Bildungspolitik / Coronavirus

Weltalphabetisierungstag: Kein Geld für die Bildung

Dunkelhäutige Hand schreibt in ein Notizheft
Bild: Death to stock

Die Corona-Pandemie könnte massive finanzielle Auswirkungen auf den weltweiten Bildungssektor haben - und damit Millionen Kinder ihr Recht auf Bildung nehmen. Darauf haben die SOS-Kinderdörfer zum Tag der Alphabetisierung am 8. September 2020 hingewiesen.

Bereits vor Ausbruch der Pandemie sei die Bildung in vielen Ländern unterfinanziert gewesen: Weltweit hätten 148 Milliarden Dollar gefehlt, um das Ziel zu erreichen, bis 2030 jedem Kind eine qualitativ hochwertige Bildung zu garantieren. „Diese finanzielle Lücke könnte nach Schätzungen um ein Drittel wachsen. In einem Großteil der Länder sind die Einnahmen massiv zurückgegangen. Gleichzeitig haben die Staaten zusätzliche Aufgaben zu bewältigen“, sagt Boris Breyer, Sprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit. Geld fließe aktuell in die soziale Absicherung der Menschen, die in der Coronakrise in Existenznot geraten sind, sowie in die Gesundheitssysteme.

Weniger Geld für Bildung

Es sei damit zu rechnen, dass die Bildungsbudgets heruntergeschraubt würden oder geplante Erhöhungen ausblieben. Beispielsweise könnten in Afrika südlich der Sahara die Pro-Kopf-Ausgaben für Bildung nach Prognosen der Weltbank um 4,2 Prozent sinken. In den Entwicklungsländern könnten im nächsten Jahr 100 bis 150 Milliarden Dollar weniger für die Bildung ausgegeben werden als geplant.
Zu den Einsparungen der Staaten komme die Not der Familien. Nach Schätzungen könnten weltweit 100 Millionen weitere Menschen in die extreme Armut rutschen. „Wer nicht weiß, was er am nächsten Tag essen soll, kann keine Bücher oder Schulgeld bezahlen! Eher werden Kinder zum Arbeiten geschickt, damit die Familien überleben“, sagt Breyer.

Mit Bildung der Armut entkommen

Auch die Qualität der Bildung drohe weiter abzusinken. „Schon vor der Pandemie konnte in den Entwicklungsländern über die Hälfte aller Kinder unter elf Jahren nicht oder kaum lesen und rechnen. Wenn Gelder gestrichen werden, wird die Zahl ansteigen“, sagt Breyer. „Wir müssen die finanziellen Mittel bereitstellen, um Kindern das Recht auf Bildung zu garantieren. Für viele ist das die einzige Chance, der Armut zu entkommen. Es geht um das Schicksal einer ganzen Generation!“

Über die SOS-Kinderdörfer

Die SOS-Kinderdörfer unterstützen Kinder aus armen Familien während der Corona-Pandemie mit vielfältigen Bildungsangeboten. So stellen sie vielerorts die Ausrüstung für das Online-Lernen zur Verfügung und tragen dafür Sorge, dass möglichst viele Jungen und Mädchen ihre Bildung fortführen können.

Quelle: SOS-Kinderdörfer weltweit

Info-Pool