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Bildungspolitik / Kinder- und Jugendpolitik

Steigender Bildungsstand – sozial ungleich verteilt

Zwei Schülerinnen und ein Schüler unterschiedlicher Herkunft sitzen an einem Tisch und lernen.
Bild: © luckybusiness - Fotolia.com

"Der Bildungsstand in Deutschland steigt." Das betonte Andreas Schleicher, Director for Education bei der OECD, zu Beginn des Öffentlichen Fachgesprächs zum Thema "Bildung in Deutschland" im Deutschen Bundestag. Zugleich sei der Anteil der Jugendlichen, die maximal einen Hauptschulabschluss erreichen, immer noch zu hoch.

Vor allem die berufliche Bildung und Ausbildung sei in Deutschland vorbildlich, unterstrich Schleicher, der sich in seinem Vortrag auf den OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick 2016" stützte. Auch habe sich der tertiäre Bereich in Deutschland entwickelt. Darunter versteht man auf die Sekundarschulbildung aufbauende Bereiche wie Fachhochschulen, Berufsakademien und Universtäten. Er betonte, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland für höher Qualifizierte noch nicht gesättigt sei.

In Deutschland würde sich höhere Bildung auch monetär auszahlen. Jemand, der einen Bachelorabschluss habe, würde später rund 50 Prozent mehr als der Durchschnitt verdienen, jemand mit einem Master Abschluss sogar 80 Prozent. Allerdings sei der Verdienst auch stark vom Studienfach abhängig. Kritisch merkte er an, dass Deutschland nur 4,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Bildung investieren würde. Das Mittel in der OECD läge immerhin bei 4,8 Prozent.

Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg

Kai Maaz, Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, und Thomas Rauschenbach, Direktor des Deutschen Jugendinstituts, unterstrichen, dass trotz des Anstiegs junger Menschen mit einer Hochschulzugangsberechtigung der Anteil der Jugendlichen, die maximal einen Hauptschulabschluss erreichen würden, noch immer zu hoch sein - vor allem bei jungen Menschen aus sozial weniger begünstigten Familien und Migrantenfamilien. Auf diese Gruppe müsste daher in Zukunft vermehrt der Blick gerichtet werden. Der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg sei noch immer nicht aufgelöst, betonten die beiden Mitglieder der Autorengruppe "Nationale Bildungsberichterstattung".

Susanne J. Czaja, Doktorandin an der Freien Universität Berlin und Vorstandsmitglied der Initiative "Was bildet ihr uns ein", forderte mehr als bisher die sogenannten "Bildungsbetroffenen" in den Diskurs mit einzubeziehen. Die Beteiligung von jungen Menschen am Diskurs zum Bildungssystem habe ein großes demokratisches Potential.

Mehr Qualität für Kita und Schule 

Elke Hannack, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), sprach von einer "gespaltenen Bildungsrepublik". Sie kritisierte die soziale und regionale Spaltung, die strikte Trennung von beruflicher und akademischer Bildung und den wachsenden Anteil privater Schulen. Sie forderte bessere Standards bei der frühkindlichen Bildung in den Kitas, den Rechtsanspruch auf einen Ganztagsschulplatz, den Ausbau der Schulsozialarbeit und die Stärkung des BAföGs.

Udo Michallik, Generalsekretär der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK), lobte in seiner Stellungnahme in weiten Teilen die Erfolge des Bildungssystems. Aber auch er betonte, dass Staat und Gesellschaft ein besonderes Augenmerk auf die potenzielle Bildungsverlierer richten müssten. Dies betreffe vor allem diejenigen, deren Eltern keinen Abschluss auf Sekundarstufe II-Niveau (Schule bzw. Berufsausbildung) erreicht hätten.

Chancengerechtigkeit und Sprachbildung

Rita Nikolai, Institut für Erziehungswissenschaften an der Humboldt Universität Berlin, forderte zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit den Ausbau der Ganztagsschulen voran zu treiben und die Sprachbildung, gerade für Migrantenkinder, zu stärken.

Petra Stanat, Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität, setzte sich unter anderem dafür ein, in Zukunft den Fokus stärker auf die Qualität von Schule und Unterricht statt auf Schulstrukturen zu setzen.

Modernisierung des Bildungssystems 

Auch Ulrich Trautwein vom Hector-Institut für Empirische Bildungsforschung der Universität Tübingen betonte, dass bei der Modernisierung des Bildungssystem das Augenmerk auf die Qualitätsstrukturen gelegt werden müsste. Ferner forderte er mehr Qualitätssicherung, also abschließende Evaluationen von Maßnahmen im Bildungssystem.

Quelle: Heute im Bundestag vom 30.11.2016 

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