Inklusive Bildung

UNESCO-Expertenkreis warnt vor Rückschritten aufgrund der Pandemie

Junge mit Mundschutz sitzt am Tisch und schaut nach unten
Bild: Alexandra Koch - pixabay.com   Lizenz: CC0 / Public Domain Arbeiten Dritter

Die Corona-Pandemie hat eine globale Bildungskrise ausgelöst. Der Expertenkreis Inklusive Bildung der Deutschen UNESCO-Kommission warnt, dass COVID-19 zu Rückschritten in der inklusiven Bildung führen könnte. Die Schulschließungen, neue Unterrichtsformen und mangelnde soziale Kontakte treffen diejenigen besonders hart, die auf individuelle Lernbedingungen angewiesen sind.

Am 24. September 2020 hat der Expertenkreis Empfehlungen veröffentlicht, in denen alle Verantwortlichen des Bildungswesens dazu aufgerufen werden, das Recht auf inklusive und hochwertige Bildung zu gewährleisten.

Ute Erdsiek-Rave, Ministerin a. D. und Vorsitzende des Expertenkreises, betonte: „Junge Menschen mit besonderem Förderbedarf brauchen jetzt mehr Unterstützung, mehr Hilfe und Aufmerksamkeit denn je. Soziale und ökonomische Probleme in den Familien müssen erkannt und ausgeglichen werden, auch durch die Schule. Dies bedeutet: mehr Kontakt zu den Familien, besondere Hilfe bei der Digitalisierung und beim selbständigen Lernen. Die am stärksten benachteiligten jungen Menschen drohen sonst zu den größten Verlierern der Bildungskrise zu werden.“

Die Empfehlungen beziehen sich sowohl auf Präsenzunterricht als auch auf das Lernen zu Hause und adressieren Länder, Schulministerien und -behörden, Schulträger sowie die Schulen selbst.

  • So empfiehlt der Expertenkreis den Bundesländern beispielsweise, Mindeststandards für die Schulen zu formulieren, in denen Förderbedarfe, Begabungen, soziale Herkunft und weitere Kriterien berücksichtigt werden.
  • Die Schulen sollen für alle Schülerinnen und Schüler Formate zur Lernstandserhebung, zur formativen Leistungsbewertung und zur individuellen Förderung entwickeln, die in verschiedenen Unterrichtsszenarien anwendbar sind.
  • Außerdem sollen Kinder mit besonderen Bedarfen oder Herausforderungen bei Schulschließungen – ähnlich wie Kinder von Eltern in systemrelevanten Berufen – Anspruch auf Präsenz und intensive Unterstützung haben.

Alle Empfehlungen des Expertenkreises (PDF 97 KB) finden sich auf der Webseite der Deutschen UNESCO-Kommission.

Hintergrund

Die Forderung nach einer inklusiven Bildung ist integraler Bestandteil der Agenda Bildung 2030, die 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Das Oberziel der Agenda Bildung 2030 ist in Ziel 4 der insgesamt 17 Sustainable Development Goals (SDGs) formuliert: „Bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherstellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen fördern.“

Die Deutsche UNESCO-Kommission hat 2010 den dreißigköpfigen Expertenkreis Inklusive Bildung eingerichtet. Durch ihn soll der Austausch zu inklusiver Bildung weiter gefördert werden, um die Umsetzung bundesweit zu stärken.

Quelle: Deutsche UNESCO-Kommission vom 24.09.2020

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