmen Lehramt.International und HAW.International eröffnen wir zwei wichtigen Gruppen, die bisher noch weniger mobil waren, zusätzliche Wege ins Ausland. Die hohe Resonanz auf unsere Förderinitiativen belegt, dass sie den Zeitgeist treffen und dem Bedürfnis der Hochschulen und Studierenden nach globaler Vernetzung entgegenkommen.“

Die Zahl ausländischer Forschender in Deutschland unterstreicht ebenfalls die Qualität des deutschen Wissenschaftssystems im weltweiten Maßstab. Mehr als 108.000 ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiteten 2017 in Deutschland. Dazu zählten rund 47.500 wissenschaftliche Angestellte an deutschen Hochschulen, 12.000 angestellte Wissenschaftler an den vier größten außeruniversitären Forschungseinrichtungen und mehr als 46.000 ausländische Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im deutschen Wissenschaftssystem. „Die Zahl der ausländischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den deutschen Hochschulen hat sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Diese enorme Entwicklung verleiht Lehre und Forschung in Deutschland neue kreative Impulse und sichert internationale Anschlussfähigkeit“, betont Prof. Dr. Monika Jungbauer-Gans, wissenschaftliche Geschäftsführerin des DZHW.

Für eine vergleichbar umfassende Bezifferung der Zahl deutscher Forschender im Ausland fehlt derzeit zwar in vielen Gastländern noch die nötige Datenbasis. DAAD und DZHW haben jedoch für einige wichtige Gastländer, darunter die Schweiz, USA, Großbritannien und Österreich, die Zahl der an Hochschulen beschäftigten deutschen Forscherinnen und Forscher erhoben. Diese lag im Jahr 2018 bei rund 30.000; darunter sind über 10 Prozent Professorinnen und Professoren. 2017 wurden zudem von in- und ausländischen Organisationen rund 15.000 Aufenthalte deutscher Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler sowie rund 3.200 Gastdozenturen im Rahmen des Programms Erasmus+ im Ausland gefördert.

Weitere Informationen zum Programm Erasmus+stehen beim Bundesbildungsministerium zur Verfügung. Dort finden sich auch Hinweise zu den vier Programmteilen in den Bereichen Hochschule, berufliche Bildung, schulische und außerschulische Bildung. Im Bereich der außerschulischen Bildung und des informellen Lernens informiert die Nationale Agentur JUGEND für Europa unter www.jugend-in-aktion.de.

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung vom 15.08.2019

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